Juan Carlos Ferrero im Exklusiv-Interview über seine Akademie und das spanische Tennis

"Diese Generation ist nicht wiederholbar"

Dienstag, 28.02.2017 | 13:31 Uhr
Juan Carlos Ferrero gab tennisnet.com ein exklusives Interview
© equelite Tennis Academy
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Juan Carlos Ferrero war 2003 sieben Wochen lang die Nummer eins der Herren-Weltrangliste, gewann im selben Jahr die French Open und wurde aufgrund seiner pointierten Vorhand "Moskito" genannt. Heute lebt der 37-Jährige mit seiner Familie im Areal seiner "equelite Tennis Academy" in Alicante. tennisnet.com plauschte mit dem 16-fachen Turniersieger über seine jetzige Arbeit als Akademieleiter, die Zukunft des spanischen Tennissports nach Nadal & Co. und darüber, wie wichtig ihm seine Familie ist.

tennisnet: Herr Ferrero, zunächst einmal vielen Dank für die Möglichkeit, dieses Interview mit Ihnen zu führen. Ein Gespräch mit einer ehemaligen Nummer eins ist auch für einen Tennis-Redakteur keine tägliche Routine. Wie geht es Ihnen denn?

Juan Carlos Ferrero: Danke für die Einladung. Es freut mich, hier zu sein. Mir geht es richtig gut. Danke der Nachfrage.

tennisnet: Mit Sicherheit hat sich Ihr Leben enorm verändert, seitdem sie ihre Karriere als Profi beendet haben. Wir wissen, dass Sie innerhalb des Areals Ihrer "equelite Tennis Academy" leben. Wie kann man sich das so vorstellen?

Ferrero: Ja, mein Leben hat sich schon stark verändert, Tennis beherrscht es aber immer noch. Ich trainiere mit unseren Spielern so oft es geht. Ich spiele sehr gerne mit ihnen, gebe ihnen Ratschläge, und sie nehmen das dankbar an. Manchmal nehme ich auch noch an Turnieren auf der Senior-Tour teil.

tennisnet: Was sind ihre Hauptaufgaben in der Akademie? Wie ist es, mit den jungen Spielern zu arbeiten? Sie haben ja in jedem Fall viele Erfahrungen gesammelt, die Sie ihnen mit auf den Weg geben können.

Ferrero: Ich bin für die Trainingseinheiten und die Trainer verantwortlich. Ich versuche so oft wie möglich auf die Plätze - zu den Spielern und den Trainern - zu gehen. Aber auch wenn es sich gerade nicht ausgeht, treibe ich mich auf der Anlage herum und beobachte die Trainings. Falls es mal Probleme gibt oder mir Dinge auffallen, die man verbessern kann, rede ich mit den Trainern und auch mit den Spielern, wenn es notwendig sein sollte.

tennisnet: Sie haben ja selbst die "equelite Tennis Academy" besucht, waren einer der ersten Schüler dort und sind später die Nummer eins der ATP-Weltrangliste geworden. Was macht die Akademie für Sie so einzigartig?

Ferrero: Die Akademie hat alles, was Spieler brauchen, um ihre Ziele zu erreichen. Mal von der Infrastruktur abgesehen, haben wir viel Personal mit einem Haufen Erfahrung. Wir sind wie eine große Familie. Wir sind 24 Stunden mit den Kids zusammen, viele der Angestellten und Trainer leben innerhalb der Anlage, um sicherzustellen, dass alle Schüler jederzeit betreut werden. Die Atmosphäre ist ideal, um sich auf die Dinge fokussieren zu können, auf die es ankommt: Tennis und Lernen.

tennisnet: Inwiefern hat sich die Akademie verändert, von der Zeit als Sie selbst Schüler waren bis heute?

Ferrero: Sehr. Als Toni (Antonio Martinez, Trainer von Ferrero während seiner kompletten Karriere, Anm.) die Akademie gegründet hat, bestand die ganze Anlage aus einem kleinen Haus, zwei Tennisplätzen und einem Fitnessraum. Als wir dann begannen, Turniere zu gewinnen, haben wir uns zusammengesetzt und entschieden, das Geld in die Akademie zu investieren. Der Unterschied ist enorm, und wir wollen auch in den kommenden Jahren noch einiges verändern. Wie im Tennis selbst, man kann sich immer verbessern.

tennisnet: Nicola Kuhn hat sich Ende 2015 vom Deutschen Tennis Bund getrennt, spielt jetzt für Spanien und studiert an Ihrer Akademie. Wie macht er sich aus Ihrer Sicht?

Ferrero: Nicola lebt in Spanien, seit er drei Monate alt ist. Er hat sein ganzes Leben in Spanien gespielt. Er hat noch unter deutscher Flagge gespielt, als er schon längst bei uns trainiert hat. Er fühlt sich Deutschland sicherlich verbunden, weil die Familie seines Vaters von dort stammt, aber in seinem Herzen ist er Spanier, und als der spanische Verband entschieden hatte, ihn einzuladen, hat er sofort zugesagt, sein Land zu vertreten. Er ist noch jung, und es liegt noch einiges vor ihm, aber er arbeitet hart. Wir sind überzeugt, dass er es noch weit bringen wird.

tennisnet: Haben Sie eigentlich viele Studenten aus anderen Ländern?

Ferrero: Ja, eine Menge. Die meisten unserer Spieler sind keine Spanier. Wir arbeiten mehr in Englisch als in jeder anderen Sprache. Bei uns sind Spieler aus allen Teilen der Welt: Briten, Niederländer, Deutsche, Inder, US-Amerikaner, Thailänder und viele mehr.

tennisnet: So spontan wie möglich: Aus welchem Grund sollte sich ein Spieler aus einem anderen Land entscheiden, in Ihrer Akademie zu trainieren. Womit würden Sie versuchen, ihn zu überzeugen, dass Ihre Akademie einzigartig ist?

Ferrero: Jeder der Interesse hat, sollte uns besuchen kommen. Dann wird jeder schnell wissen, dass er auch bleiben sollte. Es ist nicht nur das Training, es ist das Gefühl von Sicherheit und Wertschätzung, das man bei uns bekommt. Wir behandeln alle Spieler gleich. Und wenn sie hart arbeiten und ihr Bestes geben, ist es uns eine Freude, ihnen zu helfen und sie auf ihren Wegen zu begleiten.

tennisnet: Eine Frage zum wohl wichtigsten und bekanntesten spanischen Tennisspieler der letzten Jahre: Rafael Nadal. Was sagen Sie zu seinem jüngsten Erfolg - dem Erreichen des Finals der Australian Open? Kann er in Roland Garros den 15. Grand-Slam-Titel holen?

Ferrero: Ich denke, er wird noch viele Jahre ganz vorne mitspielen. Es ist nicht das erste Mal, dass er sich aus einer schlechten Phase herauskämpft. Es steht außer Zweifel, dass er einer der Topfavoriten in Roland Garros sein wird.

Seite 1: Ferrero über seine Akadamie, Kuhn und Nadal

Seite 2: Ferrero über das Ende einer Generation, den Davis Cup und die Tour

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