Tennis

Das Spiel des Gegners lesen: Die zwei Spielertypen

Von Marco Kühn / tennis-insider.de
Alex de Minaur ist Australiens Nummer eins
© getty

Wundert es dich manchmal, dass deine Gegner deine schnellen Bälle noch schneller und besser zurückspielen? Fühlst du dich phasenweise hilflos, wenn selbst deine härteste Vorhand doppelt so schnell wieder zurückkommt?

Diese Spielsituationen haben ihren Ursprung in zwei verschiedenen Spielertypen, die du auf fast jeder Tennisanlage dieser Welt finden wirst. Wenn du das Spiel deiner Gegners besser lesen und somit auch verstehen willst, dann lies jetzt unbedingt weiter.

Der Counter-Puncher

Alex Antonitsch ist Fan von ihm. Er hat schon einigen Spielern das Leben auf dem Platz schwer gemacht. Er ist das Paradebeispiel eines Counter-Punchers, eines Spielers, der es liebt mit dem Tempo der gegnerischen Schläge zu jonglieren: Alex de Minaur, ein hagerer Typ aus Australien, ist ein Kerl, der deine härteste Vorhand nimmt, in Geschenkpapier einwickelt und dir ein bitterböses Geschenk zurückschickt.

Diese Spielertypen stehen gern etwas weiter hinter der Grundlinie, aber nicht im Zaun wie Rafael Nadal beim Return. Sie geben ihren Gegnern gern Futter, weiche Bälle, nicht zu kurz gespielt. Gibt der Gegner im Ballwechsel Gas, beginnt sich die große Stärke der Counter-Puncher zu entfalten. Sie können besonders aus dem Lauf heraus beinahe mühelos jedes Tempo fehlerfrei mitgehen. Schnelle Bälle spielen sie schneller zurück. Sie sind flink auf den Füßen, stehen fast immer pünktlich am Ball und haben ihre größten Momente, wenn der Gegner seine härtesten Schläge auspackt.

Doch sie haben Schwierigkeiten, wenn sie selbst gefüttert werden. Wenn sie selbst das Tempo in den Ballwechseln bestimmen müssen. Der typische Counter-Puncher ist ein Genie darin, schnelle Bälle noch schneller zu machen. Er versagt aber dabei, langsame Bälle selbst schnell zu spielen.

Der Roboter

Kann er den Ball aus dem Stand spielen, ist der Punkt so gut wie gelaufen. Jeder zu kurze und zu weiche Ball ins Halbfeld wird bestraft. Die Kombination aus Aufschlag und Vorhand ist seine größte Waffe. Eine hohe Quote beim ersten Aufschlag ist gleichbedeutend mit vielen leicht gewonnen Aufschlagspielen, da er auf diesem Aufschlag aufbauend seine Vorhand direkt und effektiv einsetzen kann. Der Roboter kennt keine Gnade. Karen Khachanov ist ein ideales Beispiel für den Spieler, der, einmal in die Offensive gekommen, kaum noch zu bremsen ist. Befindest du dich einmal in der Mühle eines Roboters, wird es schwer für dich, noch mal den Ausgang zu finden.

Doch der Roboter mag es überhaupt nicht, wenn er bewegt wird. Wenn er aus dem Lauf heraus spielen muss oder seine Gegner ihn mit einem kurzen und flachen Slice aus der Komfortzone ziehen. Bälle unterhalb der Netzkante kann er nur schwer verarbeiten. Wird er schnell und präzise angespielt, kommt er kaum mehr aus der eigenen Defensive heraus.

Zeichne ein Bild

Wenn du das nächste Mal gegen einen dir unbekannten Gegner auf dem Platz stehst, versuche ein Bild von diesem zu zeichnen. Jede Zeichnung besitzt Konturen. Überlege, in welche Kategorie du deinen Gegner einsortieren würdest, welche Konturen dieser Gegner besitzt. Du hast dafür simpelste spielerische Methoden zur Verfügung: Spiele bewusst mal kürzer und weicher und beobachte, wie dein Gegner auf diese Spielsituationen reagiert. Schleichen sich leichte Fehler ein? Hat er Probleme langsame Bälle schnell zu spielen?

Auf der anderen Seite kannst du sofort reagieren, wenn dein Gegner deine schnellen Bälle mühelos aus dem Lauf hinten ins Eck spielt. Mehr Tempo würde mehr Probleme für dich bedeuten. Du kannst dein Spiel direkt taktisch ganz anders ausrichten und dich nach dem Spiel deines Gegners richten.

Mit der richtigen Zeichnung deines Gegners findest du die besten taktischen Mittel zum Erfolg.

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