Schulter-Leiden: Behandlungsmethoden bei Schulterverletzungen

Von Tabea/tennisnet
Freitag, 08.06.2018 | 19:44 Uhr
Juan Martín del Potro muss sich an der Schulter behandeln lassen
© getty

Das Schultergelenk leistet gerade im Tennissport Schwerstarbeit und ist deshalb besonders verletzungsanfällig. Sowohl Amateure als auch Profis haben hier immer wieder mit Problemen zu kämpfen. Grund genug für uns, in Kooperation mit der Abteilung Sportorthopädie und arthroskopische Chirurgie des KrankenhausesTabea, einen ausführlichen Blick auf Ursachen, Behandlungsmöglichkeiten und Prävention von Schulterverletzungen zu werfen.

Massagen, Bittersalzbäder, Ingwer, sanfte Dehnübungen - es gibt viele Hausmittel und Tipps, die bei leichten Schulterbeschwerden helfen. Doch wenn die Schmerzen stark oder gar chronisch sind, ist der Gang zum Arzt unumgänglich. Je nach Art der Verletzung sind die Behandlungsmethoden dabei durchaus unterschiedlich.

Der erste Schritt ist immer eine ausführliche und genaue Anamnese: Wann treten die Beschwerden auf, wie lange bestehen die Probleme bereits, gab es im Vorfeld schon Verletzungen. Als nächstes schließt sich eine sportmedizinische Untersuchung mit Überprüfung der Beweglichkeit sowie speziellen Muskel- und Funktionstests an. Auf dieser Grundlage hat der Arzt meist schon eine Vorstellung von der Diagnose, zu deren Bestätigung dann apparative Verfahren wie Ultraschall, Röntgen oder MRT/CT eingesetzt werden. Wenn die Diagnose steht, folgt die Behandlung.

Die häufigste Art der Verletzung in der Schulter ist die der Rotatorenmanschette. Wie es dazu kommen kann, haben wir euch bereits im vergangenen Teil unserer Serie erklärt. Vor allem Tommy Haas litt im Laufe seiner Karriere nicht nur einmal unter einer solchen Verletzung und musste sich letztlich auch einer OP unterziehen. Hierzu Dr. Mathias Himmelspach: "Liegt ein Riss der Rotatorenmanschette vor, empfiehlt sich beim aktiven Sportler meist die Operation. Hier wird über eine Schlüssellochtechnik (Arthroskopie) die Sehne wieder am Knochen befestigt."

In so einem Fall muss mit einer Rehabilitationszeit von mindestens sechs Monaten gerechnet werden, häufig dauert es auch ein Jahr, bis die Schulter wieder sportlich voll belastbar ist. Dr. Himmelspach weiter: "Eine schnelle Genesung innerhalb weniger Wochen oder sogar Tage gibt es meiner Meinung nach im Bereich der Schulter nicht. Das Gelenk ist zu komplex muskulär geführt, und das feinsinnige Zusammenspiel der verschiedenen Muskeln für die extremen Bewegungen muss erst wieder hergestellt werden."

Chronische Überlastungsschäden

Im Bereich der Schulter kommt es häufiger zu chronischen Überlastungsschäden. So führen zum Beispiel die immer wiederkehrenden extremen Ausholbewegungen des Schlagarmes beim Aufschlag zu einseitigen Anpassungsvorgängen der Gelenkkapsel. Wenn diese nicht frühzeitig erkannt und therapiert werden, kann es zu Schädigungen der Rotatorenmanschette kommen.

Auch Maria Sharapova hatte im Laufe ihrer Karriere Probleme mit der Rotatorenmanschette. Doch war das nicht die einzige Schulterverletzung der Russin. 2013 musste sie aufgrund einer Schleimbeutelentzündung (Bursitis) ihre Teilnahme an den US Open absagen - ein weiteres häufiges Schulterproblem. Wurde solch eine Bursitis festgestellt, ist es vor allen Dingen wichtig, die betroffene Schulter zu schonen. Bis zum Abklingen der Schmerzen sollte eine Trainingspause eingehalten werden, ansonsten besteht die Gefahr, dass die Schleimbeutelentzündung langfristig bestehen bleibt.

Auf körperliche Bewegung muss jedoch nicht komplett verzichtet werden. Sobald eine Besserung eintritt, kann man wieder mit einem leichten Training beginnen. In der Regel dauert es bis zum Abklingen der ersten Symptome und Schmerzen einige Tage, erklärt Dr. Himmelspach.

Schultereckgelenkssprengung

In Folge eines Sturzes kann es zu weiteren, akuten Problemen kommen, die unbedingt in die Hände eines Facharztes gehören. Hierzu gehören zum Beispiel eine Verletzung des Schultereckgelenkes (AC- Gelenk) oder eine Schulterluxation (Auskugelung).

Bei einer Schultereckgelenkssprengung hängt die Therapieform vom Grad der Instabilität ab. Leichtgradige Verletzungen des Akromioklavikulargelenks (ACG) werden in der Regel konservativ behandelt. Mittels Gilchrist-Verband wird die Schulter für einige Tage ruhig gestellt, anschließend erfolgt eine Physiotherapie. Hier muss man mit Ausfallzeiten von ca. 4-6 Wochen rechnen.

Dagegen sollten hochgradige ACG-Instabilitäten gerade bei Überkopfsportlern, wie es im Tennis der Fall ist, eher operativ versorgt werden. Dies geschieht in den meisten Fällen minimalinvasiv oder arthroskopisch gestützt, wobei eine volle, uneingeschränkte Belastbarkeit in der Regel erst nach vier Monaten wieder gegeben ist.

Schulterluxation

Bei einer Schulterluxation kommt es in 95% der Fälle durch einen Sturz auf den nach hinten abgespreizten und nach außen rotierten Arm zu einem Herausrutschen des Oberarmkopfes aus der Gelenkpfanne nach vorne unten. Dabei reißen Bänder an der Schulter ein, und die Gelenkkapsel wird überdehnt. In der konservativen Behandlung wird zunächst die Schulter wieder eingerenkt und anschließend für wenige Tage mit einer Bandage fixiert. Junge Sportler unter 30 Jahren haben ohne Operation allerdings ein hohes Risiko von bis zu 80% für eine erneute Luxation der Schulter.

Jedoch hängt solch eine Therapieentscheidung auch von der jeweiligen Situation des Sportlers ab. Natürlich kann ein Tennisspieler prinzipiell konservativ behandelt werden, sollte es sonst - z.B. aufgrund einer Operation - für ihn das Ende der aktuellen Saison bedeuten. Er kann dann zwar ggfs. nach wenigen Wochen auf den Platz zurückkehren, hat aber auch ein hohes Risiko für ein erneutes Auskugeln des Schultergelenks (Rezidivluxation).

Nach der Operation folgt viel Arbeit

Im Einzelfall wird der behandelnde Arzt unter Bewertung aller Faktoren die Optionen und Risiken und somit auch die Notwendigkeit einer stabilisierenden Operation immer eingehend mit dem Sportler besprechen. Fällt die Entscheidung für die stabilisierende Operation, bedeutet dies für den Sportler je nach Operationstechnik einen Ausfall von mindesten vier bis neun Monaten.

Mit der Behandlung ist der Heilungsprozess aber meist noch nicht abgeschlossen. Es gibt hier auch im Nachhinein noch einiges zu beachten, wenn man das Training wieder aufnimmt. Dr. Himmelspach empfiehlt: "In vielen Fällen ist es sehr hilfreich, die sogenannte Ausgleichsmuskulatur speziell zu trainieren und die Körperhaltung inklusive der Beweglichkeit der Schulter zu verbessern."

Am besten ist es aber natürlich, wenn es gar nicht erst zu einer Schulterverletzung kommt. Wie ihr hier vorsorgen könnt, erklären wir euch im nächsten Teil unserer Serie. Also: weiterlesen und unsere Folgeartikel nicht verpassen!

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