Tennis

Wimbledon: Martina Navratilova - "Julia Görges sollte auch Mut zur Offensive haben"

Von Jörg Allmeroth
Wenn jemand weiß, wie man Wimbledon gewinnt, dann Martina Navratilova
© getty

Martina Navratilova ist mit neun Einzelsiegen (1978, 1979, 1982-1987, 1990) die Rekordgewinnerin in Wimbledon. Die 61-jährige US-Amerikanerin holte insgesamt 20 Titel an der Church Road, den letzten 2003 im Mixed - mit 46 Jahren. Navratilova arbeitet während des laufenden Turniers u.a. als Kommentatorin für die BBC.

Von Jörg Allmeroth aus Wimbledon

tennisnet: Frau Navratilova, zwei deutsche Halbfinalistinnen in Wimbledon. Wie sehr erstaunt Sie dieser Erfolg?

Martina Navratilova: Angelique Kerber und Julia Görges stehen für eine starke deutsche Tennis-Generation. Und beide haben schlicht das Potenzial für diese bisherigen Siege, für diesen sehr guten Lauf in Wimbledon. Allerdings hat Julia deutlich länger gebraucht, um speziell hier ihre Potenziale zu sehen und zu nutzen.

tennisnet: Hat Görges eine Chance gegen Serena Williams?

Navratilova: Sie sollte auf jeden Fall mit Selbstbewusstsein und Zuversicht in das Match gehen, denn sie ist einer der stärksten, überzeugendsten Spielerinnen der letzten zwölf Monate. Die große Frage ist: Wie bewältigt sie diese mentale Herausforderung? Serena im Halbfinale in Wimbledon gegenüber zu stehen. Und selbst zum ersten Mal in einem Wimbledon-Match auf dem Centre Court zu stehen. Es wird ein harter Test für ihre Nerven.

"Görges hat in Wimbledon mehr Asse geschlagen als Serena"

tennisnet: Worauf kommt es für Görges besonders an?

Navratilova: Sie muss sicher und souverän servieren. Ihre eigenen Aufschlagspiele dominieren und dann gezielt angreifen, wenn Serena ihr Chancen bietet. Julia hat bisher ja mehr Asse als Serena geschlagen, 44 zu 39. Außerdem ist sie eine gute Doppelspielerin, sollte also auch Mut zur Offensive haben.

tennisnet: Kerber hat bisher eine starke Grand Slam-Saison gehabt, sie spielt nun auch in Wimbledon in der Form ihrer Topsaison 2016 auf.

Navratilova: Tatsächlich ist ihr ein beeindruckendes Comeback gelungen. Sie hat das für sie enttäuschende Jahr 2017 einfach abhaken können, sozusagen die Neustart-Taste gedrückt - und wirkt sehr konzentriert und konsequent hier in ihrem Spiel. Gegen die erfrischende Daria Kasatkina hat sie auch besonders mit ihrer überragenden Physis gepunktet, mit ihren schnellen Beinen. Sie hat buchstäblich jeden Punkt tot gerannt.

"Kerber gegen Ostapenko wird eine aufregender Fight"

tennisnet: Das Duell gegen die Lettin Jelena Ostapenko ist das Duell zweier Grand Slam-Siegerinnen, Ostapenko gewann letztes Jahr die French Open. Was erwarten Sie?

Navratilova: Ein Spiel mit wirklich ungewissem Ausgang, vielleicht mit ganz leichten Vorteilen für Kerber. Ostapenko zeigt bisher ein Klasseturnier, ihr Selbstbewußtsein scheint mit jedem Sieg weiter zu wachsen. Aber Kerber ist natürlich die mit Abstand härteste Gegnerin, die sich ihr entgegenstellt. Das wird ein aufregender Fight.

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