Tennis

Wimbledon: Halbfinale zwischen Nadal und Djokovic nach drei Sätzen vertagt

Von Ulrike Weinrich
Rafael Nadal, Wimbledon
© getty

Rafael Nadal (Spanien/Nr. 2) und Novak Djokovic (Serbien/Nr. 12) müssen im Halbfinale von Wimbledon nachsitzen. Der Klassiker zwischen den Beiden wurde am späten Freitagabend beim Stand von 6:4, 3:6, 7:6 (11:9) und einer 2:1-Satzführung von Djokovic abgebrochen und wird am Samstagvormittag fortgesetzt. Der Sieger dieser Partie trifft am Sonntag im Endspiel des bedeutendsten Turniers der Welt auf Kevin Anderson. Der Südafrikaner hatte sich im ersten Semifinale des Tages mit 26:24 im fünften Satz und nach einem Marathon von 6:36 Stunden gegen John Isner (USA) durchgesetzt.

Von Ulrike Weinrich aus Wimbledon

Nadal und Djokovic hatten erst um kurz nach 20.00 Uhr Ortszeit den Centre Court betreten können, da das erste Halbfinale zwischen Anderson und John Isner 6:36 Stunden gedauert hatte. Das Dach über dem berühmtesten Tennis-Platz der Welt musste wegen der einbrechenden Dunkelheit über London geschlossen werden.

Zeitdruck beim Halbfinal-Klassiker zwischen "Rafa" und "Nole"

Das Flutlicht wurde eingeschaltet, aber es war klar, dass den beiden Superstars nur exakt 2.53 Stunden blieben, um ihr 52. Duell zu beenden. Wegen der Anwohner darf auf der Anlage des All England Lawn Tennis Clubs nicht länger als bis 23.00 Uhr Ortszeit gespielt werden.

Keine Paarung gab es im Profitennis häufiger als die zwischen "Rafa" und "Nole". Mit 26:25 Siegen ging Djokovic mit einem hauchdünnen Vorsprung ins Match, auch die zuvor letzte Begegnung auf Rasen 2011 im Wimbledon-Finale hatte der wiedererstarkte Serbe gewonnen.

Djokovic startete stark - Nadal kämpfte sich zurück

Und Djokovic startete famos. Zunächst vergab der 31-Jährige beim 2:2 zwar zwei Breakbälle, im ominösen siebten Spiel nahm er Nadal dann aber den Aufschlag zur eigenen 4:3-Führung ab. Mit seinem 14. Gewinnschlag, einer Vorhand, holte er sich nach 47 Minuten den ersten Satz.

In der Folge wurden Djokovic seine vergebenen Breakchancen (insgesamt drei Stück in den ersten drei Spielen) zum Verhängnis. Der dreimalige Wimbledonchampion ließ seinem Ärger freien Lauf. Die Wirkung blieb aus. Stattdessen verlor er gleich zweimal in Folge seinen Aufschlag und musste den Satzausgleich hinnehmen. Nicht zuletzt, weil Branchenführer Nadal in dieser Phase der niveauvollen und erwartet intensiven Partie der zunehmend dominantere Spieler war.

Viel Lob von Boris Becker über "Nole"

Im weiteren Verlauf gab sich zunächst keiner der Dauerrivalen eine Blöße beim Service. Es passte zum gewohnt engen Schlagabtausch, dass der Tiebreak die Entscheidung im dritten Durchgang bringen musste. Danach wurde die Partie nach einer Spielzeit von bis dato 2:53 Stunden vertagt.

BBC-Experte Boris Becker hatte seinen ehemaligen Schützling vor dem Halbfinal-Klassiker gelobt: "Novak spielt hier das beste Tennis seit seinem Comeback. Und gerade seine Emotionen, die er in diesen zwei Wochen zeigt, machen ihn so stark." Djokovic war zu Beginn des Jahres nach einer Ellbogen-Operation und einer privaten wie sportlichen Krise das erste Mal seit mehr als elf Jahren aus den Top 20 gefallen. Doch nach der Trennung von Trainerteam André Agassi/Radek Stepanek und der Rückkehr zu seinem alten Trainer Marian Vajda kämpft sich "Nole" peu à peu zurück.

Anderson nach Marathonmatch überwältigt: "Es musste einen Sieger geben"

Zuvor hatte sich Anderson in einem packenden und historischen Fünfsatz-Halbfinale gegen Isner durchgesetzt. Nach 6:36 Stunden und einem 7:6 (6), 6:7 (5), 6:7 (9), 6:4 und 26:24 stand Anderson als Sieger fest. Es war war das drittlängste Tennis-Match der Geschichte - und das längste Wimbledon-Semifinale. Allein der letzte Satz im Duell der Aufschlagriesen dauerte 2:55 Stunden. Dem 2,08 Meter großen Isner gelangen 53 Asse, dem fünf Zentimeter kleineren Anderson gelangen 49 Asse.

"Ich weiß nicht, was ich sagen soll. Wenn man unter diesen Bedingungen ein so langes Match spielt, dann fühlt sich das an, wie ein Unentschieden. Aber es musste heute einen Sieger geben", sagte US-Open-Finalist Anderson, der im Viertelfinale gegen den topgesetzten Titelverteidiger Roger Federer (Schweiz) einen 0:2-Rückstand aufgeholt und einen seiner bislang größten Erfolge gefeiert hatte.

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