Tennis

Wimbledon: Novak Djokovic besiegt Rafael Nadal und steht im Finale

Von Ulrike Weinrich
Novak Djokovic
© getty

Novak Djokovic hat die Hängepartie über zwei Tage gegen seinen Dauerrivalen Rafael Nadal gewonnen und greift am Sonntag im Finale nach seinem vierten Wimbledon-Titel. Der an Position 12 gesetzte Serbe gewann letztlich mit 6:4, 3:6, 7:6 (11:9), 3:6, 10:8, nachdem er am Freitagend mit einer 2:1-Satzführung ins Bett gegangen war. Im Endspiel trifft Djokovic auf Kevin Anderson. Der Südafrikaner hatte sich im ersten Semifinale mit 26:24 im fünften Satz und nach einem Marathon von 6:36 Stunden gegen John Isner (USA) durchgesetzt.

Von Ulrike Weinrich aus Wimbledon

Nach einer Spielzeit von insgesamt 5:15 Stunden verwandelte Djokovic auf dem berühmtesten Centre Court der Welt seinen zweiten Matchball gegen French-Open-Rekordchampion Nadal (Nr. 2). Es war sein 27. Sieg im 52. Duell mit dem Spanier. Keine Paarung gab es im Profitennis bislang häufiger als die zwischen "Rafa" und "Nole". Und der Schlagabtausch hielt, was er versprach.

Kampf auf Biegen und Brechen bis zum Ende

Bei der Fortsetzung am Samstagmittag unter geschlossenem Dach waren beide Protagonisten von Beginn an hellwach, das Niveau vom Vorabend war schnell wieder erreicht. Das erste Spiel dauerte exakt 15 Minuten - und trotz zweier Breakmöglichkeiten von Djokovic ging Nadal mit 1:0 in Führung. Sein insgesamt drittes Break der Partie ebnete dem Spanier den Weg zum 3:0.

Doch Djokovic gelang der Ausgleich, weil beide bei den eigenen Service-Games wackelten. Der fünfte Satz war perfekt, als der Serbe bei einem 3:5-Rückstand gleich drei Breakchancen in Serie ausließ. Die Entscheidung fiel dann, als Nadal beim Stand von 8:9 seinen Aufschlag zum Matchgewinn abgab. Zuvor schon hatte der "Djoker" eine Möglichkeit vergeben, den Sieg einzufahren.

Im Finale am Sonntag gegen Marathonmann Anderson um den 13. Major-Coup

Djokovic, der wegen einer Ellbogen-Verletzung und persönlicher Probleme eine schwierige Zeit hinter sich hat, könnte am Sonntag seinen insgesamt 13. Major-Titel holen - es wäre der erste seit seinem Triumph bei den French Open 2016, nach dem zunächst Motivationsprobleme den zeitweiligen Absturz des "Djokers" eingeleitet hatten.

Djokovic war zu Beginn des Jahres sogar erstmals seit elf Jahren aus den Top 20 gepurzelt. Doch nach der Trennung von Trainerteam André Agassi/Radek Stepanek und der Rückkehr zu seinem alten Trainer Marian Vajda kämpft er sich peu à peu zurück.

Boris Becker lobte: "Novak hat wieder diesen Erfolgshunger"

BBC-Experte Boris Becker hatte seinen ehemaligen Schützling vor dem Halbfinal-Klassiker gelobt: "Novak spielt hier das beste Tennis seit seinem Comeback. Und gerade seine Emotionen, die er in diesen zwei Wochen zeigt, machen ihn so stark. Er hat wieder diesen unbedingten Willen und den Erfolgshunger."

Nadal (32) und Djokovic (31) hatten am Freitagabend erst um kurz nach 20.00 Uhr Ortszeit den Centre Court betreten können, da das erste Halbfinale zwischen Anderson und John Isner 6:36 Stunden gedauert hatte. Das Dach über dem berühmtesten Tennis-Platz der Welt musste wegen der einbrechenden Dunkelheit über London geschlossen werden.

Zeitdruck beim Halbfinal-Klassiker zwischen "Rafa" und "Nole"

Das Flutlicht wurde eingeschaltet, aber es war klar, dass den beiden Superstars nur exakt 2.53 Stunden blieben, um ihr 52. Duell an diesem Tag zu beenden. Wegen der Anwohner darf auf der Anlage des All England Lawn Tennis Clubs nicht länger als bis 23.00 Uhr Ortszeit gespielt werden.

Djokovic war famos gestartet. Zunächst vergab der 31-Jährige beim 2:2 zwar zwei Breakbälle, im ominösen siebten Spiel nahm er Nadal dann aber den Aufschlag zur eigenen 4:3-Führung ab. Mit seinem 14. Gewinnschlag, einer Vorhand, holte er sich nach 47 Minuten den ersten Satz.

Hohes Niveau beim Klassiker zwischen "Nole" und "Rafa"

In der Folge wurden Djokovic seine vergebenen Breakchancen (insgesamt drei Stück in den ersten drei Spielen) zum Verhängnis. Der dreimalige Wimbledonchampion ließ seinem Ärger freien Lauf. Die Wirkung blieb aus. Stattdessen verlor er gleich zweimal in Folge seinen Aufschlag und musste den Satzausgleich hinnehmen. Nicht zuletzt, weil Branchenführer Nadal in dieser Phase der niveauvollen und erwartet intensiven Partie der zunehmend dominantere Spieler war.

Im weiteren Verlauf gab sich zunächst keiner der Dauerrivalen eine Blöße beim Service. Es passte zum gewohnt engen Schlagabtausch, dass der Tiebreak die Entscheidung im dritten Durchgang bringen musste. Danach wurde die Partie nach einer Spielzeit von bis dato 2:53 Stunden vertagt.

Anderson nach Marathonmatch überwältigt: "Es musste einen Sieger geben"

Zuvor hatte sich Anderson in einem packenden und historischen Fünfsatz-Halbfinale gegen Isner durchgesetzt. Nach 6:36 Stunden und einem 7:6 (6), 6:7 (5), 6:7 (9), 6:4 und 26:24 stand Anderson als Sieger fest. Es war war das drittlängste Tennis-Match der Geschichte - und das längste Wimbledon-Semifinale. Allein der letzte Satz im Duell der Aufschlagriesen dauerte 2:55 Stunden. Dem 2,08 Meter großen Isner gelangen 53 Asse, dem fünf Zentimeter kleineren Anderson gelangen 49 Asse.

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