Londoner Rasenspiele, Tag 5

Freitag, 07.07.2017 | 22:58 Uhr
Boris Becker
© Twitter

Dies und Jenes von Tag 5 in Wimbledon.

Von Christian Albrecht Barschel aus Wimbledon

McEnroes eigenartiger Vergleich: Ist Novak Djokovic auf dem Weg zurück zur alter Stärke? Die derzeitige Form stimmt jedenfalls, auch wenn die großen Belastungsproben erst bevor stehen. Warum es in den letzten Monaten bei Djokovic nicht so lief? John McEnroe zieht einen eigenartigen Vergleich. "Mir kommt da immer Tiger Woods in den Sinn", sagt McEnroe und spekulierte über das angeblich nicht so intakte Familienleben des Serben. Djokovic nahm die Worte von McEnroe gelassen zur Kenntnis, im Stile eines Spitzenspielers. "John ist bekannt für seine harschen Kommentare. Er schert sich nicht darum, politisch korrekt zu sein, sondern sagt einfach, was ihm gerade durch den Kopf geht. Ich weiß nicht genau, ob das wirklich seine Meinung ist oder eine Kritik an mich. Aber das spielt letzten Endes auch gar keine große Rolle. Ich respektiere ganz einfach seine Worte und habe diese zur Kenntnis genommen."

Nadals Serie: Und die Serie geht weiter! 28 Sätze in Folge hat Rafael Nadal nun bei Grand-Slam-Turnieren gewonnen und seine eigene Bestmarke egalisiert. Und es wären höchstwahrscheinlich 30 Sätze gewesen, wenn sein Viertelfinalgegner bei den French Open, Pablo Carreno Busta, im zweiten Satz nicht aufgegeben hätte. Die Serie wackelte heute aber, als Nadal gegen Karen Khachanov im dritten Durchgang Satzball gegen sich hatte. Bis zum Rekord von Roger Federer sind es noch acht Sätze. Lässt Nadal weiter die Muskeln spielen, könnte er mit dem Einzug ins Finale die neue Bestmarke setzen.

Bautista Agut und das Achtelfinale: Sind aller guten Ding neun für Roberto Bautista Agut? Der Spanier steht zum neunten Mal im Achtelfinale eines Grand-Slam-Turniers. Ins Viertelfinale hat es der 29-Jährige noch nie geschafft. Die Aussichten auf die Premiere gestalten sich schwierig. Bautista Agut trifft nun auf Marin Cilic, der bislang ein blitzsauberes Wimbledonturnier spielt. Auch für Richard Gasquet war das Achtelfinale bei einem Grand Slam lange Zeit eine unüberwindbare Hürde. Der Franzose scheiterte zwischenzeitlich elfmal in der Runde der letzten 16.

Weniger Preisgeld in der ersten Runde?: In den letzten Jahren wurde bei Grand-Slam-Turnieren das Preisgeld für die Teilnahme an der ersten Runde immer wieder angehoben. Die Ereignisse in Wimbledon könnten zum Umdenken führen. Sieben Spieler haben in der Herrenkonkurrenz ihr Erstrundenmatch nicht beendet, einige davon gingen angeschlagen ins Match. Der Vorwurf: "Viele kommen nur noch, um abzukassieren." Was tun? In der folgenden Woche setzten sich die Verantwortlichen der Grand-Slam-Turniere zusammen. In der Diskussion ist die Reduzierung des Preisgeldes für die erste Runde (in Wimbledon von 35.000 Pfund auf 10.000 Pfund), im Gegenzug soll das Preisgeld für das Erreichen der zweiten Runde dementsprechend angehoben werden.

Auf der Couch zur Nummer eins?: Es sah so gut aus für Karolina Pliskova, dass sie nach Wimbledon erstmals die Nummer eins der Welt wird, vor allem nach dem Titelgewinn in Eastbourne. Die 25-jährige Tschechin ist nach dem überraschenden Aus in der zweiten Runde nun darauf angewiesen, dass Angelique Kerber und Simona Halep in den nächsten Tagen scheitern, Kerber vor dem Finale und Halep vor dem Halbfinale. An die Nummer eins verschwendet Pliskova keine Gedanken. "Für mich ist das Turnier zu Ende. Ich werde nicht dafür beten, dass jemand verliert oder gewinnt. Ich werde nun frei nehmen und warten."

Müllers perfektes Aufschlagspiel: "Dann macht es bumm, ja und dann kracht's, und alle schreien, der Müller macht's." Gilles Müller steht in Wimbledon endlich zum ersten Mal im Achtelfinale. Im Vergleich zur zweiten Runde gegen Lukas Rosol, wo er 43 Asse servierte, ging der 34-jährige Luxemburger beim heutigen Sieg gegen Aljaz Bedene recht sparsam mit seinen Assen um. In einem Aufschlagspiel ließ er es aber richtig krachen - vier Asse in Folge zum Spielgewinn!

Hawkeye auf jedem Platz: Auf vielen Außenplätzen in Wimbledon ist kein Hawkeye installiert, was auch in diesem Jahr schon zu vielen strittigen Entscheidungen, Diskussionen und Wutausbrüchen geführt hat. Jamie Murray fordert, dass es für ein Grand-Slam-Turnier verpflichtend sein sollte, dass es auf jedem Platz das Hawkeye gibt - so wie es in Indian Wells der Fall ist. Todd Woodbridge wendet ein, dass die Kosten das Problem sind. Wenn man dies unbedingt wolle, könnte dies eine Verringerung des Preisgeldes zur Folge haben. Ob die Spieler das wirklich wollen?

Handeintragung: Das digitale Zeitalter ist in Wimbledon noch nicht überall angekommen. Die Spielstände werden an den Außenplätzen zwar schon längst nicht mehr per Hand eingestellt, doch in vielen anderen Bereichen pflegen die Briten ihre liebgewonnenen Traditionen. So sind im Pressebereich die Tableaus aller Konkurrenzen auf einem großen Blatt Papier zu sehen, in den die Ergebnisse per Hand eingetragen werden. Für diesen Job kommen nur Leute mit einer schönen und leserlichen Schrift infrage. Weitere Besonderheiten zu den All England Championships lest ihr hier in unserem Wimbledon-ABC sowie im Überblick über die Besonderheiten der vier Grand-Slam-Turniere.

Tennisgeschichte: Am 7. Juli ist so einiges Geschichtsträchtiges passiert in Wimbledon, vor allem für Boris Becker. Der Deutsche gewann 1985 im Alter von 17 Jahren erstmals in Wimbledon und ist bis dato der jüngste Turniersieger bei den Herren. 1991 erlebte Becker am 7. Juli einen persönlichen Alptraum, als er im Finale gegen Michael Stich chancenlos war. Auch für die Briten hat dieser Tag eine historische Bedeutung. Andy Murray beendete 2013 die lange Titeldürre der britischen Herren in Wimbledon mit seinem emotionalen Finalsieg gegen Novak Djokovic. Das nervenaufreibende letzte Aufschlagspiel von Murray gibt es hier im Video.

Becker und Rufus: Wie schon erwähnt, feierte Boris Becker heute einen besonderen Tag. Der dreimalige Wimbledonsieger ist wie jedes Jahr in Wimbledon dabei und kommentiert für die BBC. An seinem speziellen Tag gab es ein Stelldichein mit Rufus, dem Falken. Eine Steilvorlage für die Sandplatzgötter.

Spielplan Samstag: Centre Court (Beginn: 13 Uhr Ortszeit): Agnieszka Radwanska - Timea Bacsinszky, anschließend: Novak Djokovic - Ernests Gulbis, anschließend: Roger Federer - Mischa Zverev, Court 1 (Beginn: 13 Uhr Ortszeit): Milos Raonic - Albert Ramos-Vinolas, anschließend: Caroline Wozniacki - Anett Kontaveit, anschließend: Dominic Thiem - Jared Donaldson.

Werbung
Werbung
Werbung
Werbung
Werbung
Werbung