Bernard Tomics Verhalten gibt Rätsel auf

Eskalation an heiliger Stätte

Mittwoch, 05.07.2017 | 11:06 Uhr
Bernard Tomic auf der Suche nach der Motivation - oder auch nicht
© getty
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Es ist nicht das erste Match, das Bernard Tomic lustlos zu Ende gespielt hat. Der Auftritt gegen Mischa Zverev in Wimbledon begründet dennoch eine neue Dimension des Fehlverhaltens des Australiers.

Von Jörg Allmeroth aus Wimbledon

Auf der Höhe seiner Kunst läßt er selbst die schwersten Schläge spielerisch leicht aussehen. Bernard Tomic hat fast alles, was es braucht, um im Welttennis erfolgreich zu sein: Die Athletik, das feine Händchen. Und den magischen Touch, der einem als Geschenk in die Wiege gelegt wird.

Doch Tomic, der 24-jährige Australier, der in Stuttgart geboren wurde, ist nicht etwa auf den Spuren eines Roger Federer oder Novak Djokovic im Wanderzirkus unterwegs, sondern eher auf Abwegen - und tief ins Abseits.

Viel hat Wimbledon in seiner über 100-jährigen Geschichte ja schon erlebt, aber einen Auftritt wie den von Tomic am Dienstag auch noch nicht: Erst schenkte der Bad Boy des Tennis ganz offenkundig und unverhüllt sein Erstrunden-Match gegen Mischa Zverev in nur 84 Minuten ab, dann lieferte er eine ebenso aufsehenerregende wie abenteuerliche Pressekonferenz ab, die Schockwellen auslöste am ehrwürdigen Grand-Slam-Schauplatz.

"Ich war ein bisschen gelangweilt da draußen", bekannte Tomic vor den entgeisterten Reportern, "ich spüre keine Motivation. Es ist einfach nichts da." Tennis spiele er sicher noch weitere zehn Jahre, gab Tomic dann zu Protokoll und benannte sein Ziel so: "Danach muss ich dann nie mehr arbeiten." Als ihn die Berichterstatter mit erzürnten Reaktionen von Fernsehzuschauern im Internet konfrontierten, sagte er: "Das sind Leute, die vorm Computer sitzen und 50 Dollar in der Stunde verdienen."

Kritik vom Ex-Champion

Kaum waren die ersten Aussagen des notorischen Skandalprofis bekanntgeworden, keilten australische Tennisstars scharf zurück: "Er sollte mal ein paar Monate in einer Fabrik arbeiten, dann weiß er, wie schwer andere Menschen ihr Geld verdienen", sagte Pat Cash, der Wimbledon-Champion des Jahres 1987, in der BBC-Show "Today at Wimbledon".

Die frühere Topspielerin Rennae Stubbs, eine langjährige enge Freundin Steffi Grafs, nannte Tomic "eine Schande für das australische Tennis und seine große Geschichte." Falls Tomic keine Lust aufs Tennisspielen habe, so assistierte Legende Martina Navratilova, "sollte er nicht einen Platz wie Wimbledon mit diesem Verhalten beschmutzen."

Vor einigen Jahren hatte der Deutsche Tennis Bund einmal Anstrengungen unternommen, den gebürtigen Stuttgarter ins deutsche Davis-Cup-Team zu lotsen. Angeblich scheiterte der Transfer damals an Geldforderungen.

Zum Glück, denn seit der hochtalentierte Tomic im professionellen Tennis unterwegs ist, begleiten ihn hartnäckig Affären und Eklats - daheim in Australien ist der 24-Jährige sogar polizeibekannt. Als Tomic in seiner Heimat an der Goldküste mehrfach wegen Geschwindigkeitsverstößen mit seinem Ferrari aufgefallen war, wurde ihm der Führerschein entzogen. Polizisten, die ihn wegen eines Ruhestörung-Delikts befragen wollten, entgegnete er: "Wissen Sie eigentlich, wer ich bin?"

Schlagzeilen der anderen Art

Auch in Miami geriet Tomic schon mit der Ordnungsmacht in Konflikt. Weil er in einer 9400 Dollar teuren Hotelsuite die Lautsprecher immer wieder zu laut aufgedreht hatte und sich nicht dem Sicherheitspersonal der Luxusherberge beugen wollte, wurde er von der Polizei festgesetzt. Ein australischer Twitter-Nutzer verbreitete damals, im Sommer 2015, einen denkwürdigen Kommentar: "Wenn ihm jemand den Status als Australiens Idiot Nummer 1 streitig machen will, schaltet Tomic einen Gang höher."

Einst hatte Tomic laut getönt, er werde in seiner Karriere alle vier Grand Slams gewinnen. Er hätte auch das Talent dazu, das bestätigen ihm sogar seine härtesten Kritiker. Doch Schlagzeilen liefert er nicht als Pokalgewinner, als Top-Ten-Größe, sondern als Profi mit fragwürdiger Arbeitseinstellung.

"Tomic the Tank" nennen sie ihn inzwischen in der Szene, ein Schmähtitel, der sich aus der englischen Vokabel "tanking" ableitet - Tomic, der Abschenker. Tomic, der Lustlose. Schon oft war Tomic auffällig desinteressiert auf den Courts herumspaziert, doch noch nie an einem so prominenten Ort wie Wimbledon. "Ich wußte nicht, was da mit ihm los war", sagte Sieger Zverev später. "Er hatte mich ja eine Woche vorher in Halle noch klar besiegt."

Es sei ihm "im Moment völlig egal, ob ich einen Pokal gewinne oder gut spiele, es gibt mir einfach keine Befriedigung", gestand Tomic hinterher ein, nach dem bizarren Wimbledon-Gastspiel, das ihm immer noch rund 40.000 Euro Preisgeld einbrachte. Dass Motivation und Spielfreude schnell zurückkehren könnten, glaubte Tomic selbst nicht: "Ob ich in der ersten oder der vierten Runde der US Open ausscheide, interessiert mich einfach nicht."

Hier die Ergebnisse bei den Herren in Wimbledon

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