"Roger hat hier eine ganz besondere Aura"

Sonntag, 09.07.2017 | 17:02 Uhr
Roger Federer ist der Topfavorit auf den Wimbledon-Titel
© getty

Roger Federer ist ohne Satzverlust in die zweite Woche von Wimbledon eingezogen. Der siebenfache Champion freut sich über Entspannung am spielfreien Sonntag und blickt auf sein Achtelfinale gegen Grigor Dimitrov voraus.

Von Jörg Allmeroth aus Wimbledon

Roger Federer hatte es eilig, die spielfreie Zeit an diesem ersten Wimbledon-Wochenende anzutreten. Kaum hatte der Maestro am Samstagabend als einer der letzten Profis das Achtelfinale der Internationalen Englischen Meisterschaften des Jahres 2017 erreicht, mit einem schließlich souveränen Drei-Satz-Sieg über den Deutschen Mischa Zverev, da erschien er auch schon nach schneller Dusche zum obligatorischen Pressegespräch.

"Ich freue mich auf ein wenig Entspannung und Ruhe", sagte der 35-jährige, der die Runde der letzten 16 mit großer Selbstverständlichkeit und Sicherheit erreichte. Keinen Satz verloren, keine bedrängenden Situationen erlebt: Der Favorit Nummer eins der Buchmacher und auch der versammelten Expertenschar vor Ort ist auf Kurs.

Der achte Titelgewinn scheint in Reichweite, die alleinige Rekordmarke - doch zunächst muss sich Federer der Achtelfinal-Aufgabe gegen den 26-jährigen Bulgaren Grigor Dimitrov stellen. Also einem Spieler, dem seit Jahren der Ruf vorauseilt, er verfüge über ähnliche Talente wie Federer, er erhielt ja auch früh in seiner Karriere den Spitznamen "Baby-Fed."

"Mehr von Dimitrov erwartet"

Doch dass Begabung allein noch nicht ausreicht, um sich im komplexen Geschäft des Wanderzirkus durchzusetzen, illustriert Dimitrovs Tennis-Lebensweg der letzten Jahre markant - zwischen den Wünschen und Hoffnungen des Bulgaren und der Wirklichkeit auf den Centre Courts klaffte fast immer eine große Lücke. "Ich hatte mir auch mehr von ihm erwartet", sagte Federer am Samstag, "es gab zu viele Aufs und Abs, immer wieder diese Wellenbewegungen." Eigentlich stehe Dimitrov altersmässig "in der besten Phase", so Federer, "doch er hat es noch nicht wirklich gezeigt. Wenn man dachte, er startet durch, fiel er wieder in ein Loch."

Was auch für diese Saison gilt. Bei den Australian Open rückte der elegante Dimitrov unversehens ins Rampenlicht, als er mit einem fulminanten Siegeslauf bis ins Halbfinale vorrückte. Auch dort überzeugte er, zwang Matador Rafael Nadal in einen dramatischen Fünf-Satz-Fight, konnte trotz Niederlage erhobenen Hauptes Melbourne verlassen. Aber danach war es wieder um seine Herrlichkeit geschehen, er versank in Bedeutungslosigkeit zurück, eigentlich bis jetzt, bis zum ansprechenden Wimbledon-Auftritt. "Es wird ein interessantes Match, ganz sicher", sagt Federer, "aber ich weiß genau, was mich erwartet. Es ist ein bisschen so, als ob ich gegen mich selbst spiele."

Federer gegen Baby-Fed: Jedenfalls bisher war das eine klare Angelegenheit, der Maestro höchstpersönlich hat alle fünf Vergleiche gewonnen. Das beste Wimbledon-Jahr Dimitrovs liegt drei Jahre zurück, seinerzeit erreichte er das Halbfinale und unterlag dem späteren Champion Novak Djokovic. Es gebe kaum eine schwierige Aufgabe im Tennis als gegen Federer in Wimbledon anzutreten, meinte Dimitrov vor dem Rendezvous mit seinem früheren Idol und Vorbild: "Roger hat hier eine ganz besondere Aura."

Voll im Plan

Federer ist in Wimbledon einmal mehr im Soll nach der Auftaktwoche. Er hat sich in jene aussichtsreiche Ausgangsposition lanciert, die er bei seiner ungewöhnlichen Saisonplanung auch anvisiert hatte. Der Verzicht auf die komplette Sandsaison barg Risiken, es wurde dann auch deutlich, als er in Stuttgart gleich im Auftaktspiel an Tommy Haas scheiterte. Aber der Maestro blieb ungerührt, er schlug entschlossen zurück, gewann den neunten Rekordtitel im ostwestfälischen Halle.

In seiner Wohlfühloase, die ihm schon oft genug die Plattform bot, um anschließend auch in Wimbledon erfolgreich zu spielen. In den ersten drei Runden sparte sich Federer noch dringend benötigte Kräfte auf, es war umso wichtiger, da er an einer ärgerlichen Erkältung litt. "Das ist jetzt aber am Abklingen. Ich fühlte mich gegen Zverev schon um 50 Prozent besser als im Spiel davor", sagte Federer, "ich hoffe, dass ich am Montag ganz fit bin."

Es braucht ihn auch am Manic Monday, den vollen, ganzen Federer. Am turbulentesten Spieltag, den das Welttennis kennt. An einem Tag, an dem alle Achtelfinalpartien ausgetragen werden. An dem Träume zerplatzen. Oder weitergeträumt werden dürfen. Für Federer war er fast immer nur eine Durchgangsstation, dieser Montag, eine Zwischenetappe. Auch 2017?

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