Tennis

Serena Williams und "Big Sascha" Bajin - Oder das Schnitzel von Feldmoching

Von Ulrike Weinrich
Serena Williams, Sascha Bajin, US Open
© getty

Wenn Serena Williams am Samstag im Finale der US Open gegen Naomi Osaka um ihren 24. Grand-Slam-Titel spielt, dann trifft sie auch auf ihren ehemaligen Hittingpartner Sascha Bajin. Der Münchner ist mittlerweile der Coach der Japanerin, aber er schwärmt noch immer von seiner Zeit mit dem US-amerikanischen Superstar. Damals aß Williams bei Saschas Mutter in Feldmoching Schnitzel und Kartoffelsalat - und Bajin hatte Ärger mit der Ehefrau von Hollywoodstar Dennis Quaid.

In diesen verrückten New Yorker Tagen hält Sascha Bajin auch schonmal eine eigene Pressekonferenz im Bauch des riesigen Arthur Ashe Stadium ab. Der 33-Jährige ist gefragt - seit Donnerstagabend noch ein bisschen mehr, denn wenn sein Schützling Naomi Osaka am Samstag im Endspiel von Flushing Meadows auf die große Serena trifft, dann ist das für Bajin auch eine Begegnung mit der eigenen Vergangenheit.

"Big Sascha" war jahrelang ein Teil des Williams-Universums

Zwischen 2007 und 2015 war der Münchner Teil des Williams-Universums, saß bei 12 der insgesamt 23 Grand-Slam-Titeln seiner Chefin in der Box. "Er ist wie ein kleiner Bruder für mich - den ich nie hatte", sagte Serena einmal - und taufte Bajin kurzum "Big Sascha".

Ein Sprung zurück ins Jahr 2012: Ich will mich bei den US Open mit Bajin zu einem Interview verabreden. Der junge Mann soll lustig sein, sagt man - und er soll viel zu berichten haben über das Leben als Hittingpartner und Vertrauensperson von Williams, über Glamour und Grammy-Verleihungen, aber auch über die harte Trainingsarbeit mit der vielleicht besten Tennisspielerin aller Zeiten. Gut für mich, die Journalistin.

Der Termin ist schnell ausgemacht. Aber Bajin kommt etwas zu spät zum Treffpunkt. Verziehen, weil auch ER nach dem Training mit Serena Autogramme schreiben muss. Dann eilt der aufgeschlossene Bayer herbei - und fängt gleich an, munter zu erzählen: "Serena weiß mehr von mir als meine eigene Mutter" - und: "Das Geschäftliche hat sich bei uns längst mit dem Privaten verwischt."

Bajin: "...auch wenn ich mich zum Affen machen muss"

Bajin ist im Hause Williams so etwas wie "das Mädchen für alles". Auch mal der "Gute-Laune-Bär". Und man spürt, ihm gefällt diese Rolle, dieser "Twentyfourseven"-Job, wie er es nennt. Sein Credo damals: "Ich will Serena jeden Tag zum Lachen bringen, auch wenn ich mich mal zum Affen machen muss. Das ist wichtiger, als ihr zu sagen, wie sie die Vorhand spielen soll."

Lange wohnte Bajin, dessen Traum von der eigenen Profikarriere nach dem Unfalltod seines Vaters platzte, zusammen mit Serena und ihrer Schwester Venus auf deren Familien-Anwesen in West Palm Beach/Florida. "Das war aber dann zuviel Frauen-Power", sagt Bajin, der die Übungscourts mietet, die extravagante Williams beim Shoppen berät - oder sie auf Aftershowpartys begleitet.

Serenas Schnitzelessen mit Mama Bajin in Feldmoching

Sogar im Tourbus von Hip-Hop-Star Pharrell Williams ist Bajin schon zusammen mit dem Tennis-Superstar mitgefahren. Aber er kennt eben auch die andere, die zerbrechliche Seite der 23-maligen Grand-Slam-Siegerin: "Serena ist in mancher Hinsicht eine Frau wie jede andere. Auch sie zweifelt manchmal an sich."

Bei seiner Familie im Reihenhaus in Feldmoching vor den Toren von München war Williams natürlich auch zu Besuch. Mutter Bajin verwöhnte den berühmten Gast mit Schnitzel und Kartoffelsalat - und Serena strahlte.

Bajin bezeichnet sie im Gespräch als "Chefin mit Herz". Als Williams wegen einer Fußverletzung und der folgenden Lungenembolie rund acht Monate ausfiel, bekam Bajin weiterhin sein volles Gehalt. Für die US Open 2012 hatte Serena ihrem "Big Sascha" ein Appartment in der Fifth Avenue gemietet.

Wegen Bajins Tweet - Hollywoodstar Quaid stand kurz vor der Scheidung

Und der Bayer plaudert gerne aus dem Nähkästchen. Einst soll Hollywoodstar Dennis Quaid wegen eines Twitter-Eintrags von Bajin kurz vor der Scheidung gestanden haben. Wie das? Der Schauspieler hatte nach einer Williams-Karaoke-Party einfach die weibliche Begleitung von Bajin "entführt" und war mit dieser im Hotel Bel Air verschwunden.

"Big Sascha" zwitscherte dies in die Welt - und rief Quaids Ehefrau auf den Plan, die die Scheidung einreichte. "Da war dann ganz schön was los", erzählt Bajin aufgeregt. Ein Leben im Williams-Universum eben - immer auf der Überholspur.

Der Sprung zurück ins Jahr 2018: Bajin hat den Aufstieg vom Hittingpartner zum Coach geschafft. Noch heute denkt er voller Freude und Dankbarkeit an die Jahre im Williams-Team zurück: "Unser Verhältnis ist immer noch sehr gut. Die Zeit mit ihr war einzigartig, weil Serena etwas Besonderes und ein absoluter Superstar ist." Am Samstag will "Big Sascha" allerdings Großes schaffen...Vergangenheit hin oder her!

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