Tennis

US Open: Michael Kohlmann zur deutschen Auslosung - "Schwierige Konstellation"

Von Jens Huiber
Michael Kohlmann geht dennoch optimistisch in die US Open
© getty

Michael Kohlmann ist bei den US Open mal wieder in Doppelfunktion unterwegs: Als Coach von Maximilian Marterer. Und natürlich als deutscher Davis-Cup-Kapitän.

tennisnet: Bevor wir zu den Chancen der deutschen Spieler kommen - was ist Ihnen während der Qualifikationsspiele aufgefallen?

Michael Kohlmann: Ich verstehe nicht, warum man ohne Hawkeye spielt. Zumal das in diesem Jahr auf allen Plätzen möglich ist. Warum man das zur Qualifikation jetzt noch nicht macht, kann ich nicht nachvollziehen. Es wäre für die Spieler zum einen hilfreicher, ganz insgesamt professioneller. Die Plätze sind im Vergleich zu den letzten Jahren extrem langsam, auch das ist mir schon aufgefallen. Das ist ein Riesenunterschied. Das wird Rafael Nadal freuen, Roger Federer eher weniger.

tennisnet: Aus der Qualifikation hat sich lediglich Yannick Maden in das Turnier gekämpft. Wie beurteilen Sie dieses Ergebnis?

Kohlmann: Zum einen haben wir in diesem Jahr ja acht Spieler im Hauptfeld. Es waren nur fünf Mann in der Quali, sehr viele waren knapp draußen, wie etwa ein Tobias Kamke, der hier immer antritt. Oder auch Dustin Brown. Dominik Köpfer auch, der in Winston Salem als Lucky Loser reingekommen ist und dort noch eine Runde gewonnen hat. Es gibt noch einen Jan Choinski, einen Kevin Krawietz oder Tim Pütz, die alle zwischen 250 und 300 sind. Wir waren also relativ dünn besetzt, aber jetzt mit neun Spielern im Hauptfeld kann man zufrieden sein.

"Alexander Zverev wird hier gut auftreten"

tennisnet: Die größten deutschen Hoffnungen ruhen naturgemäß auf Alexander Zverev, der nun Ivan Lendl in sein Team geholt hat. In Paris und Wimbledon hat Zverev in den ersten Runden viel Kraft gelassen ...

Kohlmann: Ja, aber jedes Turnier ist anders. Zwischen Paris und Wimbledon hat Sascha ja fast gar nicht gespielt, wenig trainiert, insofern war da die Vorbereitung nicht perfekt. Das war sie für Paris schon, deswegen hat Sascha ja auch diese Matches noch umbiegen können. Hier war wieder eine gute Vorbereitung. Er hat genügend Zeit gehabt zu trainieren.

tennisnet: Also nicht so schlimm, dass Zverev in Cincinnati früh rausgegangen ist?

Kohlmann: Gut, Cincinnati ist ein eigenes Thema. Da hat Sascha viermal gespielt, viermal das erste Match verloren. Da scheint ihm irgend etwas nicht zu liegen, seien es die Plätze, das Hotel, die Anlage. Aber ich bin davon überzeugt, dass er hier gut auftreten wird.

tennisnet: Yannick Maden also ist der einzige Deutsche aus der Qualifikation. Was zeichnet ihn aus?

Kohlmann: Yannick hat mir sehr, sehr gut gefallen. Er kann das Spiel sehr in die Länge ziehen, er ist für alle Spieler ein unangenehmes Los.

"Maxi Marterer geht nicht chancenlos ins Match"

tennisnet: Kommen wir zu Ihrem Schützling, Maxi Marterer. Wie gut ist er vorbereitet? Was sagen Sie zum Erstrunden-Gegner Kei Nishikori?

Kohlmann: Das liest sich jetzt erstmal nicht gut. Aber wenn man sieht, wie Nishikori im Sommer gespielt hat, ist der auch nicht in Hochform. Er hat in Toronto in der ersten Runde gegen Robin Haase verloren, zweite Runde gegen Wawrinka in Cincinnati. Nishikori hat also auch nicht riesig Selbstvertrauen getankt. Maxi hat mit Cincinnati sein erstes Hartplatz-Turnier gespielt. Das war noch nicht so gut, aber auch verständlich, wenn man davor so lange auf Asche unterwegs war. Letzte Woche waren wir in Vermont bei einer Art Einladungsturnier. Da haben wir den gleichen Belag, die gleichen Bälle gespielt. Da war es ruhig, für die Vorbereitung war das perfekt. Wir hatten genügend Trainingsmöglichkeit. Maxi hat auch gut gespielt, Jeremy Chardy geschlagen. Ich habe das Gefühl, dass er wirklich auf einem guten Weg ist. Ob das für Nishikori reicht, muss man abwarten. Maxi geht aber nicht chancenlos ins Match.

tennisnet: Leider hat die Auslosung auch ein deutsches Duell in der ersten Runde gebracht: Philipp Kohlschreiber gegen Yannick Hanfmann. Die beiden kennen sich gut - ist Kohlschreiber dennoch klarer Favorit?

Kohlmann: Philipp ist vom Papier her Favorit. Die Konstellation ist aber schwierig. Die beiden trainieren in Oberhaching zusammen. Lars Uebel ist eigentlich verantwortlich für beide Spieler. Das ist schon eine spezielle Kombination, die es bei einem 128er-Raster nicht gebraucht hätte. Yannick hat ein paar Wochen wegen Armproblemen aussetzen müssen, in Vermont wieder angefangen. Das sieht schon wieder ganz gut aus. Philipp ist nach Cincinnati hier geblieben - und mit Fernando Verdasco auch sehr gut Doppel gespielt.

tennisnet: Jan-Lennard Struff hat mit Smyczek einen Lokalmatador gezogen. Ein unglückliches Los?

Kohlmann: Das würde ich jetzt nicht sagen. Generell muss man Smyczek, der über 100 steht, als Hauptfeldspieler akzeptieren. Jetzt ist es hier aber sehr langsam. Smyczek spielt mit viel Drall auf der Vorhand, der Boden kommt eher ihm entgegen.

"Borna Coric ist ein bescheidenes Los"

tennisnet: Peter Gojowczyk bekommt es mit Nicolas Jarry zu tun, der in Winston Salem gegen Struff gewonnen hat.

Kohlmann: Ja. Unterschätzt mir mal den Jarry nicht. Einer meiner internationalen Lieblingsspieler, das ist für Gojo ein ganz, ganz schweres Los. Andererseits ist Peter auf Hartplatz immer gefährlich, das ist sein bester Belag, man erinnere sich nur an Metz, wo er im vergangenen Jahr gewonnen hat. Insofern glaube ich schon, dass er hier gegen Jarry Chancen zu gewinnen hat. Jarry hat in Hamburg auf Asche recht glatt gewonnen, aber Gojo kann dieses Match gewinnen.

tennisnet: Florian Mayer hat sich für seine letzten US Open aber wohl ein anderes Los als Borna Coric gewünscht.

Kohlmann: Borna Coric war auch in Vermont, hat zweimal gespielt und zweimal verloren. Da weiß ich jetzt nicht, wie die Einstellung war. Es ist auf jeden Fall ein bescheidenes Los. Zumindest wird es ein größerer Platz, auf dem sich Flo noch einmal präsentieren kann. Coric ist für ihn halt sehr unangenehm, weil er kaum Fehler macht, unglaublich fit ist. Dem macht das Wetter nichts aus - und die langsamen Plätze auch nicht.

tennisnet: Bleibt noch Mischa Zverev gegen Taylor Fritz. Wie sehen Sie dessen Chancen?

Kohlmann: Ich habe die beiden schon einmal in Australien gegeneinander spielen sehen. Ich glaube, dass Mischa da sehr, sehr gute Chancen hat, weil er mit seinem Slice dem Fritz Probleme bereiten kann.

Matches der deutschen Herren in der ersten Runde der US Open 2018

Runde 1
Alexander Zverev (4)Peter Polansky (CAN/LL)
Philipp KohlschreiberYannick Hanfmann
Florian MayerBorna Coric (CRO/20)
Mischa ZverevTaylor Fritz (USA)
Peter GojowczykNicolas Jarry (CHI)
Jan-Lennard StruffTim Smyczek (USA/WC)
Maximilian MartererKei Nishikori (JPN/21)
Yannick MadenLucas Pouille (FRA/17)
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