Tennis

Der pöbelnde Prinz Eisenherz wird 65

SID
Jimmy Connors - Eine Legende mit Ecken und Kanten
© getty

Er spielte, bis er 43 war: In 25 Jahren auf der Tour wandelte sich Jimmy Connors vom Tennis-Rüpel zum Gentleman. Am Samstag feiert "Jimbo" seinen 65. Geburtstag.

Einen wie Jimmy Connors könnten sie gerade gut gebrauchen in New York. Einen Kämpfer, der nie aufgibt. Einen Hoffnungsträger. Doch während der ehemalige Tennis-Rüpel am Samstag seinen 65. Geburtstag feiert, sind die Aussichten auf einen Heimsieg bei den US Open wieder einmal düster.

Fünfmal triumphierte Connors beim Grand Slam im Stadtteil Queens, heute wartet die stolze Tennisnation USA bereits seit 14 Jahren auf einen Triumph im Corona Park. Auch bei der 137. Auflage des Turniers sind die US-Boys sowohl von Connors Erfolgen als auch von dem Spektakel, das der pöbelnde Playboy mit der Prinz-Eisenherz-Frisur 25 Jahre lang auf der Tour veranstaltete, weit entfernt.

US-Open-Halbfinale mit 39

In New York begann die Karriere des eigenwilligen James Scott Connors im Jahre 1971, damals noch auf der Anlage in Forest Hills. An seinem 19. Geburtstag gewann Connors sein erstes Match bei einem Grand-Slam-Turnier, angetrieben von seiner ehrgeizigen Mutter Gloria. Fünf Titel sollten folgen, unter anderem gewann der Linkshänder die Premiere in Flushing Meadows 1978. Als umjubelter Tennis-Methusalem erreichte Connors 1991 mit 39 Jahren noch einmal das Halbfinale.

Dazwischen lagen 109 Turniersiege auf der Tour - ein Rekord für die Ewigkeit. 160 Wochen am Stück stand Connors an der Spitze der Weltrangliste, was nur von Roger Federer getoppt wurde. Dabei war Connors' Spiel limitiert, die Vorhand kaum mehr als ein Verlegenheitsschlag. Einzigartig waren nur sein Return und sein unbändiger Wille.

Connors schien stets eine Antwort zu kennen, auf dem Platz und daneben. Nicht immer war es die richtige, doch stromlinienförmig wollte der 1,77 m kleine Connors auch nie sein. Er legte sich mit Gegnern, Schiedsrichtern und Journalisten an. Seinen Rivalen John McEnroe bezeichnete er einst als "that fuckface McEnroe". Nach einem Rechtsstreit mit der neugegründeten Spielergewerkschaft ATP wurde Connors für die French Open 1974 gesperrt, in jenem Jahr gewann er anschließend alle drei anderen Majors.

Nicht einmal die Liaison mit der wohlerzogenen Chris Evert bremste seine Ausbrüche. Die Katholiken-Schülerin und der Pöbel-Prinz galten als Traumpaar des US-Tennis, die Hochzeit war beschlossene Sache, wurde jedoch kurzfristig abgesagt. "Jimmy hat immer härter auf dem Platz gearbeitet als alle anderen, aber er war komplett verhätschelt. Man musste ihm immer Aufmerksamkeit schenken", erzählte Evert einmal.

Vom Playmate gezähmt

Ausgerechnet ein ehemaliges Playboy-Häschen veränderte Connors' Leben. Patti McGuire, Playmate des Jahres 1977, heiratete und zähmte den Widerspenstigen. Connors schien im Herbst seiner Laufbahn zu sein, doch noch war lange nicht Schluss. Nach vier Jahren ohne Majortitel gewann er 1982 zum zweiten Mal in Wimbledon gegen John McEnroe und spielte noch 14 weitere Jahre auf der Tour. Mit 43 Jahren beendete Connors seine Karriere als unumstrittener Publikumsliebling.

Vom Tennis lösen konnte er sich lange nicht. Als Trainer seines Landsmanns Andy Roddick und in den wenigen Tagen an der Seite von Maria Sharapova blieben die Erfolge allerdings aus. Als Experte begleitete er einige Grand Slams für die Sender NBC, BBC und Tennis-Channel. Zuletzt wurde es ruhiger um Connors, mit Kommentaren zum Tennis hält er sich auch in den Sozialen Netzwerken zurück. Dafür engagiert er sich für den Tierschutz. Aus dem Rüpel von einst ist längst ein Gentleman geworden.

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