Sam Querrey besiegt Mischa Zverev in 76 Minuten

Schmerzhaft kurzes Vergnügen in der Nacht

Montag, 04.09.2017 | 15:56 Uhr
Mischa Zverev litt unter Schulterproblemen
© getty

Bei den US Open wird es einen Überraschungsfinalisten geben, und dieser könnte Sam Querrey heißen.

Kennen Sie Diego Schwartzman? Oder Pablo Carreno Busta, Kevin Anderson und Sam Querrey? Vermutlich nicht. Aber einer dieser vier Tennisprofis aus dem gehobenen Mittelstand des Wanderzirkus wird am Sonntag im Endspiel der US Open 2017 stehen, beim mutmaßlich seltsamsten Major-Turnier seit einer kleinen Ewigkeit. Mischa Zverev, der 30-jährige Hamburger, wird sich das Finale dieses Grand-Slam-Spektakels nun auch aus der Ferne betrachten müssen, genau so wie sein Bruder Alexander, der schon früh aus dem Big Apple auf die Heimreise geschickt wurde. Große Hoffnungen hatten beide Zverevs, es war der Wettbewerb, der die verlockendste Perspektive bot, bis zum Ende mittendrin im großen Spiel dabei zu sein. Aber Hoffnungen sind Hoffnungen - und keine Fakten.

Zverevs wohl beim Davis Cup dabei

Kurz vor Mitternacht jedenfalls war es am Sonntag, als sich der Schlussvorhang senkte auch für den älteren der Zverev-Brüder. Nach einer traurigen Abendvorstellung, die als bisher kürzestes Herrenspiel bei diesen US Open in die Statistiken einging, 76 Minuten nur dauerte das Einbahnstraßentennis. Mit dem leicht an der Schulter gehandicapten Zverev auf der falschen Seite, als 2:6, 2:6, 1:6-Verlierer gegen den berauschten US-Amerikaner Querrey. Ehe sich Zverev überhaupt im mächtigen Ashe-Stadion halbwegs orientiert hatte, war es auch schon wieder vorbei für ihn - mehr als eine Komparsenrolle blieb nicht übrig für ihn bei diesem schmerzhaft kurzen Vergnügen. Was blieb, war nur die nüchterne, zutreffende Erkenntnis des Deutschen: "Der hat zu gut gespielt für mich." Querreys Zauberbilanz in dieser Late-Night-Show: 55 Gewinnschläge, nur acht leichte Fehler. Er ist und bleibt somit auch der letzte standhafte US-Amerikaner im Wettbewerb, auch der erste Lokalmatador, der seit 2011 wieder einmal das Viertelfinale erreicht hat.

Zverev wird seine Konzentration am nächsten Wochenende, wenn der Sieger in New York ausgespielt wird, schon eher auf den Davis Cup richten. In Monte Carlo will er nach ein paar Tagen des Ausspannens mit Bruderherz Sascha auf Sand trainieren, das Familienduo hat nach Informationen aus der DTB-Spitze seine Zusage für die Relegationspartie in Portugal gegeben. Im Idealfall würde das Team mit Jan-Lennard Struff und Philipp Kohlschreiber komplettiert - der 33-jährige Augsburger vertritt zunächst noch in der Nacht zum Dienstag als letzter DTB-Profi die deutschen Farben in New York, gegen seinen Freund, Großmeister Roger Federer. Boris Becker warb hinter den Grand-Slam-Kulissen bei Kohlschreiber energisch um eine Startzusage, genau so wie zuvor Teamchef Michael Kohlmann.

Kvitova und ihr kleines Wunder

Vor Mischa Zverev war am Sonntag auch Julia Görges ausgeschieden, als letzte Spielerin aus der deutschen Grand-Slam-Abordnung. Im provisorischen Louis-Armstrong-Stadion durchlitten Görges und ihre Fans eine Achterbahnfahrt der Gefühle, eine wild hin und her wogende Partie gegen die Amerikanerin Sloane Stephens - allerdings ohne Happy End. 3:6, 6:3, 1:6 - mit diesen Zickzack-Zahlen waren die US Open dann für Görges vorbei. "Ich hatte heute nicht das gute Gefühl der letzten Wochen, nicht den richtigen Rhythmus", sagte Görges. Immerhin wird die konstanteste deutsche Spielerin dieser Saison nach dem Turnier wieder unter die besten 30 in der Rangliste aufrücken.

Den bisher imponierendsten Sieg bei ihrem Comeback landete die zweimalige Wimbledonsiegerin Petra Kvitova am Sonntag, im ersten Spiel der Spätsession im Ashe-Stadion: Die 27-Jährige, die von einem Einbrecher im letzten Dezember daheim schwer an der linken Schlaghand verletzt worden war und monatelang pausieren musste, gewann im bisher besten Turniermatch gegen die aktuelle Rasen-Königin von London, Garbine Muguruza (Spanien), mit 7:6 und 6:3 und kann sich nun auf ein Viertelfinal-Rendezvous mit Venus Williams freuen. "Es ist unglaublich, dass ich wieder so gut Tennis spielen kann. Es ist ein kleines Wunder für mich", sagte Kvitova.

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