Tennis

"Simo" gegen "Caro": Endstation Sehnsucht mit cooler Storyline

Von Ulrike Weinrich
Caroline Wozniacki
© Jürgen Hasenkopf

Es geht um die Nummer eins und um ein Grand-Slam-Titeldebüt: Wenn die topgesetzte Simona Halep und Caroline Wozniacki am Samstag (9.30 Uhr im LIVETICKER) im Finale der Australian Open aufeinandertreffen, dann sind auf beiden Seiten Emotionen vorprogrammiert.

Von Ulrike Weinrich aus Melbourne

Angelique Kerber weiß genau, wie es sich anfühlen wird für die Protagonistinnen des Showdowns im Melbourne Park. Sie kennt diese Momente, wenn der Druck ins Unermessliche steigt - und der Grat zwischen Triumph und Tragik mit jedem Ballwechsel schmaler zu werden droht. "Beide werden sehr nervös sein. Aber es wird ein interessantes Match", prophezeite die Kielerin mit Blick auf das Damen-Finale am Samstag zwischen der topgesetzten Simona Halep aus Rumänien und der Dänin Caroline Wozniacki, der Nummer zwei der Weltrangliste.

Es ist ein besonderes Endspiel, eines "mit einer coolen Storyline", wie es die Weltranglistenzweite Wozniacki beschreibt. Und eines, nach dessen Ende es auf jeden Fall ein spezielles Happy End für eine der beiden geben wird. Nach dem Motto: Aller guten Dinge sind drei - sozusagen. Denn sowohl die erfahrene "Caro", seit 2006 auf der Tour unterwegs, als auch Branchenführerin "Simo", die Kerber am Donnerstag in einem denkwürdigen Semifinale niederrang, haben ihre ersten beiden Major-Finals verloren. Wozniacki 2009 und 2014 bei den US Open, Halep 2014 und 2017 bei den French Open, wobei die wieselflinke 26-Jährige im letztjährigen Endspiel gegen Jelena Ostapenko (Lettland) bereits mit Satz und Break in Front lag.

Caroline Wozniacki und Simona Halep in Grand-Slam-Endspielen

TagTurnierSiegerinFinalistinErgebnis
13.09.2009US OpenKim ClijstersCaroline Wozniacki7:5 6:3
07.06.2014French OpenMaria SharapovaSimona Halep6:4 6:7 (5) 6:4
07.09.2014US OpenSerena WilliamsCaroline Wozniacki6:3 6:3
10.06.2017French OpenJelena OstapenkoSimona Halep4:6 6:4 6:3

"Coole Storyline" mit dem Tennis-Thron als Bonus

Die Sehnsucht nach dem Debüt-Coup auf der ganz großen Bühne ist bei Halep und Wozniacki riesig. Es würde ihr "ehrlich gesagt viel mehr bedeuten", eine Major-Championesse als die Nummer eins im Tennis-Universum zu sein, gab Halep zu. Die "coole Storyline" des Endspiels, wie die Dänin es nennt, beinhaltet auch, dass die Siegerin der Australian Open 2018 am kommenden Montag auf dem Tennis-Thron sitzen wird.

Für WTA-Weltmeisterin Wozniacki wäre es ein Comeback an der Spitze des Rankings -nach sechs Jahren. Eine Zeitspanne, in der die Tochter eines ehemaligen Profifußballers und einer früheren Volleyballnationalspielerin auf und abseits des Courts einige Tiefschläge verkraften musste.

Noch gut sind die Bilder der tieftraurigen Wozniacki in Erinnerung, die 2014 eigentlich den Golfstar Rory McIlroy heiraten wollte. Die Einladungen waren verschickt, die New Yorker Location für die mehrtägige Feier gebucht, doch der Nordire beendete in einem siebenminütigen Telefongespräch mit Wozniacki die Beziehung abrupt.

In dieser Krise sprang ihr ausgerechnet Serena Williams zur Seite, die ihre Freundin mit gemeinsamen Ausflügen samt Popcorn-Gelage ablenkte. Knapp vier Jahre später hat "Caro" auch ihr privates Glück gefunden. Sie ist mit dem ehemaligen NBA-Basketballer David Lee (San Antonio Spurs) verlobt, der ihr im Melbourne Park selten von der Seite weicht. "Er kann mir wertvolle Tipps geben, weil er selbst Profisportler war", erzählte Wozniacki.

Am Tag nach dem Australia Day: Halep setzt auf "Heimvorteil"

Und die Dramaturgie hat es in sich: Die rumänische Volksheldin Halep hat bis zum Finale bereits insgesamt fünf Matchbälle abwehren müssen (zwei im Halbfinale gegen Kerber und drei in der dritten Runde gegen Lauren Davis/USA). Wozniacki stand in der zweiten Runde gegen die Kroatin Jana Fett vor dem Aus, als sie sich beim Stand von 1:5 im entscheidenden Durchgang zwei Matchbällen gegenübersah. "Ich habe es noch irgendwie geschafft. Und ab diesem Moment war hier alles ein Bonus für mich", sagte sie.

Die schönste Belohnung für das Hobby-Model wäre aber der Daphne Akhurst Memorial Cup, der neben dem Siegerscheck in Höhe von umgerechnet rund 2,6 Millionen Euro gereicht wird. In der Open Era ist es das erste Mal, dass zwei Spielerinnen im Finale aufeinandertreffen, die auf dem Weg ins Endspiel Matchbälle abwehren mussten.

In der Rod Laver Arena kann sich Halep am Tag nach dem Australia Day wohl auch der Unterstützung des Publikums sicher sein. Ihr Coach Darren Cahill kommt vom fünften Kontinent. "Ich mag die lockere Art der Australier. Ich war immer ein bisschen zu negativ in der Vergangenheit. Es ist besser geworden, aber ich muss noch an mir arbeiten", sagte die Rechtshänderin aus Constanta, der in einer 2:20-stündigen Nervenschlacht gegen Kerber 50 Winner gelangen: "Zweimal habe ich gedacht, ich kann nicht mehr. Aber irgendwie habe ich es dann doch noch geschafft." Die Zeit nach den Australian Open hat "Simo" unabhänging vom Finalausgang verplant: "Da mache ich erstmal Urlaub!" Vielleicht mit ihrem ersten Major-Pokal im Gepäck.

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