Teenie-Alarm Down Under: 15-jährige Marta Kostjuk rockt Melbourne

Von Ulrike Weinrich
Mittwoch, 17.01.2018 | 09:00 Uhr
Die 15-jährige Marta Kostjuk überrascht in Melbourne.
© getty

Frech und furchtlos rockt die 15-jährige Marta Kostjuk den Happy Slam und steht als jüngste Spielerin seit 1996 in der dritten Runde der Australian Open.

Von Ulrike Weinrich aus Melbourne

Exakt 228 US-Dollar hatte Marta Kostjuk in den ersten zwei Wochen der neuen Saison verdient. Nicht schlecht für eine 15-Jährige, die zumindest in mancher Hinsicht so tickt wie viele Gleichaltrige. Sie liebt WhatsApp, mag italienisches Essen und hat ihre Nägel in schrillen Farben lackiert. Die Tragweite ihres derzeitigen Erfolgs lässt sich nicht nur, aber eben auch recht gut am Preisgeld ablesen.

Nach ihrem Drittrundeneinzug bei den Australian Open sind Kostjuk bereits umgerechnet rund 113.647 US-Dollar sicher. Das ist quasi auf einen Schlag knapp das Zwanzigfache von dem, was das ukrainische Supertalent bis dato in ihrer Karriere verdient hat. Wer allerdings erwartet hatte, dass die schon äußerst reif wirkende Kostjuk nach dem 6:3, 7:5 gegen die Australierin Olivia Rogowska komplett euphorisiert zur Pressekonferenz in den vierten Stock des Medienzentrums kommt, der sah sich getäuscht.

Hassliebe zum Tennis: "Ich bin Perfektionistin"

"Ich breche jedes Jahr Rekorde. Daher fühle ich mich ganz okay", sagte die jüngste Drittrunden-Teilnehmerin in Melbourne seit Martina Hingis 1996. Es klang keineswegs überheblich, eher realistisch. Vor zwölf Monaten hatte Kostjuk in der Rod Laver Arena noch das Juniorinnen-Event gewonnen - und deshalb eine Wildcard für das diesjährige Qualiturnier bekommen. In der ersten Runde entzauberte die Weltranglisten-521. bei ihrem Grand-Slam-Debut am Montag die Chinesin Shuai Peng (Nr. 25) mit 6:2, 6:2.

Seitdem steht die blonde Kostjuk beim Happy Slam im Fokus. Und muss auch immer wieder ihre Hassliebe zum Tennis erklären. "Erst langsam finde ich wirklich Freude daran. Ich bin Perfektionistin, und da ist es in diesem Sport natürlich schwer, zufrieden zu sein", erklärte der eloquente Teenie in gutem Englisch. Das Tanzen gab sie mit elf Jahren auf, "weil ich da viel zu sehr auf mein Gewicht achten musste. Das hat mich gestresst."

Kostjuks Mutter, Talina Beiko, war selbst Profi und schaffte es immerhin bis auf Platz 391 im WTA-Ranking (1994). Beim Coachen hält sie sich aber zurück: "In Martas Alter erträgt man Kritik von der Mutter nicht. Ich will sie schon pushen. Aber in erster Linie will ich Mutter sein und ihr Liebe geben."

Ljubicic als Manager - Roger als Fan

In punkto Glamourfaktor muss sich die in Zagreb trainierende Kostjuk, die aufgrund ihres Alters 2018 nur insgesamt zehn WTA-Events spielen darf, ohnehin nicht vor der Konkurrenz verstecken. Ihr Manager ist Ivan Ljubicic, der kroatische Coach von Roger Federer. Und der Maestro höchstpersönlich erkundigt sich deshalb immer öfter über die Entwicklung von Kostjuk. "Roger fragt Ivan nach meinen Spielen, wie es gelaufen ist. Das ist super zu wissen", betonte sie.

Kostjuk, der Haudrauf mit dem geflochtenen Zopf, hat bislang nur zweimal "etwas länger" mit Federer gesprochen. Vielleicht bleibt ja in den nächsten Tagen noch Zeit, die Kommunikation mit dem Schweizer zu intensivieren. Die sportlichen Aufgaben allerdings werden im Melbourne Park nicht leichter für die 15-Jährige.

Kostjuk: "Ich wollte Novak Djokovic heiraten"

Im Match um den Sprung ins Achtelfinale wartet am Freitag in Elina Switolina nicht nur eine Landsfrau, sondern auch die Weltranglistenvierte auf den Emporkömmling von Down Under. "Marta hat nichts zu verlieren. Sie wird alles riskieren, wie ein kopfloses Hühnchen", sagte Switolina - und ist gewarnt vom Sturm und Drang der Marke Kostjuk.

Einen Traum jedoch hat der Youngster schon ad acta gelegt. "Ich wollte früher Novak Djokovic heiraten. Und ich glaube, er wusste das, weil es in den serbischen Zeitungen stand", verriet sie. Mittlerweile gehört ihr Herz dem Tennisport. Zumindest so lange, bis die quirlige Rechtshänderin nach einer Niederlage das Racket am liebsten wieder in die Ecke pfeffern möchte.

Werbung
Werbung
Werbung
Werbung
Werbung