Schaffen es die alten Recken Federer und Nadal noch mal zum Grand-Slam-Duell?

Roger vs. Rafa - Träumen erlaubt...

Sonntag, 22.01.2017 | 19:48 Uhr
Roger Federer und Rafael Nadal: Nach drei Jahren wieder mal ein Grand-Slam-Duell?
© getty

Roger Federer und Rafael Nadal überzeugen bei den Australian Open mit ihren Comebacks. Reicht es im Turnier der Überraschungen womöglich sogar fürs Finale - und zur Neuauflage eines der größten Duelle aller Zeiten?

Von Florian Goosmann aus Melbourne

Roger Federers Freude und Erleichterung nach seinem Sieg gegen Kei Nishikori war kaum zu übersehen. Federer sprang entschlossen in die Luft, schloss für eine Millisekunde länger die Augen als zum regulären Blinzeln nötig, schoss wild einen Ball ins Publikum und ballte, nachdem er Nishikori die Hand geschüttelt hatte, energisch beide Fäuste. Die Jubelgeste nach einem Achtelfinale eines Majors fällt beim Schweizer Maestro normalerweise verhaltener aus, aber sie ist - unabhängig von einem Fünf-Satz-Krimi - nur zu verständlich. Ein halbes Jahr raus aus dem Turnierbetrieb fühlt sich in Tennisspielerleben nach einer Ewigkeit an. Die beste Vorbereitung, das härteste Training oder auch der ein oder andere Trainingssatz ist eben nur genau das: Training. Und nicht mit einem Match vor knapp 15.000 Menschen vergleichbar. Erfahrung hin, 19 Jahre auf der Tour her.

Federers Comeback ist geglückt

Federers womöglich selbst auferlegtes Pflichtprogramm in Melbourne war mit den Siegen über die Qualifikanten Jürgen Melzer und Noah Rubin eigentlich erfüllt; die Gala gegen Tomas Berdych und der Kampfsieg gegen Kei Nishikori mag man als Kür bezeichnen. Sie haben Federer vor allem bewiesen, dass er beides kann: stark spielen - aber auch den fast üblichen spielerischen Abfall im Match danach durch Kampfgeist ausgleichen.

Vor allem waren sie wichtig für Federers Kopf: Das Comeback, das laut Coach Severin Lüthi tiefgestapelt schon als Erfolg bezeichnet wurde, nachdem Federer körperlich wieder fit ist, ist nun auch aus Ergebnissicht vollends geglückt. Und der Weg ist nicht zu Ende. "Ich bin jetzt im Turnier, weiß, wie die Bälle und der Belag auf meine Schläge reagiert, was von meinen Gegner kommt. Ich werde nicht mehr überrascht, was nur hilfreich sein kann in der nächsten Runde", sagt Federer.

Nadal packt die Doppelsäge aus

Auch Rafael Nadal hat überzeugt. Nachdem 2016 bereits ein weiteres Comebackjahr für den oft verletzten Spanier war - ohne entsprechende Ergebnisse bei den Grand-Slam-Turniere und zum Ende der Saison mit erneuter Auszeit -, steht er 2017, so scheint es, wieder voll im Saft. Der Fünf-Satz-Sieg gegen Alexander Zverev war ein Meilenstein für den Youngster - aber ebenso einer für den 14-maligen Grand-Slam-Champ.

Auch Nadal jubelte entschlossener, als er es womöglich bei einem "normalen" Drittrundenspiel vor einigen Jahren gemacht hätte, die beidhändige Säge eingeschlossen. Einerseits Erleichterung, einen der #NextGen noch mal in die Schranken gewiesen zu haben, andererseits eben auch Freude um das Comeback. Auch er will es 2017 noch mal wissen, so der Körper mitspielt. Verletzungsfrei sei er, sagte Nadal vor ein paar Tagen, ob er auch schmerzfrei sei, wurde er gefragt. "Schmerzfrei - das war vor einer langen Zeit", antwortete er. Was Nadal jedoch noch nie von großen Siegen abgehalten hat.

Die Tennis-Romantiker beginnen zu träumen

Federer steht bereits im Viertelfinale (wo er auf Mischa Zverev trifft), Nadal muss gegen Gael Monfils nachziehen (und könnte dann auf Milos Raonic treffen). Raonic und Wawrinka sind nach dem Abflug von Andy Murray und Novak Djokovic ranglistenmäßig nach wie vor die Favoriten auf den Turniersieg, unter den Wettfreunden führt mittlerweile tatsächlich Federer vor Wawrinka.

Der Tennis-Romantiker an sich wünscht sich natürlich vor allem eines, auch wenn bis dahin noch ein langer Weg aussteht. Aber wie es das Tableau will, wäre ein Finale zwischen Federer und Nadal tatsächlich möglich - das 35. Duell der beiden, das erste auf Grand-Slam-Ebene seit den Australian Open 2014 und das erste im Finale seit den French Open 2011. Träumen muss ja erlaubt sein...

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