Was „Senior-Fed“ sich von „Baby-Fed“ abschauen muss

Federer: Vorbild Dimitrov

Samstag, 28.01.2017 | 15:20 Uhr
Roger Federer und Vorbild Grigor Dimitrov?
© getty

Roger Federer gegen Rafael Nadal - die 35. steht an! Was uns die Halbfinals gezeigt haben, worauf es im Finale ankommt und was sich Federer bei Grigor Dimitrov abschauen sollte?

Von Florian Goosmann aus Melbourne

Was für ein Kampf, was für eine Schlacht! 4 Stunden und 56 Minuten haben Rafael Nadal und Grigor Dimitrov ihr Herz auf dem Platz der Rod Laver Arena gelassen und gezeigt, warum Tennis so ein schöner, bitterer, hammerharter, unfairer und genialer Sport ist. Das Traumfinale steht somit: Federer gegen Nadal, die 35.! Drei Gedanken zu den Protagonisten.

  • Rafael Nadal

    "Rafa" ist zurück - und wie! Wer im Vorjahr noch an seinen Worten zweifelte, dass er noch mal angreifen wolle, hat sich gewaltig geirrt. Was wir bei den Australian Open erleben, ist Nadal in Bestform, körperlich, mental, spielerisch. Die Vorhand ist wieder die paar Meter länger als die vergangenen beiden Jahre, in denen Nadals Topspin-Bälle im T-Feld zu oft ein gefundenes Fressen für die Gegner waren. Nadal punktet aus allen Lagen, der Rückhand-Passierschlag war in den Spielen gegen Milos Raonic und Grigor Dimitrov voll da, wenn er gebraucht wurde, und, ganz wichtig: In den entscheidenden Momenten nahm Nadal das Heft in die Hand, spielte mutiges Tennis im Stile eines großen Champions. Das Gerede vom "15. Grand-Slam-Titel, den er vielleicht noch mal in Paris holen wird" ist völlig überholt: Bleibt Nadal fit, sind auch die Titel 16., 17. oder 18. drin.

  • Grigor Dimitrov

    Er galt als großes Talent, das nach seinem Top-Ten-Einzug 2014 die Balance verlor, im Vorjahr bis auf Rang 40 abrutschte. Aber Dimitrov hat die Kurve gekriegt, er hat die Liebe zum Tennis wiedergefunden und spielt seit vergangenem Sommer groß auf. Es wäre ihm und dem Tennis zu wünschen, dass dies so bleibt. Dimitrov anzuschauen, macht Spaß, zumal er athletischer ist, als man auf den ersten Blick, in dem man sein Spiel bewundert, erkennt. Was er gegen Nadal alles ausgegraben hat, war stark! Die letztliche Niederlage erinnert an einen anderen, der ein legendäres Fünf-Satz-Match verlor, aber hierbei erkannte, dass er mit den ganz großen mithalten kann: Stan Wawrinka. Der Schweizer unterlag 2013 in einem Achtelfinal-Klassiker gegen Novak Djokovic, siegte im Viertelfinale 2014, hat seitdem drei Grand-Slam-Titel gewonnen und gilt als Mann der großen Matches mit einer Major-Finalbilanz von 3:0. Macht Dimitrov es ihm nach?

  • Roger vs. Rafa, die 35.

    Es ist angerichtet. Am Sonntag um 9.30 Uhr MEZ steigt das Spiel aller Spiele, der Klassiker also. Die Bilanz spricht eine deutliche Sprache: 23:11 führt Nadal, bei Grand-Slam-Turnieren liegt er mit 9:2 vorne, bei den Australian Open mit 3:0. Das einzige Final-Duell in Melbourne gewann Nadal 2009 in fünf Sätzen, ebenfalls nach einem Halbfinal-Drama, damals gegen Fernando Verdasco. Während "Rafa" sich gegen "Baby-Fed" einspielen und schon mal die Rückhand-Mühle gegen Einhänder testen konnte, wird Federer wie üblich sein Spiel gegen Linkshänder Nadal um 180 Grad drehen müssen. Es wird bei ihm neben Aggressivität, Variabilität und der Frage der Fitness (Federer klagte über Adduktorenprobleme) vor allem auf die Körpersprache ankommen, an den Glauben. Zu oft in Spielen gegen Nadal startete Federer stark, ließ sich aber nach dem ersten Rückschlag hängen; Gesichtsausdruck und Körpersprache ließen schnell erkennen, dass er nach vielen bitteren Niederlagen gegen Nadal selbst nicht wirklich an einen Sieg glaubte. Was das angeht, kann er sich ein Beispiel an Grigor Dimitrov nehmen: So oft der Bulgare gegen Nadal in Rückstand geriet, so oft bäumte er sich auf und stemmte sich mit allem, was er hatte, gegen die Niederlage. Dimitrov war die komplette Spielzeit hellwach - Brust raus, Kopf nach oben. Schafft Federer das auch, wird es am Sonntag wirklich das so ersehnte Traumfinale, ein Blick zurück in die gute alte Zeit.

Die Australian Open im Überblick

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