Macht die 32er-Setzliste die Grand-Slam-Turniere langweilig?

Die Vorteile und Nachteile der 32er-Setzliste

Dienstag, 31.01.2017 | 13:17 Uhr
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© getty
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Seit Wimbledon 2001 gibt es die 32er-Setzliste bei den Grand-Slam-Turnieren. Hat dieses System zur Langeweile geführt, weil es die Topspieler schützt oder ist es besser für Fans und Medien?

Roger Federer gegen Rafael Nadal, so hieß das Finale bei den diesjährigen Australian Open. Es war ein episches Match und die allergrößte Werbung für den Tennissport. Kaum vorstellbar, aber dieses Duell hätte in Melbourne sogar in der ersten Runde stattfinden können, wenn es wie früher eine Setzliste mit 16 Spielern gegeben hätte. Federer ging wegen seiner verletzungsbedingten Auszeit als Nummer 17 des Tableaus ins Turnier und wäre zu damaligen Zeiten nicht gesetzt gewesen. Ein Erstrundenkracher gegen Novak Djokovic oder Andy Murray wäre somit auch möglich gewesen.

Aber die Zeiten haben sich geändert. Seit dem Wimbledonturnier 2001 wurde die Setzliste bei den Grand Slams von 16 auf 32 gesetzte Spieler angehoben. Bei den ATP-Masters-1000-Turnieren wurde von acht auf 16 gesetzte Spieler aufgestockt. Über das aktuelle Setzlistensystem lässt sich streiten. Erzeugt es Langeweile, weil es die Topspieler schützt und große Überraschungen zunehmend ausbleiben? Oder ist es gut für den Sport, weil es große Duelle wie das zwischen Federer und Nadal erst ermöglicht, weil Topspieler in den ersten beiden Runden möglicherweise genügend Kraft sparen können.

Sensationen gibt es nur noch selten

Marc Rosset hatte sich vor einigen Jahren über die 32er-Setzliste bei Grand Slams beklagt, weil es viel Würze aus dem Turnier nimmt. "Mit 32 gesetzten Spielern gibt es keine großen Matches. Man kann keine Partie Nadal gegen Isner in der ersten Runde von Wimbledon haben. Ein Jahr, als ich die Nummer 25 der Welt war, spielte ich in Roland Garros in der ersten Runde gegen Andre Agassi, in Wimbledon gegen Stefan Edberg und im folgenden Jahr bei den US Open gegen Goran Ivanisevic. So etwas kann nicht mehr passieren. Bei diesen Bedingungen ist es hart für die jungen Spieler, die älteren Spieler zu verdrängen", erklärte Rosset.

Es lässt sich heftig darüber streiten, ob Federer, Nadal und Djokovic mit der 16er-Setzliste genauso viele Grand Slams gewonnen hätten und solch große Siegesserien wie die von Federer und Djokovic überhaupt möglich gewesen wären. Seit Bestehen der 32er-Setzliste wurden die Sensationen im Herrentennis bei den Grand Slams immer weniger (zum Beispiel Federers Zweitrunden-Aus gegen Sergiy Stakhovsky beim Wimbledonturnier 2013), was irgendwie auch schade ist, weil der Sport von solchen Favoritenstürzen lebt und neue Gesichter manchmal guttun. Die diesjährigen Australian Open waren eine kleine Ausnahme. Das unerwartete Zweitrunden-Aus von Novak Djokovic gegen Denis Istomin hat das Tableau weit geöffnet.

Djokovic findet es fairer

Die 32er-Setzliste hat dazu geführt, dass Grand-Slam-Turniere etwas berechenbarer wurden. Manchmal gibt es aber auch besondere Szenarien, wenn Spieler, die vom Leistungsvermögen besser platziert sein müssten, jedoch wegen Verletzung in der Rangliste zurückgeworfen wurden - wie nun in Melbourne. Federer ging als Nummer 17 der Welt ins Turnier und traf bereits in der dritten Runde auf Tomas Berdych. Spannend wäre es zudem gewesen, wenn Juan Martin del Potro, vor Turnierbeginn die Nummer 39 der Welt, an den Start gegangen wäre. Del Potro hatte letztes Jahr beim olympischen Tennisturnier mit dem Auftaktsieg gegen Djokovic das Tableau durcheinandergewirbelt.

Federer, der beide Systeme kennengelernt hat, sagte einst auf Rossets Kritik, dass er beiden Systemen viel abgewinnen könne und die 32er-Setzliste wahrscheinlich gut für die Fans und Medien sei. Djokovic zeigte sich damals als klarer Befürworter des 32er-Systems. "Ich finde, dass es diejenigen Spieler schützt, die zwischen 15 und 30 stehen und die damit den Top-Spielern in den ersten Runden aus dem Weg gehen. Es hängt davon ab, aus welcher Perspektive man es betrachtet. Ich finde, dass es derzeit ein faires System ist", sagte der "Djoker". Widerstand gegen die 32er-Setzliste gab es in den letzten Jahren nur vereinzelt, sodass dieses System wohl noch viele Jahre Bestand haben wird.

Die Australian Open im Überblick

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