Warum für Angelique Kerber alles okay ist

Ganz ruhig, Leute, es läuft

Sonntag, 15.01.2017 | 16:58 Uhr
Gute Laune beim Training: Angelique Kerber und Coach Torben Beltz
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Viertelfinale in Brisbane, Auftakt-Aus in Sydney - es war kein Traumstart für Angelique Kerber ins Jahr 2017. Dennoch besteht kein Grund zur Panik. Denn Kerber weiß, wo sie steht.

"Ruhig, Axel, et läuft!"

Es waren beruhigende Worte, die Box-Trainer Manfred Wolke dem guten alten Axel Schulz in den Ringpausen stets ins Ohr säuselte. (Auch wenn es boxerisch letztlich nur selten bei Schulz lief.)

Auch bei Angelique Kerber läuft's, hoffentlich zumindest bei den Australian Open. Der Start ins Jahr 2017 lief bisher verhalten - Viertelfinale in Brisbane, Auftakt-Aus in Sydney. Dennoch kein Grund zur Besorgnis für die Nummer eins. Die Saison ist jung, das Getriebe noch nicht warm, was soll's. Auch 2016 war teils eine Achterbahnfahrt - mit großen Siegen freilich, die herausstehen.

"Lieber wieder aufs Tennis konzentrieren"

Der stotternde Saison-Start von Kerber ist leider für viele ein gefundenes Fressen. "Zu viel roter Teppich" - nur ein Kommentar, gerichtet an Kerbers Off-Season-Aktivitäten, die zeitweise aus TV-Shows und Galas bestanden. Ein Highlight hinsichtlich der Laureus-Nominierung als "beste Sportlerin des Jahres": "Sie soll sich lieber wieder aufs Tennis konzentrieren" - als habe Kerber ausgerechnet für diese Nominierung etwas anderes getan als das.

Erfolg schürt Neid, besonders in Deutschland. "German Schadenfreude", ein international bekanntes Syndrom. Aber glaubt tatsächlich jemand, dass ausgerechnet Angelique Kerber für die ein oder andere Gala ihr Training vernachlässigt habe? Wer um Kerbers Arbeitsmoral und Anspruch weiß, hatte eher um eines Angst: dass der Urlaub zu kurz war und sie nach einem anstrengenden Jahr zu früh auf den Trainingsplatz zurückgekehrt ist.

Kerber ist gut für die Marke Tennis

Natürlich zehrt die ein oder andere Neben-Court-Aktivität an den Kräften, es gilt auch hier, das Maß zu finden, die berühmte Mitte. Insofern war es vollkommen richtig, dass Kerber nicht alles mitgenommen hat. Aber Sportlerwahlen, Jahresrückblicke, Spendengalas - sie hat sie sich verdient. Und sich nebenbei die Pflicht ersiegt, sich dort blicken zu lassen. Was mussten Steffi Graf und Boris Becker sich in früheren Zeiten hinter vorgehaltener Hand anhören, wenn sie ihre Preise mal wieder nur per Videobotschaft abgeholt hatten!

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Neben Kerbers persönlichem Marktwert (der durch öffentlichkeitswirksame Auftritte natürlich steigt) ist der ein oder andere TV-Auftritt vor allem gut für die Marke Tennis. Kerber ist keine Rampensau, im Gegenteil. Der Sportfan bekommt mit ihr eine hart arbeitende und freundliche Botschafterin zu Gesicht, die dabei ist, unseren Lieblingssport wieder aus der Nische holen. Wenn die Auftritte - wie im Falle Kerber - vor den richtigen Kameras stattfinden, umso besser.

Kerber: "Da oben jetzt meine Welt"

Dass es im Tennis um den ein oder anderen Ball weiter links oder rechts geht - nichts Neues. Im Vorjahr stand Kerber in Melbourne in Runde eins vorm Aus, Gegnerin Misaki Doi hatte Matchball. Nutzt sie ihn, läuft das Jahr 2016 in eine völlig andere Richtung.

Kerber weiß das, sie wird sich auch deshalb nicht verrückt machen. "Für mich ist jetzt da oben meine Welt", sagte sie vor Kurzem dem "Stern". Das Selbstverständnis einer Nummer eins. Kerber weiß auch, dass sie 2017 die Gejagte sein wird, von wem auch immer. Das ist ein neues Gefühl. "Druck ist ein Privileg, das hat Roger Federer mal schön gesagt. Es stimmt auch. Und den hat man als Nummer eins ganz besonders. Angelique hat gelernt, damit umzugehen", sagte Fed-Cup-Chefin Barbara Rittner kürzlich im Gespräch mit "Sky", Rittner kennt Kerber wie kaum eine Zweite. "Sie hat den Druck bestanden und es sich oft genug bewiesen. Wenn sie sich das immer wieder ins Gehirn zurückruft und die Selbstzweifel zur Seite schiebt, dann steht sie auf einer ganz anderen Stabilität und Basis da."

"Ruhig, Angie, et läuft", mag man an dieser Stelle schreiben. Vermutlich braucht Kerber diesen Satz aber nicht zu lesen. Auch wenn die Marktschreier wieder ihren Platz finden werden, sollte sie 2017 doch tatsächlich nur die zweitbeste Saison ihres Lebens spielen.

Angelique Kerber im Steckbrief

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