Schrecklich und gemein: Sei nicht zu nett auf dem Platz

Von Marco Kühn / Tennis-Insider
Dienstag, 09.01.2018 | 21:20 Uhr
Rafael Nadal kann schon ein fieser Gegner sein
© getty

Wenn du auf dem Platz nicht ein wenig gemein und schrecklich sein kannst, wirst du immer ein gefundenes Fressen für die Gegner sein, die schrecklich und gemein sein können.

Rafael Nadal ist logisch betrachtet nicht der beste Tennisspieler, dafür ist er es aber im mentalen Bereich. Dies zeigt dir, dass deine Mentalität beinahe wichtiger ist als deine Grundschläge. Besonders auf Clubebene.

Nadal ist auf dem Platz immer ein wenig gemein - und teilweise schrecklich. Er würdigt dem Gegner keinen Blick. Er bestimmt durch seine, für viele Außenstehende lächerlich anmutenden, Rituale die Geschwindigkeit des Matches. Er lässt seinen Emotionen nach herausragenden Punkten in wichtigen Spielsituationen komplett freien Lauf.

Für den Gegner ist das schrecklich

Wir werden in diesem Artikel herausfinden, warum es einfach nicht der menschlichen Natur entspricht zu verträglich auf dem Tennisplatz zu sein und schlicht - zu nett.

Vielleicht gibst auch du in deinen Spielen zu viel von deiner mentalen Stärke ab, indem du stets lieb und nett bist. Du gehst Konfrontationen und Diskussionen über Ballabdrücke auf dem Platz aus dem Weg. Du fühlst dich insgeheim eingeschüchtert, wenn sich dein Gegner für einen tollen Schlag abfeiert und sich lautstark anfeuert.

Vielleicht verlierst du deine mentale Stärke auch schon viel früher. Nämlich dann, wenn du die Ergebnisse deines nächsten Gegners auf deinem Smartphone recherchierst, mit Erschrecken siehst, wie stark er wohl sein muss und ihn damit bereits vor dem Match auf ein Podest stellst, auf welchem dein Gegner vermutlich Höhenangst bekommen würde. Du machst deinen Gegner dadurch größer, als er ist. Und dich selbst schwächer als du bist.

Die Tricks der Jüngsten

Kinder sind für diesen psychologischen Bereich ein tolles Beispiel. Schlüpft man in die Rolle des Beobachters und schüttelt seine involvierten Emotionen ab, erhält man tolle Einblicke in das eigentliche Verhalten der kleinen Zwerge. Kinder beginnen ab dem dritten oder vierten Lebensjahr damit die Menschen, die sich um sie herum bewegen, zu veräppeln.
Kinder kennen ihre eigenen Bedürfnisse und entwickeln zielführende Strategien, um diese erfüllt zu bekommen. Das simpelste Beispiel hierfür ist das Schreien. Ist dann das Fläschchen oder die gewünschte Aufmerksamkeit im Anmarsch, ist es schnell wieder ruhiger als in einem entlegenen Waldgebiet.

Die Strategie, das Schreien, nimmt dabei keine Rücksicht auf das aktuelle Befinden von Mama oder Papa. Das Kind setzt sein Ziel in den Mittelpunkt seiner Handlungen und nicht den Wunsch, es seinen Eltern recht machen und den Hausfrieden sichern zu wollen.

Viele Tennisspieler setzen auf dem Platz nicht ihr Ziel, den Sieg des Matches, in den Mittelpunkt ihres Handelns. Besonders in kritischen und matchentscheidenden Situationen liegt es ihnen fern Konfrontationen jeglicher Art einzugehen. Sie hinterfragen nicht den Ballabdruck ihrer Vorhand, die vom Gegner Aus gegeben wurde, obwohl sie selbst den Eindruck haben, dass der Ball doch noch an der Außenkante der Linie kratzte. Dann wird nicht der Sieg des Matches zum Ziel, sondern das Wahren des Friedens auf dem Platz. Rafael Nadal würde niemals das Richten der Haare, das Tippen des Balles und den Griff zwischen die Pobacken vor seinen Aufschlägen für den Frieden auf dem Court opfern.

Lerne von den Kleinen

Tatsächlich kannst du viel für deine mentale Stärke von kleinen Kindern lernen. Die erste Lektion sollte für dich sein, dass du deinem Ziel entsprechend handelst und dich nicht von diesem für dich klar definierten Ziel abbringen lässt. Diese Fähigkeit kann in manchen Spielen für dich so mächtig sein wie ein dritter Aufschlag. Geh deinem Gegner mal auf die Nerven, wenn dir eine Entscheidung nicht passt. Diskutiere, frage, ob du auf seine Seite kommen und dir den Ballabdruck mal genauer ansehen darfst. Auch - Pardon, insbesondere, wenn dein Gegner davon genervt wirkt.

Lass dir vor wichtigen zweiten Aufschlägen Zeit. Wie oft sieht man es, dass in kritischen Situationen der zweite Aufschlag unmittelbar, fast in einer Bewegung, nach dem ersten Aufschlag gespielt wird? Viel zu oft. Wenn dich ein Zuschauer durch sein Klatschen in unpassenden Moment stört, sag ihm das. Sofort und direkt. Ein solches Verhalten signalisiert deinem Gegner, dass du entschlossen bist deine Ziele auf dem Platz zu verfolgen.

Du wirst entschieden mehr davon profitieren mal ein wenig schrecklich auf dem Platz zu sein, als wenn du immer nur in der Absicht des "Platzfriedens" handelst.

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