Tennis

Angelique Kerber im Interview – „Obama ist ein super sympathischer Typ“

SID
WTA - Barack Obama und Angelique Kerber
© Getty Images

Im umfangreichen Gespräch erzählt die Nummer eins, welche im vergangenen Jahr die prägenden Momente waren.

Angelique Kerber (28) hat sich 2016 gleich mehrere Kindheitsträume erfüllt und ist im illustren Kreis der großen internationalen Sportstars angekommen. Im SID-Interview erzählt die Nummer eins der Tennis-Welt über ihr Treffen mit Barack Obama, die Erfahrungen auf dem Roten Teppich, " den " Moment ihrer Karriere und ihre Sehnsucht nach dem Wimbledonsieg.

Die besonderen Momente reißen für Sie nicht ab. Sie haben jüngst Barack Obama zum Mittagessen getroffen. Wie ist der US-Präsident denn so?

Er ist ein super sympathischer Typ. Ich war schon ein bisschen aufgeregt, habe mich aber gefreut, auch mal ein bisschen in die Politik reinschnuppern zu können. Für mich war dieses persönliche Gespräch eine riesengroße Ehre.

Hat Obama denn Ahnung vom Tennis?

Ja, er kennt sich im Tennis aus, ist Linkshänder und spielt selbst auch. Er hat das Finale zwischen Serena Williams und mir bei den Australian Open geschaut. Obama ist ein großer Tennis-Fan und allgemein sehr sportbegeistert.

Wann ist man eigentlich nervöser, wenn man kurz vor einem Grand-Slam-Finale steht - oder wenn man über den Roten Teppich läuft?

Das sind zwei komplett andere Welten für mich. Auf dem Centre Court zu spielen, wenn das Stadion voll ist, das ist eigentlich schon zur Routine geworden. Der Rote Teppich dagegen ist noch ein bisschen Neuland. Andere Welten zu sehen, das ist aber immer interessant. Mittlerweile liegt der Fokus aber wieder auf der Vorbereitung für die anstehende Saison. Ich habe es bislang auch noch nicht geschafft, Weihnachtsgeschenke zu kaufen.

Sind Sie froh, dass Ihnen das alles mit 28 Jahren passiert und nicht mit 20 Jahren?

Ich fühle mich auf jeden Fall viel reifer als noch vor einigen Jahren. Und ich glaube, dass ich das jetzt viel mehr genießen kann.

Einer Ihrer Leitsprüche lautet: Die Angie bleibt die Angie ' . Kommen Sie jetzt in Situationen, wo es schwierig ist, diesem Motto treu zu bleiben?

Nicht wirklich. Meine Familie und meine Freunde halten mich auf jeden Fall auf dem Boden. Ich bin so weit gekommen, mit genau diesem Charakter, dieser Einstellung, deshalb soll das auch so bleiben.

2016 haben Sie so viel erreicht. Da stellt sich die Frage, was da noch kommen soll und kann?

Das ist jetzt eine neue Herausforderung für mich, die ich annehmen werde. Das sind ganz neue Aufgaben und Situationen, die auf mich warten. Natürlich möchte ich so lange wie möglich ganz oben bleiben.

Welche Rolle spielt Wimbledon auf Ihrer To-do-Liste ' für 2017?

Eine sehr große. Wimbledon ist für mich immer etwas ganz Besonderes gewesen. Das ist so ein Turnier, bei dem ich nächstes Jahr alles reinlegen möchte, um auch noch Wimbledon zu gewinnen und auf meiner Siegerliste zu haben.

Wenn Sie Ihre Saison Revue passieren lassen. Welcher Moment kommt Ihnen sofort in den Sinn?

Natürlich die 1. Runde bei den Australian Open, als ich gegen Misaki Doi einen Matchball abgewehrt habe. Diesen Punkt habe ich mir übrigens noch einige Male angeschaut. Es war der Moment, der für mich der Wendepunkt in diesem Jahr war.

Was geht in Ihnen vor, wenn Sie den Australian-Open-Pokal bei sich stehen sehen?

Dieser Pokal, dieser Moment, als ich nach dem Matchball am Boden lag, das wird mir immer in Erinnerung bleiben. Denn da hat alles begonnen. Das war der Moment in meiner Karriere. Der Moment, der alles verändert hat. Ich weiß auch gar nicht mehr, was ich bei der Siegerehrung gesagt habe. Ich war so nervös und so aufgeregt, diesen Pokal hochzuhalten, mit diesen ganzen Fotografen vor mir, dann dieser Applaus. Ich bekomme immer noch Gänsehaut, wenn ich daran denke.

Und dann kam acht Monate später New York ...

Das war von der ersten Runde kompletter Druck für mich. Denn nach Cincinnati hat jeder darüber gesprochen, dass ich bei den US Open die Nummer eins werden kann. Das hat mich auf der einen Seite gepusht - auf der anderen Seite habe ich dadurch sehr viel Druck verspürt. Aber im Nachhinein bin ich damit ganz gut umgegangen. Das wäre vor einigen Jahren noch nicht möglich gewesen. Und dann hole ich dort meinen zweiten Grand-Slam-Titel und werde die Nummer: Das war schon sehr verrückt.

Formel-1-Weltmeister Nico Rosberg hat in der vergangenen Woche überraschend seinen Rücktritt erklärt. Muss man bei Ihnen auch Angst haben vor solch einer Blitz-Entscheidung?

Nein, bei mir besteht momentan keine Gefahr, für mich geht es weiter. Ich stecke mitten in der Vorbereitung und freue mich auf die nächsten Aufgaben, die auf mich warten.

Barack Obama haben Sie schon kennengelernt. Was finden Sie an seiner Frau Michelle so faszinierend?

Sie hat schon eine Vorbildfunktion für mich. Und ich glaube, auch für viele andere Frauen mit ihrer Klasse, dem sozialem Engagement und nebenbei auch noch der traumwandlerischen Stilsicherheit. Die Art und Weise, wie sie sich verhält, finde ich einfach nur beeindruckend."

Das Gespräch führte Ulrike Weinrich vom SID.

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