Tennis

Als Guy Forget und Henri Leconte das Wunder von Lyon schafften

Am Wochenende vom 29.11. - 1.12.1991 besiegte das französische Zwei-Mann-Team die übermächtigen USA mit Andre Agassi und Pete Sampras.

Sechs Davis-Cup-Siege in Folge feierten die französischen Musketiere um René Lacoste, Henri Cochet, Jean Borotra und Jacques Brugnon von 1927 bis 1932 - dann war Ebbe für die "Grande Nation". Großbritannien, Australien und die USA hießen die Davis-Cup-Dauersieger bis hinein in die 1970er-Jahre, bevor auch Südafrika, Schweden, Italien, die ehemalige Tschechoslowakei und Deutschland die berühmte Salatschüssel ins Land holten.

Henri Leconte und ein Versprechen am Krankenbett

1991 sollten die USA wieder an die Reihe kommen - eigentlich. Mexiko, Spanien und im Halbfinale Deutschland (mit Michael Stich, Carl-Uwe Steeb und Eric Jelen) hatten Andre Agassi , Jim Courier und Co. aus dem Weg geräumt; im Finale traf man eben auf Frankreich, das es mit Siegen über Israel, Australien und Jugoslawien erstmals seit 1982 wieder ins Endspiel geschafft hatte. Dort jedoch gab es nur einen Favoriten: die US-Amerikaner, bei denen ein gewisser Pete Sampras sein Davis-Cup-Debüt feiern sollte.

Auf der Gegenseite holte Teamchef Yannick Noah einen ins Team, der jahrelang in genau seinem Schatten stand und vom französischen Publikum kritisch beäugt - und im Finale der French Open 1988 bei seiner Niederlage gegen Mats Wilander von seinen Landsleuten sogar ausgebuht wurde: Henri Leconte . Die ehemalige Nummer fünf der Welt mit der feinen linken Klinge lag im September nach einer dritten Rücken-Operation noch im Krankenhausbett. Und bekam dort überraschenden Besuch: von Noah. "Henri, ich brauche dich", erklärte der, und Leconte verspach: "Ich werde da sein!"

"Ich war ‚in the zone'!"

Und Leconte war da, bei der Begegnung im Palais des Sports de Gerland in Lyon, die am 29. November 1991 begann. Der damals 28-Jährige ging durchaus selbstbewusst in sein Match gegen Novize Sampras: "Ich habe Yannick gesagt, dass ich gegen Pete Sampras gewinnen würde", erinnert sich Leconte heute . "Guy Forget, mein Partner, dachte, ich wäre komplett verrückt, aber ich wusste es einfach. Ich war ,in the zone'!" Leconte sollte Recht behalten: 6:4, 7:5, 6:4 hieß es am Ende für die Nummer 159 der Welt gegen den US-Open-Champ 1990.

"Das ist der größte Tag meines Lebens. Ich habe bewiesen, dass ich noch da bin", sagte Leconte im Anschluss an das Match. Er glich mit seinem Überraschungssieg die Niederlage von Guy Forget gegen Andre Agassi aus, der mit 7:6 (8), 2:6, 1:6, 2:6 den Kürzeren gezogen hatte.

Forget/Leconte gegen die US-Legenden Flach/Seguso

Am Doppel-Samstag schlug dann die Stunde des Linkshänder-Teams Forget/Leconte. Gegen das legendäre US-Duo Ken Flach und Robert Seguso feierten die Franzosen einen 6:1, 6:4, 4:6, 6:2-Sieg und gingen mit einem 2:1-Vorsprung in die Entscheidung am Sonntag, den 1. Dezember.

Guy Forget holt das 3:1

Es lag an Guy Forget, gegen Sampras für die Entscheidung zu sorgen. Und auch Forget spielte auf dem schnellen Teppich das Match seines Lebens. 7:6 (6), 3:6, 6:3 und 6:4 hieß es am Ende - es war das uneinholbare 3:1, das den Palais des Sports de Gerland in eine Partymeile verwandelte. "Ich glaube nicht, dass die Amerikaner begreifen, was der Davis Cup dem französischen Team und den Fans bedeutet", so Forget. "Wir haben die Fußball-WM, die Tour de France und den Davis Cup. In Amerika haben sie zehn verschiedenen Dinge, die wichtiger sind als der Davis Cup."

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