Tennis

Als Steffi Graf das letzte Fünfsatz-Match im Damentennis spielte

SID
GERMANY - JULY 14: FEDERATION CUP Poertschach; Steffi GRAF/GER (Photo by Andreas Rentz/Bongarts/Getty Images)
© Andreas Rentz

Am 24. November 1996 geht es im New Yorker Madison Square Garden zwischen Steffi Graf und Martina Hingis über die volle Distanz.

Es ist vor allem das French Open-Finale 1999 , das einem beim Gedanken an Duelle zwischen Steffi Graf und Martina Hingis in den Sinn kommt. Dabei war es zweieinhalb Jahre zuvor zu einem kaum weniger denkwürdigen Match der beiden gekommen – im legendären Madison Square Garden in New York.

1977 sowie von 1979 bis 2000 fand das Damen-Masters in der vielleicht berühmtesten Austragungsstätte für Sport- und Musikveranstaltungen statt, von 1984 bis 1998 mit einem Endspiel über drei Gewinnsätze.

Verletzte Graf mit 3 Grand-Slam-Siegen

Steffi Graf kommt angeschlagen aus einer ihrer erfolgreichsten Spielzeiten nach New York. 1996 begann mit einer OP am Mittelfußknochen, es folgen Rücken- und Knieprobleme; eine Woche vorm Masters musste sie in Philadelphia aufgeben, in New York selbst reist sie erkältet an.

Drei Grand-Slam-Titel hat die Nummer eins der Welt im Jahr 1996 eingeheimst, Paris, Wimbledon und die US Open. Graf ist zudem Titelverteidigerin: Im Jahr zuvor hatte sie Anke Huber in einem Fünfsatz-Krimi in die Knie gezwungen und ihren vierten Jahresendtitel geholt.

Hingis mit Krämpfen im Finale

Graf spielt sich mit Siegen über Karina Habsudova, Lindsay Davenport und Jana Novotna ins Finale, ihre Gegnerin Martina Hingis bezwingt Irina Spirlea, Kimiko Date und Iva Majoli. Das Endspiel wird zum Krimi – zumindest bis kurz vor Ende. 6:3, 4:6, 6:0 führt Graf, in Satz vier leidet Hingis an Krämpfen im Oberschenkel. Auch wenn sie sich noch zum 6:4-Satzausgleich durchbeißt, geht der entscheidende Durchgang mit 6:0 an die Brühlerin.

„Irgendwie war mir nur noch zum Heulen. Da schaffst du es in den fünften Satz gegen Steffi Graf und dann bist du nicht mehr in der Lage, mitzuhalten“, so Hingis, gerade mal 16 Jahre alt, im Anschluss. Graf selbst ist ob ihres Sieges selbst überrascht. „Man hätte sich schon Sorgen machen können um mich. Aber ich habe mich einfach durchgebissen und gewonnen – wie meistens“, bilanziert sie am Ende eines Turniers, das ob vieler Verletzungen und schlechter körperlicher Zustände einiger Teilnehmerinnen trotz des starken Endspiels unter keinem guten Licht fürs Damentennis steht.

Ultimiative Lobhudelei für Graf

Mit welcher Hingabe Graf hingegen ihr merkwürdiges 1996 zu Ende bringt, ringt auch der Konkurrenz großen Respekt ab. „Es gibt wohl keine Tennisspielerin seit Billie Jean King oder Martina Navratilova, die unter allen erdenklichen Begleiterscheinungen erfolgreiches Tennis spielen kann. Je schlechter es um sie aussieht, um so besser wird sie. Aber ich glaube, das macht einen Champion aus“, lobt Jana Novotna nach Turnierschluss.

Graf hat vor allem für Hingis lobende Worte parat. „Sie ist definitiv diejenige, mit der man rechnen muss. Sie kann unglaubliche Winkel schlagen und ihre Longline-Bälle sind wahrscheinlich die besten im Frauentennis”, so Graf über ihre Nachfolgerin: Hingis sollte Graf schließlich am 31. März 1997 nach insgesamt 377 Wochen als Nummer eins der Tenniswelt ablösen.

Das Fünfsatz-Match zwischen Graf und Hingis in New York ist bis heute das letzte Spiel über die volle Distanz: Seit 1999 wird auch bei der inoffiziellen Tennis-WM über zwei Gewinnsätze gespielt.

Werbung
Werbung
Werbung
Werbung
Werbung