Tennis

„Das war der Preis dafür...“ – Marian Vajda über die Djokovic-„Krise“

SID
PARIS, FRANCE - JUNE 04: Novak Djokovic of Serbia speaks with coach Marian Vajda during a training session on day fourteen of the 2016 French Open at Roland Garros on June 4, 2016 in Paris, France. (Photo by Dennis Grombkowski/Getty Images)
© Dennis Grombkowski

Der Trainer von Novak Djokovic erklärt, warum sein Schützling nach den French Open in ein mentales Loch fiel.

Er wirkte unbesiegbar, gewann vier Grand-Slam-Turniere nacheinander und holte sich im Juni endlich den langersehnten French-Open-Titel. Nichts deutete zu diesem Zeitpunkt darauf hin, dass Novak Djokovic wenige Monate danach in eine jähe Sinnkrise schlittern würde (von der er sich derzeit beim Saisonfinale in London eindrucksvoll befreit). Der "Djoker" verlor nicht nur den zementiert wirkenden Nummer-eins-Status an Andy Murray, sondern auch den Spaß an seinem Sport. Er habe zu viel von sich erwartet, die Freude am Tennis sei verschwunden, gestand der Serbe während der China-Tour in Shanghai. Warum der zwölffache "Major"-Champion ins Motivationsloch fiel, kann wohl kaum einer so gut beurteilen wie Marian Vajda. Der 51-jährige Slowake, seit 2006 Trainer und gute Seele im Team-Djokovic, sprach mit der französischen Zeitung "Le Parisien" über die Ursachen der Leistungsdelle. Hier lest ihr, warum der Weltranglisten-Zweite nach seinem Triumph in Roland Garros den Fokus verlor, welche Rolle Guru Pepe Imaz wirklich spielt und weshalb die Nummer eins für Djokovic nicht mehr so wichtig ist...

Maria Vajda über ...

... den Spannungsverlust nach den French Open:

"In Paris zu gewinnen, darauf lag der komplette Fokus. Als Novak dieses Ziel erreicht hatte, fiel alles von ihm ab - die absolute Fokussiertheit ist seitdem nicht mehr da. Um ganz oben zu bleiben, musst du jeden Tag mit der größtmöglichen Konzentration arbeiten, dafür war er jedoch nicht in der Lage. Deshalb hat es Andy Murray verdient, an der Spitze zu stehen."

... den "Tennis-Burn-out" des "Djokers":

"Die Erstrundenniederlage in Rio war hart für ihn. Dass er trotz Verletzung ins US-Open-Endspiel einziehen konnte, gleicht für mich einem Wunder. Er sollte das positiv in Erinnerung behalten und nie vergessen. Insgesamt war das Jahr aber sehr, sehr hart - wir haben das erwartet. Die guten Dinge, die anfangs passiert sind, forderten ihren Tribut - der Preis dafür musste gezahlt werden."

... die Suche nach dem Hauptgrund für die Krise:

"Ich beziehe alle Faktoren in Novaks Situation ein. Die Leute sprechen von einer Krise, aber es ist nicht möglich, jedes Match zu gewinnen - du kannst nicht immer professionell sein, auch wenn du es willst. Der Hauptgrund ist nicht die Liebe zum Sport, ich denke, dass es sein Fokus ist. Nach Paris fehlte ihm die nötige Schärfe, dann kann ein Spiel sehr schnell an dir vorbeilaufen. Dennoch halte ich es nicht für sinnvoll, nach diesem einen speziellen Grund zu suchen. Wir sollten kein Drama daraus machen, so etwas kann passieren."

... die Rolle von Pepe Imaz:

"Er ist dafür da, um den Stress abzubauen. Novak brauchte das, da der Stress zu groß wurde. Die Meditationsübungen haben ihm geholfen, es gibt aber keinen Grund, von Manipulation zu sprechen - Novak geht es gut! Das wurde übertrieben dargestellt, beide haben schon in der Vergangenheit zusammengearbeitet. Novak kann mit der Berichterstattung umgehen, er weiß, dass Tennis Entertainment ist."

... die Zurückeroberung der Nummer eins und neue Schwerpunkte 2017:

"Er war jahrelang die Nummer eins und akzeptiert, dass er sie momentan verloren hat. Ihn motivieren eher die Grand Slams, jeder Champion will sie gewinnen. Am meisten braucht er jedoch Balance, Extreme sind nie gut. Er wird sich jetzt noch mehr um seine Gesundheit kümmern. Novak ist fast 30, wir können ihn nicht mehr drei Stunden über den Platz hetzen. Knie, Ellenbogen, die Schulter - das alles spürt er jetzt mehr als früher, deshalb werden wir die Vorbereitung anpassen. Dennoch: ‚Novak trainiert gerne, er wird bereit sein für die Australian Open.'"

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