Tennis

Als Anke Huber einen Porsche gewann (und ihn nicht fahren durfte)

Jan 1991: Anke Huber of Germany in action during the Australian Open at Flinders Park in Melbourne, Australia. \ Mandatory Credit: Simon Bruty/Allsport
© Simon Bruty

Am 20. Oktober 1991 besiegte die 16-jährige Karlsdorferin im Filderstadt-Finale die große Martina Navratilova. Ein Problem an der Sache gab's aber.

Anke Huber schaffte 1990 ihren Durchbruch, ein Jahr nach ihrem Debüt auf der WTA-Tour. Am 25. August 1990 triumphierte sie als 15-Jährige gegen Marianne Werdel in Schenectady und holte ihren ersten Turniersieg. 1991 gelang ihr der Einzug in die Top 20 der Welt, unter anderem dank des Viertelfinaleinzugs bei den Australian Open sowie dem Achtelfinale in Wimbledon. Das Match, das sie allerdings wirklich ins Licht der Öffentlichkeit spülen sollte, spielte Huber ein Jahr später - beim Porsche Tennis Grand Prix in Filderstadt.

Flashback zum 20. Oktober 1991

Huber steht zum zweiten Mal im Hauptfeld der schwäbischen Kleinstadt, im Vorjahr war bereits in der Eröffnungsrunde Schluss. In den Matches gegen Lori McNeil, Natalia Zvereva, Zina Garrison und Helena Sukova bleibt sie im Herbst 1991 jedoch ohne Satzverlust und erreicht das Finale gegen die scheinbar übermächtige Martina Navratilova, aktuelle Nummer vier der Welt, erfahrene 35 Jahre alt, ehemalige Weltranglisten-Erste und neunfache Wimbledonsiegerin - unter anderem. Navratilova ist Filderstadts Liebling, Rekordgewinnerin mit bis dato fünf Turniersiegen (von letztlich sechs).

An diesem Tag ist es jedoch die Sternstunde von Anke Huber: Mit 2:6, 6:2 und 7:6 (4) macht sich die 16-jährige Karlsdorferin zur ersten deutschen Siegerin und zeigt sich nach dem verwandelten Matchball selbst etwas ungläubig ob dem, was ihr da gelungen war. "Ich habe von diesem Sieg geträumt, aber nie daran geglaubt, dass es klappen würde. Ich kann es immer noch nicht glauben," sagt sie, die sich gerade wie kaum eine andere Spielerin in die Herzen der Filderstadt-Fans gespielt hat.

Durch Hubers Sieg wurde auch Navratilovas Versuch, die 157 Turniersiege von Chris Evert einzustellen, zumindest verschoben - sie tat dies letztlich erfolgreich am 4. November mit dem Triumph in Oakland. Insgesamt sollte Navratilova bis zu ihrem Karriereende 167 Titel gewinnen.

Huber hatte an ihrem Siegtag in Filderstadt andere Probleme: Wie üblich durfte sich die Siegerin zwischen Preisgeld (in diesem Jahr 70.000 US-Dollar) und einem Porsche entscheiden - wie üblich entschied sich auch Huber für den Sportflitzer. Das Problem: Huber hatte noch keinen Führerschein und musste ihren Porsche 968 Cabriolet die nächste Zeit in der Garage abstellen.

Zwei und elf Jahre später

Dass ein Sieg bei einem bestimmten Turnier den weiteren Lebensweg beeinflussen kann - nichts Neues. Dass alte Liebe auch nach 25 Jahren nicht rosten muss, ist dennoch schön zu sehen. Denn für Huber ist der Porsche Tennis Grand Prix nach wie vor eine Herzensangelegenheit: Am 16. Oktober 1994 holte sie ihren zweiten Filderstadt-Titel mit einem 6:4, 6:2-Finalsieg gegen Mary Pierce - den Porsche 911 Carrera 4 Cabriolet durfte sie dann, als 19-Jährige, endlich fahren.

Auch nach ihrem Karriereende blieb Huber dem Turnier verbunden: Seit 2002 ist sie sportliche Leiterin des Events, das 2006 in die Porsche Arena umzog, dort seit 2009 auf Sand ausgetragen wird und längst als wichtigstes deutsches und beliebtestes Damenturnier überhaupt gilt.

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