Tennis

„Dieser Job war jeden Tag harte Arbeit“ – Andreas Beck beendet seine Karriere

SID
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© Juergen Hasenkopf

Der 30-jährige Stuttgarter verkündet im Interview mit tennisnet.com das Ende seiner Profikarriere.

Andreas Beck beendet im Alter von 30 Jahren seine Tenniskarriere. Der Stuttgarter wurde immer wieder von Verletzungen zurückgeworfen und sagt nun dem Profitennis Lebewohl. Beck gewann in seiner Karriere fünf Challenger-Turniere und erreichte im Jahr 2009 seine beste Platzierung im ATP-Ranking, als er die Nummer 33 der Welt war. Im gleichen Jahr stand er in Gstaad das einzige Mal im Finale eines ATP-Turniers, verlor jedoch das Endspiel gegen Thomaz Bellucci. Der Linkshänder bestritt insgesamt vier Partien für das deutsche Davis-Cup-Team, drei im Einzel und eine im Doppel. 2009 feierte er im Viertelfinale in Spanien sein Debüt und unterlag Fernando Verdasco in fünf Sätzen. 2010 steuerte er in der Play-off-Partie gegen Südafrika zwei Punkte zum 5:0-Sieg bei. Beck erreichte bei jedem Grand-Slam-Turnier die zweite Runde und wurde in den Jahren 2007 und 2014 Deutscher Tennismeister. Im Gespräch mit tennisnet.com spricht Beck über seine Entscheidung, die Karriere zu beenden und seine Zukunft als Tennistrainer bei Top Tennis in Stuttgart.

Herr Beck, Sie beenden im Alter von 30 Jahren ihre aktive Karriere. Was hat zu Ihrem Entschluss geführt?

Der Gedanke ans Aufhören hat mich die letzten Wochen und Monate immer wieder begleitet. Ich musste immer wieder mit gesundheitlichen Rückschlägen in meiner Profikarriere kämpfen. Nach all den Verletzungen hat mir vor allem mein Körper die letzten Wochen immer wieder signalisiert, dass er nicht mehr fit genug ist, um auf dem ganz hohen Profi-Niveau zu spielen. Darüber hinaus habe ich ein sehr spannendes Angebot von den Brüdern Kevin und Louk Sorensen erhalten, bei Top Tennis in Stuttgart als Trainer zu beginnen. Die Chance, einen direkten Übergang vom Profi zum Trainer zu schaffen, war sehr reizvoll für mich.  Es war dennoch keine leichte Entscheidung, da ich immer sehr gerne auf der Tour unterwegs war, aber für mich ist jetzt genau der richtige Zeitpunkt gekommen, um „Tschüss“ zu sagen.

Wie geht es nun weiter für Sie? Sie werden also dem Tennissport treu bleiben?

Ja, klar! Tennis war und wird immer ein wichtiger Bestandteil in meinem Leben sein. Ich bin seit dieser Woche Trainer bei Top Tennis in Stuttgart und werde weiter täglich den Schläger in die Hand nehmen. Für mich war schon lange klar, dass ich nach meiner Karriere als Coach arbeiten und meine Erfahrungen gerne weitergeben möchte, daher ist das eine super Sache und große Chance für mich. Insbesondere die Arbeit mit jungen, talentierten Spielern reizt mich sehr.

Julian Reister hat seine Karriereende mit einem emotionalen Liebesbrief an den Tennissport verkündet. Was hat der Tennissport Ihnen gegeben?

Der Tennissport hat mir sehr viel gegeben. Ich konnte mein Hobby zum Beruf machen. Es war nicht immer leicht, vor allem dann, wenn es Rückschläge gab. Nichtsdestotrotz war Tennisprofi mein absoluter Traumjob. Als Tennisprofi habe ich schon viel von der Welt gesehen: andere Länder, andere Kulturen – das war immer spannend! Zudem wurde einem in manchen Ländern auch immer wieder bewusst, wie viel Glück es bedeutet, diesen Beruf ausüben zu dürfen. Und glauben sie mir, dieser Job war jeden Tag harte Arbeit. Egal ob in den Trainingseinheiten, bei Matches oder wenn man einen Tag mit Reisen beschäftigt war. Dennoch gab mir der Sport viel zurück, sodass ich immer wusste, wofür ich die ganze harte Arbeit mache. Darüber hinaus habe auch ich viele interessante Personen und Typen im Tenniszirkus kennengelernt und mit einigen verbindet mich sogar über den Sport hinaus eine enge Freundschaft.

Zu Ihrer besten Zeit mussten Sie wegen eines Tennisarms und Rückenproblemen einige Monate pausieren. Sind Sie zufrieden, wie Ihre Karriere verlaufen ist?

Ja, absolut! Natürlich weiß man nicht, was gewesen wäre, wenn die Verletzungen nicht dazwischengekommen wären, aber ich habe viel erreicht. Ich habe alle Grand-Slam-Turniere gespielt, stand im ATP-Ranking auf Position 33 und durfte Deutschland im Davis Cup vertreten. Ich denke, darauf kann man schon stolz sein, und das bin ich auch. Außerdem habe ich, für mein noch junges Alter, schon viele Erfahrungen gesammelt und bereits ziemlich viel von der Welt gesehen.

2012 konnten Sie in der zweiten Runde der Australian Open gegen Roger Federer nicht antreten. War das der schlimmste Moment in Ihrer Karriere?

Nein. Verletzungen können immer passieren. Wenn ich meine Karriere Revue passieren lasse, dann war der schlimmste Moment der, als ich 2009 in Spanien im Davis Cup das entscheidende Match gegen Juan Carlos Ferrero verloren habe.

Was war das schönste Erlebnis in Ihrer Karriere?

Sich da ein einzelnes Erlebnis auszusuchen, ist schwer. Ich hatte insgesamt eine tolle Zeit auf der ATP-Tour. Ein unbeschreibliches Gefühl ist es, für sein Land im Davis Cup auflaufen zu dürfen. Auch mein Finale beim 250er-Turnier in Gstaad war ein unglaubliches Erlebnis! Außergewöhnliche Momente auf der Tour, die ich ebenfalls nie vergessen werde, waren natürlich auch meine Matches gegen die absoluten Topspieler Federer, Nadal und Djokovic, auf den ganz großen Courts dieser Welt!

Sie haben vier Davis-Cup-Matches für Deutschland bestritten. Derzeit scheint es immer schwerer zu werden, die Spieler für den Davis Cup zu begeistern. Der DTB hat Dustin Brown, Mischa Zverev und Tobias Kamke wegen des Verzichts auf den Davis Cup sanktioniert. Haben Sie eine Meinung zu dieser Maßnahme?

Bitte haben Sie Verständnis, dass ich, da ich nicht direkt involviert war und zu wenig Hintergrundwissen habe, nichts dazu sagen möchte.

Alexander Zverev ist mit 19 Jahren bereits die Nummer eins in Deutschland. Wie weit wird sein Weg noch gehen?

Mit Alexander Zverev hat Deutschland definitiv wieder ein Top-Talent. Wie weit sein Weg gehen wird, ist natürlich von vielen Faktoren abhängig. Ich traue ihm aber einiges zu und denke, wenn er seinen Weg so weitergeht wie bisher und verletzungsfrei bleibt, dass er mittelfristig ein Grand-Slam-Turnier gewinnen kann. Ich wünsche ihm auf jeden Fall alles Gute auf seinem Weg!

Welchen Ratschlag würden Sie einem Nachwuchsspieler, der Profi werden möchte, mit auf den Weg geben?

Immer an sich zu glauben, auch wenn es mal nicht so läuft. Und jeden Tag aufs Neue hart zu arbeiten und zu trainieren.

Zum Abschluss möchte ich gerne noch ein paar persönliche Worte loswerden. Ich möchte mich bei all meinen Coaches, die mich über diese ganzen Jahre begleitet haben, für die gute und vertrauensvolle Zusammenarbeit bedanken. Danke sagen möchte ich auch allen Menschen, die mich während meiner Karriere unterstützt und immer an mich geglaubt haben. Der größte Dank gilt aber natürlich meiner Familie, die immer für mich da war und mich in schlechten Zeiten immer wieder aufgebaut hat.

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