Tennis

Kerbers starker Mann – Torben Beltz und der Abschied vom Babypopo

SID
Angelique Kerber Team, Trainer Torben Beltz freut sich in der Spielerloge, Tennis - Australian Open 2016 - Grand Slam ITF / ATP / WTA - Melbourne Park - Melbourne - Victoria - Australia - 28 January 2016.
© Juergen Hasenkopf

Hinter den Erfolgen von Angelique Kerber steht seit mehr als einem Jahrzehnt ihr Trainer Torben Beltz.

Auf den Ruf von New York als glamouröse Mode-Metropole kann und will Torben Beltz in diesen Tagen einfach keine Rücksicht nehmen. Tennistrainer sind meist so abergläubisch wie ihre Schützlinge, deshalb ist bei Beltz auch im Big Apple mal wieder Wildwuchs im Gesicht angesagt. Und schuld daran ist genau genommen Angelique Kerber. Weil die Kielerin bei den US Open Sieg an Sieg reihte, sprießen seit knapp zwei Wochen munter die Barthaare ihres Coaches Beltz. „Er rasiert sich nicht, solange ich gewinne“, sagt Kerber über die Abmachung. Bei den Australian Open im Januar hatte der Schachzug Erfolg. Beltz ließ in Melbourne den Rasierer stecken - und „Angie“ gewann Down Under ihren ersten Grand-Slam-Titel. Doch weil es den 39-Jährigen im Gesicht juckte, war der Bart bereits am Morgen nach dem Triumph wieder ab.

Frohnatur gegen den Dickschädel

Die Bart-Strategie ist nur eines von etlichen Ritualen, die das Team Kerber/Beltz so stark macht. Die Weltranglisten-Zweite jedenfalls weiß, was sie an dem hochaufgeschossenen Norddeutschen mit der Aura eines „netten Krankenpflegers“, wie einst der Stern schrieb, hat. „Torben weiß genau, wie ich ticke. Wir kennen uns schon so lange, er kann auch mit meinen Emotionen umgehen“, meinte Kerber. Wohlwissend, dass sie manchmal ein ganz schöner Dickschädel sein kann: „Ich bin nicht immer einfach. Wenn ich mir etwas in den Kopf setze, will ich es auch so durchziehen.“

Frohnatur Beltz, der gleichzeitig als Hitting Partner fungiert, kann gut damit leben. Mit seiner lockeren und ausgleichenden Art hält er seine Chefin auch in schwierigen Momenten meist bei Laune. Egal, ob beim Training oder aus der Box am Spielfeldrand heraus. „Angie ist ein guter und angenehmer Typ. Sie will hart arbeiten, es passt gut“, meinte Beltz. Außerhalb des Courts spielt er mit Kerber gerne Backgammon oder geht mit ihr auch mal ins Kino. Legendär sind die Wetten des Duos um Fallschirmsprünge, Achterbahnfahrten und Tanzkurse. Die beiden verstehen sich blind, die große Vertrauensbasis ist deutlich spürbar. Kein Wunder, bereits als Juniorin hatte der ehemalige Verbandstrainer aus Schleswig-Holstein Kerber auf der Profitour begleitet. „Sie war ein Ausnahmetalent, ich war schon damals beeindruckt von ihrem Spiel“, erzählt Beltz. Der Vater von zwei Töchtern aus Itzehoe, der selbst den Sprung auf die ATP-Tour nicht geschafft hat, führte Kerber in die Weltspitze.

Bewährtes statt Starcoach

Trotzdem kam es 2014 dann zur zwischenzeitlichen Trennung. „Wir wollten beide mal etwas anderes ausprobieren“, sagt Beltz. Kerber reiste fortan mit ihrem neuen Trainer Benjamin Ebrahimzadeh um die Welt, einem Motivationskünstler mit recht deutlicher Ansprache, der so ganz anders zu Werke ging als Beltz. Nach ihrer Niederlagenserie im Frühjahr 2015 trennte sich Kerber dann von Ebrahimzadeh, der mittlerweile für Serena-Williams-Trainer Patrick Mouratoglou in dessen Akademie in Nizza arbeitet.  Während einige Kerber zur Verpflichtung eines ausländischen Starcoaches rieten, setzte die Linkshänderin passend zu ihrem Naturell auf Bewährtes - sie kehrte zu Beltz zurück.

„Damals habe ich Torben angerufen und gesagt: Du musst mir helfen“. Und Torben half. „Er ist der positivste Mensch, den ich kenne“, sagt sie.  Vor dieser Saison hatten sie sich zusammengesetzt und die Ziele festgelegt. Es sollte 2016 bei den großen Turnieren endlich „krachen“, wie es Kerber formulierte. In Melbourne hat es gewaltig gekracht, danach auch in Wimbledon, wo sie im Finale gegen Branchenführerin Serena Williams (USA) unterlag, aber wieder Anerkennung und Sympathien gewann. Das spürt auch Beltz, der sich immer öfter mit Rauschebart herumläuft.

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