Tennis

Mitten ins Auge – Martina Hingis schießt Andrea Hlavackova beim Matchball ab

SID
© (c) Twitter

Martina Hingis und Timea Bacsinszky spielen überraschend um die Goldmedaille, nachdem es im Halbfinale beim Matchball zu einem Aufreger kam, der die Partie drehte.

Martina Hingis und Timea Bacsinszky spielen beim olympischen Tennisturnier in Rio de Janeiro um die Goldmedaille. Dass es dazu überhaupt gekommen ist, liegt zum einen an einer Energieleistung der Schweizerinnen, zum anderen an etwas Glück. Hingis und Bacsinszky besiegten im Halbfinale die Tschechinnen Lucie Hradecka und Andrea Hlavackova nach 2:42 Stunden mit 5:7, 7:6 (3), 6:2. Die Schweizerinnen lagen im zweiten Satz bereits mit 0:3 und Doppelbreak zurück und hatten bei 4:5-Rückstand und Aufschlag der Tschechinnen insgesamt zwei Matchbälle gegen sich. Den ersten wehrte Hingis mit einem Volley ab.

„Martina tat nur, was sie zu tun hatte”

Wenig später kam es zum zweiten Matchball, der die Partie drehen sollte. Wieder ging Hingis am Netz dazwischen und traf Hlavackova dabei voll im Gesicht. Die 30-Jährige sackte vor Schmerz zu Boden und wurde sieben Minuten lang behandelt, Mit einem Eisbeutel kühlte Hlavackova die getroffene Stelle oberhalb des linken Auges mit Eis. „Der Ball ging direkt ins Auge. Es schmerzte sehr stark, und ich hatte Angst, mein Auge zu öffnen, deshalb blieb ich liegen. Ich habe danach etwa zwanzig Minuten, bis zum Ende des Tiebreaks, doppelt gesehen. Stellen Sie sich vor, wie hart das ist, wenn man Doppel spielt und reagieren muss. Es war sehr unglücklich, aber es muss wohl in den Sternen gestanden haben. Eine solche Story könnte ich ja nie erfinden“, sagte die Tschechin hinterher.

Der Abschuss drehte die Partie zugunsten von Hingis und Bacsinszky. Zwar war Hlavackova im dritten Satz wieder bei Kräften und das Publikum auf der Seite der Tschechinnen, doch mental konnte sie nicht mehr mithalten, sodass die Schweizerinnen nun um die Goldmedaille spielen. Einen Vorwurf machte Hlavackova der Nummer eins der Doppelweltrangliste nicht. „Martina ist eine sehr erfahrene und starke Spielerin. Sie ging mit beiden Matchbällen sehr aggressiv um. Beim zweiten hatte sie einen einfachen Volley und tat nur, was sie zu tun hatte. Ich hätte es auch so gemacht. Es war unglücklich, dass es direkt mein Auge traf.“

„So ein Treffer kann im Doppel passieren”

Hingis war sich nach dem Abschuss keiner Schuld bewusst. „Ich hatte vor, den Ball in ihre Richtung zu spielen. Sie hätte damit rechnen müssen, drehte sich aber nicht ab. So ein Treffer kann im Doppel passieren. Und der Ball flog höher als gewollt.“ Die 35-Jährige freute sich mit Bacsinszky ausgelassen über die sichere olympische Medaille, die in ihrer Karriere noch fehlt. „Ich habe in den letzten Jahren kaum Tennis gespielt und ein bisschen gecoacht, dann komme ich zurück, gewinne Grand-Slam-Titel und hier eine Medaille – unglaublich“, sagte Hingis, die eigentlich mit Belinda Bencic im Doppel antreten sollte.

Bacsinszky sprang als Notnagel ein und darf nun ebenfalls von der Goldmedaille träumen. „Nicht mal meine Mutter hätte einen Penny auf uns gesetzt“, scherzte Hingis. „Ich hätte nie im Leben gedacht, dass ich eine Olympia-Medaille hole. Noch weniger, als dass ich einmal ein Grand-Slam-Halbfinal erreiche. Ich weine jetzt nur nicht, weil ich vorher schon etwa fünfmal geweint habe“, freute sich Bacsinszky. Im Finale am Sonntag geht es gegen die eingespielten Russinnen Ekaterina Makarova und Elena Vesnina, die als Favoritinnen ins Match gehen. „Vor einer Woche rechneten wir überhaupt nicht damit, nun haben wir Silber auf sicher. Es ist durchaus möglich, dass wir das Finale verlieren. Ich denke es aber nicht. Dafür läuft es uns zu gut”, blickte Bacsinszky voraus.

Hier die Damen-Ergebnisse vom olympischen Tennisturnier in Rio de Janeiro: Damen-Einzel, Damen-Doppel .

Hier der Spielplan.

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