Wimbledon

Nicola Kuhn – „Juan Carlos Ferrero spielt immer noch wie eine Nummer 1“

SID
Mittwoch, 06.07.2016 | 07:37 Uhr
NICOLA KUHN (GER) Junior Boys Tennis - Wimbledon 2016 - Grand Slam ITF / ATP / WTA - AELTC - London - - Great Britain - 5 July 2016.
© Juergen Hasenkopf
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Der Spanier mit deutschen Wurzeln im Interview mit tennisnet.com.

Von Jens Huiber aus London

"Englisch oder Deutsch?": Nicola Kuhn könnte darüber hinaus noch mit Spanisch dienen, der Sprache jenes Landes, in dem er seit seiner frühesten Kindheit lebt, trainiert und für das er nunmehr auch bei Tennisturnieren antritt. Kuhn hat eben sein Zweitrunden-Spiel gegen Félix Auger-Aliassime verloren, speziell der erste Satz hätte auch in seine Richtung kippen können. Auger-Aliassime gilt ein erhöhtes Maß an Aufmerksamkeit der Tennis-Auguren, Nicola Kuhn nur unwesentlich weniger. Das Interview mit tennisnet.com findet in, natürlich makellosem, Deutsch statt.

tennisnet.com : Nicola. Du hast eben ganz knapp gegen Félix verloren. Was hat für dich den Ausschlag gegeben?

Nicola Kuhn: Ich habe im ersten Satz eigentlich ganz gut aufgeschlagen, beim Return habe ich meine Chancen leider überhaupt nicht genutzt. Ich hätte die Bälle sicherer reinspielen müssen, nicht so schnell auf den Punkt gehen. Und die entscheidenden Punkte hat Félix einfach besser gespielt.

Wie schwer war die Vorbereitung auf das Wimbledon-Turnier für euch Junioren?

Ich habe in Roehampton ein paar gute Matches gespielt, aber der Rasen dort ist ganz anders als der in Wimbledon. Hier spielt es sich viel schneller. Ich habe davor noch nie auf Rasen gespielt. In Spanien haben wir außer in Mallorca, wo es seit diesem Jahr das WTA-Turnier gibt, keine Rasenplätze.

Du trainierst in der Akademie des ehemaligen Weltranglisten-Ersten Juan Carlos Ferrero . Wie sehen die Voraussetzungen dort aus?

Wir haben einen Kunstrasen-Platz, zehn Hartplätze, zehn Sandplätze und einen Indoor-Court. Für die Vorbereitung auf Wimbledon musste ich auf Kunstrasen spielen, das war natürlich nicht optimal.

Beim Match gegen Auger-Aliassime ist auch Max Eisenbud, der Manager von Maria Sharapova , im Publikum gewesen. Hast du das bemerkt und was zeigt dir das?

Das bedeutet für mich keinen zusätzlichen Druck. Wenn jemand wie Max sich meine Spiele ansieht, dann heißt das für mich, dass ich schon etwas richtig gemacht habe. Das ist eine zusätzliche Motivation.

Die Juniorenturniere sind das eine, der Übergang zu den Profis das andere. Wie sieht in dieser Hinsicht dein Plan aus?

Mein Ziel ist erst mal, dass ich in der Junioren-Weltrangliste so weit als möglich nach oben komme. Ich möchte hauptsächlich die Grand Slams spielen, aber das erfolgt natürlich in Absprache mit meinem Team. Juan Carlos Ferrero nimmt da auch Einfluss drauf. Ich möchte sicherlich schon bald mehr Futures spielen. Und im August habe ich eine Wildcard für den Hauptbewerb für den Challenger in Meerbusch bekommen.

Wie sieht die Zusammenarbeit mit Ferrero aus?

Juan Carlos ist fast immer zuhause, er lebt ja in der Akademie. Wenn wir beide da sind, kommt er regelmäßig bei mir beim Training vorbei und trainiert mit mir.

Kann er dein Tempo noch mitspielen?

Klar. Juan Carlos kann vielleicht drei Monate nicht spielen, aber dann, wenn er gegen dich auf den Platz geht, gewinnt er plötzlich 6:3. Und du denkst dir: "Was ist denn da los? Der hat doch drei Monate nicht gespielt!" Er wird immer eine Nummer eins bleiben, das steht völlig außer Frage.

Wie siehst du denn deinen Entwicklungsstand, vor allem auch körperlich?

Nun, man hat heute gesehen, dass Félix zum Beispiel schon viel weiter, kräftiger ist als ich. Er ist eigentlich schon ausgewachsen. Sein erster Aufschlag ist eine Bombe! Bei mir sind noch mindestens fünf Zentimeter Wachstum drin. Und das spüre ich auch in den Knien. Dazu habe ich noch kleine Risse in den Knochen in den Füßen. Ich wache noch oft mit Schmerzen auf. Die Kapsel in meiner Schulter ist auch noch nicht ganz zugewachsen, deswegen kann ich nicht zwei Sätze mit voller Power aufschlagen. Da muss ich dann auf Quote spielen.

Die Zuseher hat vor allem auch dein unheimlicher Biss auf dem Court beeindruckt. Gibt es aber auch Zeiten, wo du ganz wenig Lust auf Tennis hast?

Das ist einer meiner Vorzüge. Ich spiele vom ersten bis zum letzten Punkt voll durch, auch wenn ich 0:6, 0:5 zurückliege. Natürlich gibt es Tage wie heute, wo es nicht so gut läuft. Wo ich ja auch in Madrid gezeigt habe, dass ich gewinnen kann. Da kann es schon sein, dass man denkt: "Lasst mich in Ruhe, ich möchte jetzt eine Woche Ferien haben." Aber das ist nicht mein Ansatz. Ich muss jetzt weiter trainieren, Pause kann ich dann am Ende des Saison machen.

Eines noch: Welche Spieler haben dich geprägt, wen würdest du als Vorbild bezeichnen?

Auf jeden Fall Roger Federer. Nicht, weil ich so spielen würde wie er, das geht gar nicht. Roger ist einmalig. Aber so wie er auf den Platz geht, sein Auftreten, seine Ruhe. Ich finde, wenn man Tennis spielt, dann sollte man ruhig sein, nicht so ein großes Spektakel machen, wenn man einen Punkt gewonnen oder verloren hat. Und jetzt ist es auch Novak Djokovic. Vor allem wegen seiner Mentalität - aber auch wegen seiner Spielanlage. Die ist meiner sehr ähnlich.

Das Gespräch führte Jens Huiber.

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