Juniorin mit 8 Fingern will die Beste der Welt werden

SID
Donnerstag, 07.07.2016 | 14:35 Uhr
Francesca Jones – Wimbledon 2016
© (c) Twitter

Der 15-jährigen Britin Francesca Jones fehlen seit ihrer Geburt mehrere Finger und Zehen. Trotz schwerem Schicksal will sie hoch hinaus.

In Wimbledon wird dieser Tage nicht nur großes Rasentennis zelebriert, sondern auch viel genörgelt und gemeckert. Mal waren die Schiedsrichter schuld , dann wieder die Regenunterbrechungen zu lang oder das Licht zu flach - Grund zur Beschwerde gab es reichlich. Francesca Jones dürfte über diese Probleme und Problemchen nur müde lächeln. Die junge Britin hat gelernt, mit echten Widerständen fertig zu werden und schaffte es trotz eines schweren Schicksals bis ins Juniorinnen-Turnier in Wimbledon.

Beim Festkrallen des Schlägers reißen oft die Fingernägel

Jones wurde mit dem seltenen EEC-Syndrom geboren, einer genetischen Störung, die die Entwicklung von Fingern und Zehen behindert. An beiden Händen fehlt ihr je ein Finger, die rechte Hand ist kleiner gewachsen als die linke. Zudem wurde sie nur mit drei Zehen am rechten Fuß geboren, wodurch es ihr schwer fällt, die Balance zu halten. Trotzdem gehört Jones zu den größten Nachwuchstalenten im Vereinigten Königreich und qualifizierte sich für die zweite Runde der Juniorinnen-Doppelkonkurrenz an der Church Road. Auch im Einzel erreichte die Nummer 89 im ITF-Jugendranking Runde zwei, scheiterte aber an der fünftgesetzten US-Amerikanerin Kayla Day . Die ehrgeizige junge Dame aus Bradford ärgerte sich fürchterlich darüber. Dass sie es aber überhaupt unter die besten Tennis-Teenagerinnen der Welt geschafft hat, kommt einem Wunder gleich.

Mit ihrer kleinwüchsigen rechten Hand krallt sie den Schläger so fest, dass ihr oft die Fingernägel reißen. Durch die fehlenden Zehen verliert Jones auch immer wieder das Gleichgewicht und taumelt über den Platz. Alleine im vergangenen Jahr musste sie sich dreimal an den Handgelenken operieren lassen, um überhaupt weiter spielen zu können. "Das würde ich immer wieder tun, wenn es nötig ist", sagte die tapfere Engländerin dem "Guardian". Seit ihrer Kindheit musste Jones zahlreiche Operationen überstehen, ließ sich davon aber nie aus der Bahn werfen. Im vergangenen Jahr wollte sie bereits in Wimbledon an den Start gehen, wurde davon aber durch einen ihrer zig Krankenhaus-Aufenthalte abgehalten.

"Manchmal bin ich sogar froh, dass ich die Krankheit habe"

Als Kind musste sich das bewundernswerte Mädchen so einiges anhören. Zu dick soll sie gewesen sein, auch den Schläger könne sie nicht richtig halten. Die Teenagerin hat sich ein dickes Fell zugelegt, besuchte schon im Alter von neun Jahren eine Tennisakademie in Barcelona und biss sich durch. "Ich kam an einen Punkt, wo ich dachte, dass ich den Menschen beweisen kann, dass Willenskraft und Entschlossenheit alles im Leben ist", sagt sie mit Genugtuung: "Ich bin jetzt da, wo ich immer sein wollte. Ich bin noch nicht am Ende. Ich denke aber, dass ich es fürs Erste jetzt allen bewiesen habe." In gewisser Weise habe ihr die Krankheit sogar geholfen, um die Person zu werden, die sie heute ist. Nächstes Jahr will Jones wieder in Wimbledon antreten, doch damit nicht genug: "Ich will die Beste der Welt werden. Wimbledon zu gewinnen, steht ganz oben auf meiner Liste." Von Nebensächlichkeiten und Lappalien wird sich Francesca Jones dabei wohl kaum stoppen lassen. Eine Einstellung, die auch so manchem Nörgler in London SW 19 gut zu Gesicht stehen würde.

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