Tennis

10 denkwürdige Damen-Matches bei den Olympischen Spielen

LONDON, ENGLAND - AUGUST 05: Gold medalists Serena Williams of the United States and Venus Williams of the United States celebrate during the medal ceremony for the Women's Doubles Tennis on Day 9 of the London 2012 Olympic Games at the All England ...
© Clive Brunskill

Diese zehn Partien bei den Damen kreierten große Schlagzeilen bei den Olympischen Spielen.

Tennis war eine der neun ursprünglichen olympischen Sportarten in Athen 1896, gemeinsam mit der Leichtathletik, Radfahren, Fechten, Gymnastik, Schießen, Schwimmen, Gewichtheben und Ringen. Nach den Olympischen Spielen 1924 wurde Tennis aus dem Programm gestrichen. Nachdem es im Jahr 1968 sowie 1984 einen Demonstrationswettbewerb gab, ist Tennis seit 1988 wieder olympisch und aus dem Programm nicht mehr wegzudenken. Seitdem gab es zahlreiche denkwürdige Matches und Momente bei Olympia. Vor Turnierbeginn in Rio de Janeiro blicken wir zurück auf zehn Partien bei den Damen, die Geschichte geschrieben haben.

1988 in Seoul: Steffi Graf - Gabriela Sabatini 6:3, 6:3

Nach langer Pause zählte Tennis im Jahr 1988 wieder zu den olympischen Sportarten. Und in Seoul gab es auch gleich einen Knalleffekt - einen Moment, der bis heute einmalig ist im Tennissport. Steffi Graf vergoldete am 1. Oktober 1988 ihren Kalender-Grand-Slam mit dem Gewinn der olympischen Goldmedaille. Der Begriff Golden Slam war geboren. Vier Jahre zuvor nahm Graf als 15-Jährige an den Olympischen Spielen in Los Angeles teil, als Tennis eine Demonstrationssportart war und auf seine Tauglichkeit getestet wurde. Graf gewann die Konkurrenz, wo nur U21-Spielerinnen teilnehmen durften. Eine Goldmedaille gab es dafür jedoch nicht. Diese Medaille wollte sich die Deutsche nun in Seoul holen. Doch der olympische Traum drohte im Viertelfinale zu platzen. Gegen Larissa Savchenko aus der Sowjetunion lief es bei Graf gar nicht rund. Plötzlich fand sie sich im dritten Satz mit einem 1:3-Rückstand wieder. Mit unbändigem Willen befreite sie sich aus der bedrohlichen Situation und gewann den Entscheidungssatz mit 6:3. Anschließend zog Graf hatte danach ihren Turbo-Modus wieder gefunden. Im Halbfinale ließ sie der US-Amerikanerin Zina Garrison nur zwei Spielgewinne. Im Endspiel gab es dann ein Wiedersehen mit Gabriela Sabatini, die sie im Finale bei den US Open bei der Vollendung der Kalender-Grand-Slams bezwungen hatte. Graf machte es nicht unnötig spannend und holte sich schließlich mit einem krachenden Vorhand-Return die historische Goldmedaille. "Ich bin sehr begeistert. Das ist etwas, was nicht viele Leute nach mir erreichen werden. Es ist fantastisch", freute sich "Fräulein Vorhand". Besonderen Stellenwert hat für Graf die olympische Goldmedaille, wie sie vor den Olympischen Spielen 2012 zugab. "Die Goldmedaille bei Olympia zu gewinnen, ist eine andere Erfahrung, als ein Grand Slam zu gewinnen. Und ich muss sagen, dass ich das etwas höher bewerte. Ich tue das wirklich. Das Gefühl, für dein Land zu spielen, die Kameradschaft, all diese verschiedenen Sportarten - es fühlt sich spezieller an." Bislang konnte kein Spieler oder Spielerin das Golden-Slam-Kunststück wiederholen. Ob diese Leistung von Graf einzigartig bleiben wird, wird wie immer die Zeit zeigen. Sicher ist, dass es nur alle vier Jahre die Chance auf den Golden Slam gibt.

1988 in Seoul: Jana Novotna/Helena Sukova - Steffi Graf/Claudia Kohde-Kilsch 7:5, 6:3

Mittlerweile nehmen 32 Doppel an den Olympischen Spielen teil. In Seoul im Jahr 1988 waren bei den Damen nur 14 Doppel am Start. Die beiden topgesetzten Duos hatten dabei ein Freilos zum Auftakt, darunter Steffi Graf und Claudia Kohde-Kilsch. Und so brauchten die beiden Deutschen nur ihr Viertelfinale zu gewinnen, um eine Medaille zu ergattern, da es bis 1992 kein Spiel um die Bronzemedaille gab und zweimal Edelmetall verliehen wurde. Graf/Kohde-Kilsch gewannen ihr Viertelfinale und hatten so bereits die Bronzemedaille sicher. Für mehr reichte es jedoch nicht, die beiden verloren im Halbfinale gegen Jana Novotna und Helena Sukova. Um dieses Match sind später Legenden entstanden. Kohde-Kilsch erzählte im Jahr 2012 der "Süddeutschen Zeitung", dass Peter Graf nach der Niederlage ihrem Stiefvater angeblich erzählt habe, dass Steffi mit Absicht schlecht gespielt habe. Kurz darauf im Gespräch mit tennisnet.com äußerte sich Kohde-Kilsch wie folgt. "Ich habe nur beschrieben, was mein Stiefvater mir damals erzählt hat, was Peter Graf nach dem Match zu ihm gesagt hatte. Ich habe das nicht bewertet. Ich glaube nicht, dass mein Stiefvater sich das aus den Fingern gesaugt hat. Ich wollte damit nur darstellen, wie Peter Graf ist. Steffi würde nie mit Absicht verlieren. Ich würde jetzt auch nie etwas Schlechtes über Steffi sagen."

1992 in Barcelona: Jennifer Capriati - Steffi Graf 3:6, 6:3, 6:4

Nach Seoul war Steffi Graf auch in Barcelona die große Favoritin auf Gold, nachdem die Nummer eins der Welt, Monica Seles, bereits ein knappes Jahr vorher von der ITF für das olympische Tennisturnier gesperrt wurde, weil sie für eine Fed-Cup-Partie kurzfristig absagte, kurz zuvor aber einen Schaukampf bestritt. Auch Gabriela Sabatini und Martina Navratilova durften in Barcelona nicht antreten, weil sie sich nicht für den Fed Cup zur Verfügung gestellt hatten. Und so sah alles danach aus, dass Graf ihre zweite Goldmedaille gewinnen würde. Mit nur 15 Spielverlusten in fünf Matches zog die Deutsche mehr als souverän ins Finale ein. Dort wartete Jennifer Capriati, zum damaligen Zeitpunkt 16 Jahre und 132 Tage alt. Die US-Amerikanerin stand vor dem Endspiel bereits als jüngste Medaillengewinnerin im Tennis fest. Und tatsächlich: Capriati schaffte die Sensation und besiegte die klare Favoritin in einem packenden Match. "Es war so emotional. Das ist unglaublich, ich kann es nicht glauben. Die letzten zwei Wochen habe ich all die anderen Athleten dort oben auf dem Siegertreppchen gesehen und mir gedacht: ‚Wow, das wäre so cool'." Für Capriati war der einzige Sieg gegen Graf in elf Duellen der vorläufige Karriere-Höhepunkt. Das "Wunderkind" stürzte in der Folgezeit ab, kam mit dem Gesetzt in Konflikt und schaffte dann Jahre später ein Fabel-Comeback mit dem Sturm zur Nummer eins der Welt.

1996 in Atlanta: Jana Novotna - Monica Seles 7:5, 3:6, 8:6

Nachdem Monica Seles 1992 in Barcelona nicht für Jugoslawien antreten durfte, sollte es 1996 in Atlanta mit einer olympischen Medaille klappen - nun als US-Staatsbürgerin. Seles führte die Setzliste an und traf im Viertelfinale auf Jana Novotna, die nach den vielen Niederlagen nach klaren Führungen, unter anderem gegen Steffi Graf im Wimbledonfinale 1993 und bei den French Open 1995, als sie gegen Chanda Rubin im dritten Satz mit 5:0, 40:0 führte, den Ruf einer "Chokerin" hatte. Doch diesmal war es Seles, die einen sicher geglaubten Sieg aus der Hand gab. Die US-Amerikanerin führte sowohl in Satz eins als auch in Satz drei jeweils mit 5:3 und verlor das Match. "All diese Kommentare von einigen von euch, dass ich zum Ende mental nicht stark genug bin, das habe ich heute nicht bewiesen, sondern bereits in der Vergangenheit. Heute habe ich gegen jeden im Stadion gespielt in Seles' Heimatland sowie bei einer Gelegenheit wie heute, wo du in der Nähe einer Medaille bist. Ich finde, das ist ziemlich mutig", sagte Novotna. Die Tschechin verlor zwar im Halbfinale, gewann aber das Match um die Bronzemedaille.

1996 in Atlanta: Lindsay Davenport - Arantxa Sanchez Vicario 7:6 (8), 6:2

Lindsay Davenport musste sich in ihrer Karriere viel anhören und gefallen lassen. Aufgrund ihrer Größe, der kräftigen Statur und ihres zeitweise hohen Übergewichts wurde die US-Amerikanerin mit Spitznamen wie "Elefantenbaby" und "Tennis-Klops" tituliert. Doch Davenport ließ viel öfter ihren Schläger sprechen, als mit Worten zu glänzen. Bei den Olympischen Spielen 1996 in Atlanta gelang ihr der ganz große Durchbruch, als sie recht überraschend die Goldmedaille gewann. Steffi Graf musste auf die Teilnahme verzichten, Monica Seles schied im Viertelfinale aus. Und so nutzte die damals 20-Jährige Davenport die große Stunde und gewann mit dem Heimpublikum im Rücken Olympiagold. Trotz ihres Wimbledonsiegs im Jahr 1999 bezeichnete Davenport den Olympiasieg als den "größten Moment in meiner Karriere".

2004 in Athen: Justine Henin - Anastasia Myskina 7:5, 5:7, 8:6

Justine Henin ging in Athen zwar als Nummer eins der Welt ins olympische Tennisturnier, doch mit sehr vielen Fragezeichen. Die Belgierin hatte nach der Zweitrunden-Niederlage bei den French Open wegen eines viralen Infektes kein Match mehr bestreiten können. Umso erstaunlicher ist es, wie sich Henin nach knapp dreimonatiger Pause präsentierte. Die Belgierin zog souverän ins Halbfinale ein und schaffte dort gegen die Russin Anastasia Myskina eines der größten Comebacks der Olympia-Geschichte. Myskina führte im dritten Satz zwar mit 5:1, doch nach knapp drei Stunden Spielzeit triumphierte Henin, zog ins Finale ein und holte sich im Endspiel gegen Amélie Mauresmo die unerwartete Goldmedaille. "Der Zustand der Depression ist für euch schwer vorzustellen, den ich durchgemacht habe. Ich habe begriffen, wie glücklich ich sein kann, dass ich wieder auf dem Platz bin. Daher bin ich sehr glücklich, dass ich die Chance hatte, hundert Prozent zu geben", sagte Henin.

2004 in Athen: Li Ting/Sun Tiantin - Conchita Martinez/Virginia Ruano Pascual 6:3, 6:3

Hand hoch, wer mit den Namen Li Ting und Sun Tiantian ohne lange nachzudenken etwas anfangen kann! Die beiden Chinesinnen sind tatsächlich Olympiasiegerinnen und in ihrem Heimatland seit den Olympischen Spielen in Athen mit Sicherheit Nationalheldinnen. Li Ting und Sun Tiantian gewannen zwar einige Doppeltitel, kamen aber bei den Grand Slams nie über das Viertelfinale hinaus. Und so war es umso sensationeller, dass die beiden mit der Goldmedaille im Gepäck aus Athen abreisten. Die beiden Chinesinnen besiegten auf dem Weg zum Olympiasieg die damaligen zwei Nummer-eins-Spielerinnen, zunächst im Halbfinale Paola Suarez mit ihrer Partnerin Patricia Tarabini und dann im Endspiel Virginia Ruano Pascual mit ihrer Partnerin Conchita Martinez.

2008 in Peking: Elena Dementieva - Dinara Safina 3:6, 7:5, 6:2

Elena Dementieva war stets die ewige Zweite im Damentennis. Die Russin spielte zwar immer um die großen Titel mit, doch den letzten Schritt konnte sie meist nicht machen. So auch bei den Olympischen Spielen 2000 in Sydney, als Dementieva mit 18 Jahren und 349 Tagen überraschend ins Endspiel einzog, dort aber gegen Venus Williams verlor. Acht Jahre später in Peking schlug endlich die große Stunde der charismatischen Russin. Dementieva holte sich die Goldmedaille - und das völlig verdient. Im Achtelfinale besiegte sie Caroline Wozniacki, im Viertelfinale schaltete sie Serena Williams aus, im Halbfinale bezwang sie Vera Zvonareva. Nachdem Zvonareva danach die Bronzemedaille gewann, stand bereits fest, dass alle drei Medaillen nach Russland gehen würden, weil es im Endspiel zum russischen Duell zwischen Dementieva und Safina kam - die zwei erfolgreichsten Spielerinnen, die nie ein Grand-Slam-Turnier gewinnen konnten. "Ich habe nie eine Medaille erwartet. Es ist unglaublich. Für mich ist das der beste Moment meiner Karriere. Ich werde es nie vergessen. Ich träumen von diesem Moment, seitdem ich acht Jahre alt bin", sagte Dementieva. Kurios war das Finale. Nicht Dementieva, die bekannt für ihre vielen Doppelfehler war, leistete sich zahlreiche Aussetzer beim Aufschlag, sondern Safina, die 17 Doppelfehler servierte.

2012 in London: Serena Williams - Maria Sharapova 6:0, 6:1

Die Lieblingsspeise von Serena Williams? Maria Sharapova. Kommt es zum Match gegen die Russin, läuft Williams zur Hochform auf. Die US-Amerikanerin hat mittlerweile 18-mal in Folge gegen Sharapova gewonnen. Besonders übel wurde es für die Russin im olympischen Finale 2012 in Wimbledon, als Williams mit einer Gala-Leistung beinahe mit einem "Double Bagel" die Goldmedaille errang. Das Historische dabei: Williams wurde die erste Spielerin, die alle Grand-Slam-Turniere im Einzel und Doppel sowie Gold bei Olympia im Einzel und Doppel gewann. Der Begriff "Double Career Golden Slam" war geboren - vielleicht eine Leistung für die Ewigkeit. Sharapova hatte nach der empfindlichen Niederlage trotzdem etwas in den Händen, und zwar die Silbermedaille. So gut wie bei den Olympischen Spielen 2012 hat Williams selten gespielt. In sechs Matches gab sie nur 17 Spiele ab. Keine Spielerin hat eine Goldmedaille nicht annährend so beeindruckend gewonnen wie die US-Amerikanerin. Auf dem Weg zum Olympiasieg fertigte sie neben Sharapova noch drei weitere ehemalige Weltranglisten-Erste ab, Jelena Jankovic (6:3, 6:1), Caroline Wozniacki (6:0, 6:3) und Victoria Azarenka (6:1, 6:2). Ihr zwei weiteren Opfer: Vera Zvonareva (6:0, 6:1) und Urszula Radwanska (6:2, 6:3). Und auch im Doppel war Williams nicht zu bremsen. Mit ihrer Schwester Venus gewann sie ebenfalls ohne Satzverlust nach 2000 und 2008 zum dritten Mal die Goldmedaille. Folgt in Rio de Janeiro nun der nächste Gold-Doppelschlag der Serena Williams?

2012 in London: Serena Williams/Venus Williams - Andrea Hlavackova/Lucie Hradecka 6:4, 6:4

Eine Goldmedaille bei Olympia zu gewinnen ist immer etwas Besonders, weil man nur alle vier Jahre die Möglichkeit dazu hat. Serena und Venus Williams sind die mit Abstand erfolgreichsten Goldjäger im Tennis. Beide sind nicht nur im Einzel mit Gold dekoriert, sondern auch im Doppel - und das sogar dreimal. 2012 auf dem "Heiligen Rasen" in Wimbledon folgte der dritte Streich der Williams-Schwestern nach 2000 und 2008 - ohne Satzverlust. Wahrscheinlich wären die beiden auch 2004 in Athen Olympiasiegerinnen geworden, wenn Serena nicht kurzfristig hätte passen müssen. Die Williams-Schwestern sind das erfolgreichste Duo der Tennisgeschichte. Alle 14-Grand-Slam-Endspiele haben sie gewonnen. Bei solch einer Dominanz scheint in Rio de Janeiro die vierte Goldmedaille nur Formsache zu sein.

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