Tennis

Günter Bresnik – Der Beste seiner Zunft?

SID
Dominic Thiem Trainer Guenter Bresnik sitzt auf der Tribuene,Portrait Tennis - US Open 2015 - Grand Slam ITF / ATP / WTA - Flushing Meadows - New York - New York - USA - 3 September 2015.
© Juergen Hasenkopf

Der Coach von Dominic Thiem kann auf einen beeindruckenden Erfolgslauf verweisen.

Unbestechlich sind am Ende nur die Ergebnislisten: Wer die meisten Punkte gesammelt, die schnellste Zeit gesetzt, die meisten Tore geschossen hat, der darf sich zurecht als der oder die Beste seiner oder ihrer Zunft fühlen. Wie viel Glanz der sportlichen Leistung auf die begleitenden Coaches abfällt, hängt vom Standpunkt des Betrachters ab: Pep Guardiola hat mit dem FC Bayern national alles und mehrmals gewonnen, einigen Deutern des Fußballsports war das dennoch zu wenig, schließlich ist die Champions League die Königsklasse dieser Disziplin.

Ion Tiriac, bis vor wenigen Jahren der große Zampano im professionellen Tennis, hat nun vor ein paar Wochen einen anderen Mann zum „besten Trainer der Welt“ gekürt, in einem TV-Interview, so ganz nebenbei, als ob es ohnehin für alle, die mit der Materie vertraut sind, sonnenklar wäre: Günter Bresnik. Der 55-jährige Niederösterreicher hat indes bekanntermaßen mit Fußball nichts am Hut, mit Ausnahme seiner Zeit als Davis-Cup-Kapitän kümmert sich Bresnik ausschließlich darum, dass seine Schützlinge in der Tennis-Weltrangliste so weit wie möglich nach oben kommen.

Die Zahl 99 ist zur Bewertung dieses Vorhabens ein guter Anhaltspunkt, ein einstelliges Ranking ist der erste Meilenstein auf dem Weg ganz nach oben in den Tennisolymp. 27 Spieler hat Bresnik unter den Top 100 platziert, als letzten Dominic Thiem unter die besten zehn Profis der Welt, mit Boris Becker war Bresnik Mitte der 1990er-Jahre sogar ganz nach oben gelangt.

Die „Bresnik-Schule“

„Günter ist der perfekte Trainer für mich“, gab Thiem im Frühjahr in München zu Protokoll, aus seiner Sicht und vor allem für ihn gäbe es keinen besseren auf der Tour. Ernests Gulbis hat darüber auch Auskunft gegeben, 2015 in Roland Garros war das, als der Lette einigermaßen zerknirscht wieder in die Obhut von Bresnik zurückgekehrt war. Der Starcoach habe ein Auge für die technischen Feinheiten des Tennissports wie kaum ein anderer, wisse darüber hinaus genau, wie etwaige Schwächen zu beheben seien. Die „Bresnik-Schule“ halt, die auch von internationalen Fachleuten, wie dem deutschen Davis-Cup-Teamchef Michael Kohlmann, als solche erkannt wird.

Vor allem der Durchschwung bei der Vorhand sei es, der die Spieler von Bresnik auszeichne, erklärte Kohlmann während des Endspiels der BMW Open zwischen Philipp Kohlschreiber und Dominic Thiem. Bresnik selbst spricht von der Tennis-DNA, die er etwa beim österreichischen Top-Ten-Mann erkennen möchte. An der er hart gearbeitet hat, wie er in Wimbledon gegenüber dem „Wall Street Journal“ bekundete. Auch gegen Widerstände.

Wider die Unkenrufe

„Alle haben gesagt, ich wäre dumm und Dominics Eltern Idioten“, wird Bresnik zitiert. Weil er schon in frühen Phasen erkannt hat, dass Thiem mit einer einhändigen Rückhand besser gedient ist, er deshalb dem damals überlegenen Jugendspieler Österreichs nahelegte, nicht mehr beidhändig zu spielen. Wobei „Nahelegen“ die Unabdingbarkeit des Stilwechsels wohl nur unzutreffend beschreibt.

„Günter ist ein fantastischer Coach, der wie wir alle natürlich mit der Zeit gehen muss“, sagte in Wimbledon schließlich einer, der gefühlt schon ein Jahrhundert lang mit der Zeit geht: Nick Bollettieri, die braungebrannte Eminenz des US-amerikanischen Tennis, Entdecker und Förderer etwa von Andre Agassi. Günter Bresnik geht mit der Zeit, genauso wie Pep Guardiola. Der eine Woche für Woche auf einer anderen Tour-Station, der andere bis auf weiteres in Manchester. An künftigen Erfolgen ist nicht zu zweifeln. Wie es sich für die besten Trainer gehört.

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