Tennis

Zurück in die Zukunft - Sabine Lisicki setzt auf Familienrat

SID
MADRID, SPAIN - MAY 03: Sabine Lisicki of Germany stretches to play a backhand against Carla Suarez Navarro of Spain in their second round match during day four of the Mutua Madrid Open tennis tournament at the Caja Magica on May 03, 2016 in Madrid,...
© Clive Brunskill

Christopher Kas beendet den Trainerjob bei der ehemaligen Wimbledon-Finalistin.

Am letzten Donnerstag verschickte Sabine Lisicki via Twitter eine fröhliche Grußbotschaft an alle Väter „da draußen“ heraus, fügte dann aber noch hinzu: „Speziell an meinen.“ Der Glückwunsch hatte tatsächlich auch noch einen anderen persönlichen Hintergrund: Denn Dr. Richard Lisicki, der Vater der einstigen Wimbledon-Finalistin, kümmert sich nach Informationen aus dem familiären Umfeld ab sofort wieder verstärkt um die Belange seiner sportlich kriselnden Tochter. Knapp drei Jahre nach dem Einzug ins Endspiel der All England Lawn Tennis Champions lautet das Motto bei den Lisickis also erst einmal: Zurück in die Zukunft, zurück zu den Zeiten, da Daddy Lisicki zuallererst für Trainingsarbeit und Wettkampfvorbereitung zuständig war.

Getrennt haben sich unterdessen die Wege von Lisicki und Ex-Tourspieler Christopher Kas, der seit Saisonbeginn 2015 mit der Berlinerin zusammengearbeitet hatte. Schon in der vergangenen Woche hatte Richard Lisicki, der promovierte Sportwissenschaftler, seine Tochter nach Madrid begleitet, wo sie in der zweiten Turnierrunde ausschied. Nun arbeitet das Familiengespann gemeinsam in Rom, bei den Internationalen Italienischen Meisterschaften. Noch ist unklar, ob Vater und Tochter wieder längerfristig im Wanderzirkus eine Allianz bilden wollen.

Guter Start, schwieriger Sommer

Kas, der lebensfrohe, zupackende Traunsteiner, hatte als Trainer-Neuling in der vorigen Saison seinen ersten Job bei Lisicki angetreten. Bald stellten sich auch Erfolge ein, besonders in der Frühjahrsserie 2015 auf den amerikanischen Hardcourts, in Indian Wells und Miami. Doch die Konstanz auf hohem Niveau fehlte der Berlinerin wie auch in vorherigen Spieljahren. Selbst in Wimbledon konnte Lisicki nicht wie gewohnt punkten. Eine längere Verletzungspause sorgte zudem für einen weiteren Rückschlag, bis heute hat sich die 26-Jährige nach der monatelangen Auszeit im vergangenen Herbst nicht wieder in Spitzenregionen der Weltrangliste zurückkämpfen können. Sie spielte zuletzt auch nicht mehr im deutschen Fed-Cup-Team.

Ganz ungestörtes Arbeiten war Kas auch deshalb nicht vergönnt, weil Lisickis ehemaliger Lebensgefährte Oliver Pocher sich immer wieder mit hineindrängte in die Tennis-Reisegruppe, regelmäßig neben dem Trainer saß und Kommentare abgab – eine personelle Anordnung, die nicht wirklich zweckdienlich war, die zu sehr Privates und Berufliches vermischte. Anfang März dann folgte die schlagzeilenträchtige Trennung Lisickis von Comedian Pocher.

Noch einmal All-In

Kas und Lisicki hatten 2012 bei den Olympischen Spielen in London zusammen den Mixed-Wettbewerb bestritten und waren hauchdünn am Gewinn der Bronzemedaille gescheitert. Nun kämpft die körperlich gut austrainiert wirkende Lisicki um den Startplatz bei den Spielen in Rio nicht mehr an der Seite des gereiften Coaches Kas, sondern auch und vor allem mit familiärer sportlicher Unterstützung. Viel Zeit bleibt der Berlinerin nicht mehr, um noch den möglichen vierten deutschen Startplatz zurückzuerobern. Bundestrainerin Barbara Rittner urteilte kürzlich so über Lisicki: „Bei Sabine habe ich den Eindruck: Sie will es einfach mal allen zeigen. Körperlich ist sie absolut fit, dazu fokussiert aufs Tennis. Wer weiß, was da kommt. Überraschungspotenzial gibt es allemal.“

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