Endlich Nummer 1 – Als Boris Becker am Ziel ankam

Montag, 25.01.2016 | 08:59 Uhr
Boris Becker - Australian Open 1991
© (c) Getty Images

Vor 25 Jahren spielte sich Boris Becker bei den Australian Open erstmals auf Platz eins der Weltrangliste.

Von Christian Albrecht Barschel aus Melbourne

Am 23. August 1973 begann eine neue Zeitrechnung im Herrentennis. Mit der Einführung der Computer-Weltrangliste wurde Woche für Woche bestimmt, welcher Spieler denn der Beste im Tenniszirkus ist. Bis zum heutigen Zeitpunkt gelang es 25 Spielern, die Spitzenposition zu erobern. Mit Boris Becker befindet sich ein deutscher Spieler unter diesen Spielern. Bis der Leimener den Sprung auf den Tennis-Thron schaffte, vergingen einige Jahre. Auch im Jahr 1989, als er zwei Grand-Slam-Titel gewann, blieb ihm die Spitzenposition verwehrt. "Damals gab es so ähnlich wie im Boxen zwei Weltranglisten. Es gab die ITF-Weltrangliste, da war ich 1989 schon die Nummer eins mit den zwei Grand-Slam-Siegen und dem Davis-Cup-Sieg. Bei der ATP-Rangliste war ich es nicht. Damals gab es das System, je mehr Turniere man spielte, desto größer wurde der Teiler. Es war schlecht für einen, mehr Turniere zu spielen. Ich war damals jung und wollte mehr spielen", erklärte Becker die damalige Weltranglisten-Arithmetik am Rande der diesjährigen Australian Open.

Bei den Australian Open 1991 schlug dann Beckers große Stunde. Mit einem Finalerfolg gegen Ivan Lendl hätte er nicht nur erstmals das Grand-Slam-Turnier in Melbourne gewinnen können, sondern auch Stefan Edberg als Weltranglisten-Ersten abgelöst.Bevor es zum Finale kam, musste der Leimener aber eine Woche vorher ein verrücktes Drittrunden-Match gegen den Italiener Omar Camporese überstehen, dass er im Melbourner Glutofen nach 5:11 Stunden Spielzeit mit 14:12 im fünften Satz gewinnen konnte. "Man stirbt tausend Tode. Wenn man mehr als fünf Stunden auf dem Platz steht, geht vieles in einem vor. Der Effekt ist, wenn man so ein Spiel gewinnt, dann hat man das Gefühl, nichts mehr zu verlieren. Dann spielt man freier. Und eine Woche später habe ich das Turnier gewonnen", blickte Becker in Melbourne mit den deutschen Medienvertretern auf das denkwürdige Match zurück.

Mit einem krachenden Vorhand-Return zum Titel und Nummer eins

Becker und Lendl gingen mit einer ausgeglichenen 9:9-Bilanz in das Australian-Open-Finale, wobei der Deutsche fast alle Duelle auf großer Bühne gewonnen hatte. Becker hatte bereits im Wimbledonfinale 1986 und im US-Open-Endspiel 1989 gute Erfahrungen mit Lendl gemacht. Der Leimener erwischte an jenem 27. Januar 1991 einen richtigen Kaltstart, gab den ersten Satz klar ab und ließ sich im zweiten Satz massieren. Danach lief es richtig rund beim Deutschen, der Lendl mit Powertennis und vielen Netzattacken den Zahn zog. Mit einem krachenden Vorhand-Returnwinner nutzte Becker seinen zweiten Matchball zum Titel und wurde dadurch erstmals sowie als erster Deutscher die Nummer eins der Welt. "Das ist ein unglaublicher Moment für mich. Ich kann nicht viel sagen, es tut mir leid", versuchte der sonst so redselige Becker bei der Siegerehrung Worte für seinen historischen Meilenstein zu finden.

Becker musste, nachdem er wenige Wochen später im Viertelfinale des ATP-Turniers in Brüssel verletzungsbedingt aufgeben musste, nach bereits drei Wochen Regentschaft den Tennis-Thron wieder Stefan Edberg überlassen. Doch im gleichen Jahr kehrte der Deutsche ein weiteres Mal an die Weltranglistenspitze zurück. Verantwortlich dafür war ausgerechnet Michael Stich, der durch seinen Halbfinalsieg in Wimbledon gegen Edberg seinen Landsmann wieder zur Nummer eins machte. Becker verbrachte neun weitere Wochen als Weltranglisten-Erster, ehe ihm ein Drittrunden-Aus bei den US Open zum Verhängnis wurde. Seitdem wartet Deutschland auf die nächste deutsche Nummer eins im Herrentennis.

"Damals ging ein Traum in Erfüllung"

"Das war ein absoluter Höhepunkt. Letztendlich ist es egal, wann man die Nummer eins wird, wenn man sich das vorgenommen hat. Entscheidend ist, dass man es erreicht hat. Damals ging ein Traum in Erfüllung", blickte Becker 25 Jahre später zurück. Kleine Randgeschichte: In der zweiten Runde der Australian Open 1991 traf Becker in der zweiten Runde auf einen Spieler, mit dem er nun im Team von Novak Djokovic riesengroße Erfolge feiert, nämlich auf Marian Vajda. Becker setzte sich gegen den Slowaken mit 6:4, 6:1, 6:3 durch.

Hier geht es zum Artikel mit den letzten Karriere-Matches aller Nummer-eins-Spieler im Herrentennis.

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