Tennis

Ziemlich beste Freunde – Der Emir und sein Tennisfreund

SID
© (c) GEPA pictures

Nasser Al-Khelaifi ist das Sprachrohr des Staates Katar in der wichtigen, tragenden Angelegenheit Sport.

Von Jörg Allmeroth aus Doha

Manchmal lohnt es sich, den richtigen Tennispartner zu haben. Jedenfalls beginnt die Geschichte des unheimlich hartnäckigen Aufstiegs von Nasser Al-Khelaifi auf den Trainingsplätzen des Khalifa Tennis Complex vor rund einem Vierteljahrhundert. In einer Zeit, als die Welt von Katar und seinem sagenhaften Reichtum noch nicht wirklich Notiz nahm. Ein anderer Junge stand meistens, später fast immer auf dem Centre Court mit Al-Khelaifi, es war der Lieblingssohn des damaligen Emirs, namentlich Tamim bin Hamad al-Thani. Nasser und Tamim, zwei verschworene Freunde, der eine 14, der andere acht Jahre alt. Zwei, die später auch im katarischen Tennis-Nationalteam spielten, zwei Sportfreaks vor allem mit einem Faible für Tennis und Fußball.

"Wir halten alle Regeln und Gesetze ein"

Heute, im neuen Jahrhundert, im neuen Katar, sitzen sie beide an den Schaltstellen der Macht. Tamim, der Junge, der einst auch mit dem Doha-Besucher Boris Becker übungsweise auf einem Tennisplatz stand, ist inzwischen der Herrscher der Kleinstnation, des Landes, das über das höchste Pro-Kopf-Einkommen der Erde verfügt. Vor drei Jahren löste er ganz überraschend, fast geräuschlos seinen Vater Hamad auf dem Thron ab. Und Nasser, der Beinahe-Sandkastenfreund? Er ist immer noch einer der dicksten Freunde des neuen Fürsten des sagenhaft reichen Wüstenemirats, und auch deswegen besetzt er heute einige äußerst einflussreiche Posten. Al-Khelaifi, eher unscheinbar von Statur, ist dick drin im Geschäft , im Big Business, er ist so etwas wie der Drahtzieher aus Doha und der Drahtzieher in Doha.

Der 42-Jährige ist zum mächtigen Player in der globalen Sportindustrie aufgestiegen. Er bewegt mit Millionen und Milliarden rund um den Globus Menschen und Märkte - als Chef von Qatar Sports Invest, des sportlichen Ablegers des nationalen Investmentfonds. Als Boss des dynamisch expandierenden Sportkanals BeIn Sports, der gerade über alle Kontinente hinweg Übertragungsrechte kauft, zuletzt sogar Sendelizenzen für die Olympischen Spiele, in Afrika und im Nahen Osten. Als ausgabefreudiger Lenker des französischen Renommierklubs Paris Saint-Germain, der unter katarischer Direktive und Besitz zu den ganz Großen Europas aufschließen will, auch zu den gerade in Doha weilenden Münchner Bayern. Und schließlich auch als Sportfunktionär - Chef des katarischen Tennisverbandes ist er schon, viel mehr will er aber noch werden in der Tenniswelt, vielleicht sogar einmal Chef des Weltverbandes. "Wir alle in diesem Land haben große Pläne, große Visionen. Ich bin stolz, meinen Teil dazu beitragen zu können", sagt der geschliffen redende und diskutierende Al-Khelaifi. Bei aller Verbindlichkeit - die internationale Kritik an Katar prallt bei ihm knallhart und kompromisslos ab, "wir halten alle Regeln und Gesetze ein. Definitiv." Nein, mehr gebe es nicht zu sagen.

Zwei Matches auf der ATP-Tour

Al-Khelaifi war selbst einmal ein leidlich guter Tennisspieler, der bis auf Platz 992 der Weltrangliste vorstieß. Zwei Matches bestritt er auf der Tennistour, eins davon 1996 im österreichischen St. Pölten gegen Thomas Muster. Aber er ist eben auch und besonders ein Mann, der weiß, wo seine Grenzen sind. Und der weiß, wo größere Möglichkeiten lauern. So wandte er sich dem Sport bald in anderer Funktion zu, denn es ereilte ihn der Ruf von Freund Tamim, inzwischen Kronprinz von Katar. Der gründete Anfang des Jahrhunderts Qatar Sports Invest und setzte Kumpel Nasser auf den Chefsessel. Von da an ging´s immer nur aufwärts für Al-Khelaifi, soweit aufwärts, dass er inzwischen das Sprachrohr des Staates in der wichtigen, tragenden Angelegenheit Sport ist, mehr als jeder andere. Selbst mehr noch als die Macher der Fußball-WM, die 2022 in dem Emirat am Golf stattfinden wird, einem Land, das ungefähr so groß ist wie Hessen. Geographisch wohlgemerkt, denn echte Kataris gibt es nicht viele, nur 350.000 in etwa.

Al Khelaifi ist einer der prominentesten und einflussreichsten unter ihnen, ohne Zweifel. Aus der subjektiven Sicht seines Freundes Tamim, des Emirs, macht der Anfangs-Vierziger seine Sache so gut, dass er ihn kürzlich sogar zum Minister ohne direkten Aufgabenbereich ernannte. Der umtriebige Manager steht auch für einen Wechsel der katarischen Strategie: Wo die Scheichs früher ziel- und planlos ihre Öldollars verplemperten, etwa mit der Akquise abgehalfterter Fußballstars für nationale Ligen, sollen Investitionen heute denn doch Nachhaltigkeit erzeugen - auch jener Großeinsatz von Mitteln im Ausland, so wie bei PSG. Oder mit dem Sportkanal BeIn Sports, dem Nachfolger von Al Jazeera Sports. Bei diesem Medienprojekt geht es auch um nackte Macht- und Einflussfragen und um Abhängigkeiten, wie der Olympiadeal von BeIn Sports zeigt - denn Al-Khelaifis Station soll maßgeblich an der Entwicklung eines zukünftigen Olympiasenders des IOC beteiligt werden.

Al-Khelaifi stellt dicke Schecks aus, ob als Rechtekäufer. Oder als PSG-Vereinboss, der das System des Financial Fairplay grenzwertig austestet. Oder, wie in diesen Tagen, auch als Tennisveranstalter, der Stars wie Novak Djokovic oder Rafael Nadal das Kommen an den Golf mit dicken Antrittsgagen versüßt. Auch im Tennis strebt der Mann selbstverständlich nach Größerem: "Wir würden auch gern mal die Männer-WM austragen. Wir können das."

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