Zehn denkwürdige Damen-Matches in New York

Donnerstag, 22.08.2013 | 12:09 Uhr
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Wir präsentieren zehn hochklassige Partien, die in der Damenkonkurrenz beim Grand-Slam-Turnier in New York gespielt wurden.

Von Christian Albrecht Barschel

Zehn denkwürdige Endspiele bei den US Open, darunter fünf bei den Damen, haben wir bereits vorgestellt. Nun präsentieren wir zehn denkwürdige Damen-Matches bei den US Open, die vor dem Finale stattgefunden haben.

Steffi Graf - Pam Shriver 7:6 (4), 6:7 (4), 7:6 (4) - Viertelfinale 1985

Steffi Graf und Pam Shriver sorgten im Halbfinale 1985 für ein Novum. Zum ersten Mal in der Geschichte der US Open wurde ein Damen-Match in drei Tiebreaks entschieden. Wunderkind Graf rang mit ihren blutjungen 16 Jahren die routinierte US-Amerikanerin nach 2:46 Stunden nieder und erreichte erstmals das Halbfinale eines Grand-Slam-Turniers. Es war ein Achterbahn-Match mit vielen Aufs und Abs, das die Qualitäten von Graf eindrucksvoll unter Beweis stellte. Shriver führte im dritten Satz mit 5:3, schlug zum Matchgewinn auf und war nur zwei Punkte von Sieg entfernt. Graf erzwang den dritten Tiebreak im Match und sicherte sich dort mit vier Punkten in Folge den Einzug ins Halbfinale. "Ich habe noch nie so ein aufregendes Match gespielt", sagte Graf hinterher. Die unterlegene Shriver war voller Bewunderung für die Deutsche. "Ich habe noch nie so viel Einsatz gezeigt und dann verloren. Das war eines der unglaublichsten Matches, an denen ich teilgenommen habe. Sie hat einfach keinen wichtigen Passierschlag verfehlt. Wenn sie einen Punkt brauchte, hat sie ihn bekommen, egal, wie gut ich den Ball getroffen habe."

Martina Navratilova - Steffi Graf 6:1, 6:7 (3), 7:6 (8) - Halbfinale 1986

Insgesamt 18-Mal duellierten sich Steffi Graf und Martina Navratilova (Bilanz 9:9). Fünfmal kreuzten sich ihre Schläger bei den US Open. Ein denkwürdiges und hochklassiges Match lieferten sich die beiden Ausnahmespielerinnen im Halbfinale 1986. Das Match ging wegen Regens über zwei Tage. Bei 4:1-Führung für Navratilova im ersten Satz wurde die Partie unterbrochen und auf den nächsten Tag verschoben. Nach dem schnellen Satzgewinn mit 6:1 entwickelte sich ein hochklassiges und dramatisches Match. Die 17-jährige Graf sicherte sich den zweiten Satz im Tiebreak. Bei 5:4-Führung im dritten Satz hatte Graf zweimal einen Matchball. Es ging schließlich in den Tiebreak im dritten Satz, etwas was es nur bei den US Open gibt. Graf und Navratilova boten Dramatik pur. Die Deutsche wehrte zwei Matchbälle ab, ehe sie bei 8:7 ihren dritten Matchball bekam. Mit ihrer ganzen Routine wehrte Navratilova den Ansturm von Graf ab und sicherte sich mit 10:8 den Tiebreak und den Einzug ins Finale. "Beim letzten Mal, als ich drei Matchbälle abgewehrt und dann gewonnen habe, war ich zehn Jahre alt, glaube ich. Man kann nicht mehr gefordert werden. Ich hoffe, dass Steffi nicht noch besser wird, sonst werde ich aufhören müssen", sagte Navratilova hinterher.

Martina Navratilova - Steffi Graf 7:6 (2), 6:7 (4), 6:4 - Halbfinale 1991

1991 bekamen die Zuschauer bei den US Open zwei dramatische Damen-Halbfinals geboten. Den Anfang machten Steffi Graf und Martina Navratilova, die schon 1986 ein spannendes Halbfinale gespielt hatten. In ihrem fünften und letzten Duell bei den US Open hatte Navratilova zum vierten Mal das bessere Ende für sich. Die US-Amerikanerin erreichte einen Monat vor ihrem 35. Geburtstag zum achten Mal das Endspiel in New York. Dafür musste sie aber über zwei Stunden schwer schuften. "Das zeigt, wenn der Geist fähig ist, etwas zu tun, kann der Verstand dem folgen", erklärte Navratilova. Für Pavel Slozil, dem Trainer von Graf, kam es letztendlich auf den Siegeswillen an, den er bei seinem Schützling vermisste. "Eine 34-Jährige hat mehr Courage gezeigt als sie. Es kam auf den Glauben an. Sie hat nicht genug an sich selbst geglaubt, was die andere Spielerin getan hat."

Monica Seles - Jennifer Capriati 6:3, 3:6, 7:6 (4) - Halbfinale 1991

Im zweiten Halbfinale 1991 kam es zum Teenager-Gipfel zwischen der 15-jährigen Jennifer Capriati und der 17-jährigen Monica Seles. Die beiden "Wunderkinder" schenkten sich nichts und spielten eines der intensivsten Damenmatches in der Geschichte. Zunächst sah es nach einem klaren Erfolg von Seles aus, die nach dem 6:3 im ersten Satz mit 3:1 im zweiten Satz führte. Capriati gelang mit fünf Spielgewinnen in Folge der Satzausgleich. Seles und Capriati überboten sich bei den Gewinnschlägen, lieferten sich lange und kräftezehrende Grundlinienduelle und nahmen sich gegenseitig insgesamt 18-mal den Aufschlag ab. Passend zum intensiv geführten Match fiel die Entscheidung im Tiebreak, in dem sich Seles durchsetzen konnte. "Wir beide haben nicht aufgegeben bis zum letzten Ball. Ich habe teilweise zu viel und zu stark geschlagen. Ich kann nicht 30 Bälle mit voller Kraft schlagen, weil ich sonst dort draußen sterben würde. Es war eine Menge Druck auf mir, weil sie jeden Ball erlaufen hat", erklärte Seles. Capriati wäre bei einem Sieg die jüngste Finalistin in New York gewesen. "Ich nehme an, dass es einfach nicht sein sollte", sagte die enttäuschte Capriati.

Venus Williams - Martina Hingis 4:6, 6:3, 7:5 - Halbfinale 2000

Duelle zwischen Venus Williams und Martina Hingis hatten immer ihren besonderen Reiz. Das lag vor allem an den unterschiedlichen Spielstilen der beiden. Während Williams mit Power-Tennis und krachenden Grundschlägen häufig zum Erfolg kam, baute Hingis die Ballwechsel wie eine Schachspielerin auf und punktete mit Raffinesse. Diese Unterschiede führten häufig zu hochklassigen Matches zwischen den beiden, so wie im Halbfinale der US Open 2000. Williams und Hingis spielten viele lange und sehenswerte Rallies in diesem Match. Hingis hatte die Entscheidung auf dem Schläger, als sie sich bei 5:3-Führung im dritten Satz mit einem Schmetterball zwei Matchbälle hätte erspielen können. Doch die Schweizerin spielte den Schmetterball in den Schläger von Williams, die daraufhin Hingis passierte. Williams gewann vier Spiele in Folge, damit auch das Match gegen Hingis und später dann auch den US-Open-Titel. "Ich habe den Ball gesucht. Ich konnte ihn nicht richtig sehen. Ich konnte es gar nicht glauben. Ich konnte mit dem Schlag nichts anfangen", sagte Hingis über den Schmetterball, der die Wende zum Sieg von Williams einleitete.

Justine Henin - Jennifer Capriati 4:6, 7:5, 7:6 (4) - Halbfinale 2003

Ein Blick in die Statistik zeigt, wie ausgeglichen dieses Match zwischen Justine Henin und Jennifer Capriati war. Beide Spielerinnen machten 127 Punkte. Die zierliche Belgierin und die muskulöse US-Amerikanerin lieferten sich ein episches Halbfinale, das 3:03 Stunden dauerte und 27 Minuten nach Mitternacht endete. Capriati war elfmal nur zwei Punkte vom Einzug ins Finale entfernt. Capriati führte im zweiten Satz mit 5:3 und im dritten Satz sogar mit 5:2, doch sie konnte ihren Vorsprung nicht ins Ziel bringen. Henin bekam im dritten Satz Krämpfe. Sie ließ sich davon nicht beirren und kämpfte Capriati schließlich im Tiebreak nieder. Nach dem Match musste die Belgierin wegen Dehydration intravenös behandelt werden und verpasste die Pressekonferenz. Capriati war nach den verpassten Chancen untröstlich. Sie sprach davon, dass sie sich selbst geschlagen habe. "Als ich vom Platz ging, fühlte es sich an, als ob die ganze Welt auf mich einstürzen würde. Mein Herz wurde mir herausgerissen. Es war ein tolles Match, und ich habe alles gegeben. Aus irgendeinem Grund habe ich nicht gewonnen. Es ist nur ein Match. Es hilft mir, meine Familie und Freunde um mich zu haben, die mir ihre Liebe zeigen und mir erzählen, dass es nur ein Match ist."

Jennifer Capriati - Serena Williams 2:6, 6:4, 6:4 - Viertelfinale 2004

Und noch ein denkwürdiges Match mit Jennifer Capriati. Das Viertelfinale bei den US Open 2004 zwischen Capriati und Serena Williams gilt als die Initialzündung für die Einführung des Hawkeye. Warum? Es gab einige Entscheidungen zu Ungunsten Williams, die sich in der Hawkeye-Zeitlupe im Fernsehen als falsch herausstellten. Für die größte Fehlentscheidung sorgte Schiedsrichterin Mariana Alves, die im ersten Spiel des dritten Satzes einen Ball von Williams überstimmte, der von dem Linienrichter gut gegeben wurde. Williams hatte einen Rückhand-Winner die Linie entlang geschlagen. Die Zeitlupen im Fernsehen belegten, dass der Ball klar vor der Linie war. Alves überstimmte allerdings, in dem sie "Advantage Capriati" ansagte, was Williams fassungslos machte. Die US-Amerikanerin diskutierte mit der Schiedsrichterin. "Was ist passiert? Das ist mein Punkt. Der Ball war drin. Es ist mein Vorteil", echauffierte sich Williams zu Recht. Doch es blieb beim Punkt für Capriati. Besonders bitter für Williams: Als Capriati zum Match servierte, gab es zwei weitere Fehlentscheidungen, als zwei Bälle von Williams Aus gegeben wurden, die auf der Linie gelandet waren. "Ich bin gerade sehr wütend und verbittert. Ich fühle mich betrogen. Ich brauche keine Zeitlupen zu sehen. Ich kenne meine Schläge. Der Schlag war nicht nur drin, sondern nicht mal nahe an der Linie. Aber ich suche nicht nach Entschuldigungen. Ich sage nicht, dass ich verloren habe, weil ich betrogen wurde. Ich habe verloren, weil ich nicht richtig gespielt habe. Man muss Jennifer Anerkennung zollen", sagte die frustrierte Williams bei der Pressekonferenz.

Serena Williams - Venus Williams 7:6 (6), 7:6 (7) - Viertelfinale 2008

24-mal gab es den sogenannten Sister Act, das Duell zwischen Serena Williams und Venus Williams. Das Viertelfinale bei den US Open 2008 war eines der qualitativ besten Spiele zwischen den beiden Schwestern. Serena setzte sich zweimal im Tiebreak durch. Dabei hatte Venus alle Möglichkeiten, das Match für sich zu entscheiden. In beiden Sätzen führte die ältere der Williams-Schwestern mit 5:3 sowie mit 6:4 im Tiebreak. Insgesamt zehn Satzbälle ließ Venus liegen, zwei im ersten Satz und acht im zweiten Satz. Serena hingegen war bei ihren Chancen eiskalt und zog ins Halbfinale ein. "Ich denke, dass ich immer die Kontrolle hatte. Wenn es jemand anders gewesen wäre, hätte ich sicherlich gedacht, dass ich das Match gewinnen würde", sagte die unterlegene Venus. "Ich habe versucht, sie nicht anzugucken, weil ich vielleicht sonst Mitleid mir ihr bekommen hätte", sagte Serena nach dem Sieg.

Kim Clijsters - Serena Williams 6:4, 7:5 - Halbfinale 2009

Serena Williams ist für ihr feuriges Temperament auf dem Platz bekannt. Im Halbfinale der US Open 2009 gegen Kim Clijsters übertrieb es aber die US-Amerikanerin, die nach einem angeblichen Fußfehler die Beherrschung verlor. Beim Stand von 4:6, 5:6, 15:30 wurde Williams' zweiter Aufschlag als Fußfehler gegeben. 15:40 und Matchball Clijsters. Williams stürmte daraufhin auf die Linienrichterin zu und beschimpft diese: "Ich schwöre bei Gott, ich werde diesen Ball nehmen und ihn dir in deinen verdammten Hals stecken, hast du mich verstanden?". Die Linienrichterin meldete den Vorfall der Schiedsrichterin, auch der Oberschiedsrichter gesellte sich dazu. Williams, die bereits zuvor eine Verwarnung wegen Schlägerbrechens bekommen hatte, kassierte die zweite Verwarnung und einen Strafpunkt - gleichbedeutend mit dem Matchgewinn für Clijsters. Die Belgierin nahm völlig verdutzt die Glückwünsche von Williams entgegen. Bis zum unrühmlichen Ende war es ein gutes Spiel von beiden mit einer bärenstarken Clijsters. "Es ging alles so schnell. Ich war selbst geschockt. So hätte das nicht enden dürfen", sagte die Belgierin, die das Turnier nur dank einer Wildcard bestreiten konnte und ein Match später die erste Wildcard-Siegerin in der Grand-Slam-Geschichte wurde. "Du denkst, du hast schon alles im Tennis gesehen - und dann passiert so was. Ich weiß, was ich sage: Dafür gibt es keine Entschuldigung, da gibt es keine zwei Meinungen", sagte Kommentator John McEnroe, der selbst kein Kind von Traurigkeit auf dem Platz war. Einige Experten forderten eine Sperre von Williams, die aber ausblieb. Die US-Amerikanerin kam mit einer saftigen Geldstrafe davon.

Samantha Stosur - Nadia Petrova 7:6 (5), 6:7 (5), 7:5 - 3. Runde 2011

2011 war das Jahr von Samantha Stosur bei den US Open. Die Australierin gewann ihren bislang einzigen Grand-Slam-Titel. Stosur musste auf dem Weg zum Titel große Hürden überwinden. Unter anderem spielte die Australierin in der dritten Runde ein denkwürdiges Match gegen die Russin Nadia Petrova. Stosur und Petrova spielten bei hohen Temperaturen das längste Damen-Match bei den US Open, nachdem der Tiebreak eingeführt wurde. Die Australierin lag gegen Petrova mit 7:6, 5:4 in Führung und hatte sogar zwei Matchbälle, verlor Satz zwei aber noch im Tiebreak und lag im dritten mit Break zurück. Stosur kämpfte sich zwar bravourös zurück, ließ aber bei 5:4 zwei weitere Matchbälle liegen. Erst nach 3:16 Stunden verwertete Stosur den fünften Matchball zum Sieg. "Ich denke, das war ein wirklich tolles, qualitativ gutes Match. Wir beide haben sehr gut gespielt", sagte Stosur, die eine Runde später gegen Maria Kirilenko den längsten Tiebreak (17:15), den es je in einem Damen-Einzel bei einem Grand-Slam-Turnier gab, spielte.

(Fotos: GEPA pictures)

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