Tennis

„Es hat lange gedauert, bis ich wieder fit war“

© Jürgen Hasenkopf

Der Reinbeker spricht im Interview über das Duell mit Kumpel Tobias Kamke, seine schwere Zeit Anfang des Jahres und seine sportliche Ziele.

Von Christian Albrecht Barschel


Julian Reister (25) war im letzten Jahr einer der deutschen Aufsteiger. Der Reinbeker spielte sich bei den French Open und in Wimbledon über die Qualifikation ins Hauptfeld. In Paris schlug er u.a. Feliciano Lopez und durfte in der dritten Runde gegen Roger Federer spielen. Bei seinem Heimturnier am Hamburger Rothenbaum erreichte Reister das Achtelfinale. Nach einer hartnäckigen Krankheit gewann er im April sein erstes Challenger-Turnier in Monza und stieß wenig später bis auf Platz 92 vor. Momentan steht Reister aber nach einigen Rückschlägen wieder außerhalb der Top 100.


Herr Reister, Sie mussten wegen einer Schulterverletzung in der ersten Runde gegen Tobias Kamke aufgeben. Wie bitter ist das, gerade bei einem deutschen Turnier?


Ziemlich bitter! Ich habe die Woche gut trainiert und habe mich sehr auf das Turnier gefreut. Ich war richtig gut drauf im Training, deshalb ist das natürlich sehr unglücklich.


Was ist genau mit der Schulter passiert?


Ich war noch nicht beim Physiotherapeuten. Beim Einschlagen beim Aufschlag waren die Schmerzen schon da. Es tat höllisch weh und ich konnte nicht mehr voll durchziehen. Es hat dann einfach keinen Sinn mehr gemacht, weil die Schmerzen zu groß waren.


Sie mussten in Halle in der ersten Runde gegen Ihren Kumpel Tobias Kamke spielen. Sind Matches gegen gute Freunde besonders schwer?


Für uns beide ist das schwierig. Wir kennen uns seit der Jugend, trainieren seit Jahren miteinander. Wir wissen genau, wo der andere immer hinspielt, deshalb ist das etwas komisch. Entweder wir haben richtig gute oder richtig schlechte Matches. Die Situation ist nicht einfach.


Sie konnten erst Mitte Februar wegen einer hartnäckigen Viruserkrankung in die Saison starten und kassierten dann gleich vier Erstrunden-Niederlagen in Folge. Inwieweit hat Sie die Erkrankung aus der Bahn geworfen?


Ziemlich. Das war echt hart, denn ich lag vier Wochen von morgens bis abends im Bett und konnte mich nicht bewegen. Das hatte ich noch nie. Sonst war ich höchstens fünf Tage krank. Damit konnte ich schwer umgehen. Es hat lange gedauert, bis ich wieder richtig fit war. Es ist bitter, wenn man die ersten drei Monate durch eine Erkrankung verliert. Das ist dann schwer aufzuholen im Rest des Jahres.


Im April haben Sie dann in Monza Ihren ersten Challenger-Titel gewonnen und sind erstmalig in die Top 100 vorgestoßen. Ihr bislang größter Erfolg?


Ja, auf jeden Fall. Die Top 100 waren immer ein großes Ziel und ein Traum von mir. Den Traum habe ich mir in Monza erfüllt. Dadurch war ich dann gleichzeitig für das Hauptfeld der French Open und in Wimbledon qualifiziert.


Den guten Schwung haben Sie dann auch mit ins ATP-Turnier in München genommen und sich über die Qualifikation ins Achtelfinale gespielt. Dort hatten Sie den späteren Turniersieger Nikolay Davydenko am Rande einer Niederlage. Was hat für einen Sieg gegen einen solchen Topspieler noch gefehlt?


Das ist schwer zu sagen. Ich wüsste nicht, was ich das nächste Mal anders machen müsste. Denn ich habe sehr gut gespielt und er auch. Da kann ich mir nichts vorwerfen. Im zweiten Satz im Tiebreak war es sehr knapp. Den hätte ich auch ohne weiteres zum Matchgewinn für mich entscheiden können. Das nächste Mal kann es auch anders ausgehen und Davydenko hat das Turnier dann auch zu Recht gewonnen. Ich habe sehr gut gespielt und knapp verloren. Das passiert eben manchmal.


Nach der Niederlage gegen Davydenko setzte es dann wieder vier Pleiten in der ersten Runde u.a. bei den French Open. Gab das knappe Aus gegen Davydenko Ihnen einen Knacks?


Eigentlich nicht. Ich habe danach richtig gut gespielt, sogar besser als vorher. Beim Challenger in Rom habe ich gegen Simone Bolelli gespielt und knapp verloren. Bolelli hat das Turnier dann auch gewonnen. Beim Masters-Turnier in Rom habe ich gegen Victor Hanescu verloren, der derzeit auch sehr gut drauf ist. In Paris hatte ich etwas Pech mit der Auslosung, gleich in der ersten Runde gegen Viktor Troicki spielen zu müssen. Das Challenger in Fürth zähle ich nicht so, weil ich da schon angeschlagen war. Mit den anderen drei Niederlagen kann ich umgehen, weil ich da gut Tennis gespielt habe. Wenn ich weiter so spiele, kommen dann irgendwann auch die Punkte von alleine.


Sie haben sich in den letzten Jahren in der Rangliste stetig verbessert. Wie schwer ist es, das derzeitige Niveau dann auch zu halten?


Ich habe damit keine Schwierigkeiten. Ich habe immer das Gefühl, dass ich gegen Weltklassespieler gut mithalten und auch gewinnen kann. Auf dem Niveau verliert man manchmal fünf Wochen am Stück in der ersten Runde. Das passiert anderen Spielern auch. Man muss einfach weiter am Ball bleiben und hart arbeiten. Dann kommen schon die guten Ergebnisse.


Im letzten Jahr spielten Sie bei den French Open in der dritten Runde gegen Roger Federer vor 10.000 Zuschauern. Bei Challenger-Turnieren sind es dagegen manchmal weniger als 100 Zuschauer. Wie kommt man mit diesen Unterschieden klar?


Ich habe damit keine Probleme, ob ich ein Challenger oder ein ATP-Turnier spiele. Natürlich macht es mehr Spaß, auf einem ATP-Turnier zu sein, weil das ganze Rahmenprogramm auch schöner ist. Es gibt natürlich auch mehr Weltranglistenpunkte und mehr Preisgeld zu verdienen. Challenger-Turniere spielt man ja auch, um sich dort Punkte zu ergaunern, um bei den größeren Turnieren an den Start gehen zu können.


Was sind Ihre sportlichen Ziele für die nächsten Monate?


Ich will Ende des Jahres auf jeden Fall in den Top 100 stehen und mich so um Platz 80 herum etablieren. Ich war schon die Nummer 92 vor einigen Wochen und möchte diese Position natürlich verbessern.


Was müssen Sie an ihrem Spiel verbessern, wenn Sie wieder in die Top 100 wollen?


Ich glaube, dass ich weiter an meiner Fitness arbeiten muss. Ich fühle, dass ich durch die Erkrankung immer noch nicht bei hundert Prozent bin. Das dauert noch ein wenig. Ich bin aber auf einem guten Weg dahin und fühle mich doch recht gut derzeit. Generell will ich meine Stärken Vorhand und Aufschlag noch weiter verbessern.


Sie haben in den nächsten Monaten einige Punkte aus dem Vorjahr zu verteidigen. Haben Sie Angst vor dem Absturz aus den Top 200?


Nein, überhaupt nicht. Da denke ich sehr positiv. Es ist eigentlich nur die zweite Runde in Wimbledon nach geschaffter Quali aus dem Vorjahr und das Achtelfinale in Hamburg. Danach sind es dann recht wenig Punkte, die ich bis Jahresende verteidigen muss.


Wie schwer würde es auch finanziell ins Gewicht fallen, wenn Sie auch bei Challenger-Turnieren in die Qualifikation müssten?


Das ist noch weit entfernt und derzeit finanziell überhaupt kein Thema. Auch da bin ich sehr positiv gestimmt, dass dies nicht passieren wird.

Foto: Jürgen Hasenkopf

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