Die Magie von Wimbledon

Mittwoch, 08.06.2011 | 09:18 Uhr
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tennisnet.com präsentiert in einer Top-10-Liste die Spieler mit den größten Erfolgen auf dem grünen Rasen.

Von Christian Albrecht Barschel

"Gras ist nur was für Kühe", sagte Ivan Lendl zu aktiven Zeiten über den grünen Untergrund. Da war wohl auch ein wenig Verbitterung in den Worten, denn Lendls großer Traum vom Wimbledonsieg ging nämlich nie in Erfüllung. "Du kannst nicht als ein großer Spieler in Betracht gezogen werden, wenn du nicht in Wimbledon gewonnen hast" sagte Mats Wilander, der bei den All England Championships ebenfalls nicht triumphieren konnte.


Anlässlich des bevorstehenden Wimbledonturniers kürt tennisnet.com die zehn besten Rasenspieler seit Beginn der Open Era im Jahre 1968, in der sowohl Profis als auch Amateure bei den Grand-Slam-Turnieren teilnehmen dürfen.


10. Goran Ivanisevic


Es war ein Märchen, wie es die Tenniswelt zuvor selten erlebt hatte. Goran Ivanisevic holte sich 2001 in Wimbledon, bei seinem Lieblingsturnier, den lang ersehnten Titel. Mit einer Wildcard zum Wimbledonsieger - eine Geschichte, die wohl auch den Triumph des 17-jährigen Boris Becker auf dem heiligen Rasen überstrahlt. Bis dahin galt der Kroate als "Unvollendeter", ein herausragender Spieler, der nie ein Grand-Slam-Turnier gewinnen konnte.


Ivanisevic wurde schon als ewiger Zweiter abgeschrieben, dabei war sein Spiel mit den Kanonenaufschlägen wie gemalt für den grünen Rasen. 1992, 1994 und 1998 stand er im Wimbledonfinale. Dreimal war er der Unterlegene, zweimal sogar in fünf Sätzen. Zwei weitere Male erreichte er das Halbfinale an der Church Road. Doch Wimbledon meinte es nicht gut mit Ivanisevic, der sich nichts mehr wünschte, als dieses Turnier zu gewinnen.


2001 schlug dann aber die große Stunde des Kroaten, der mittlerweile auf Platz 125 in der Weltrangliste abgerutscht war und nur dank einer Wildcard am Wimbledonturnier teilnehmen konnte. Und das Märchen nahm tatsächlich seinen Lauf. Ivanisevic hämmerte sich mit Siegen gegen starke Rasenspieler wie Andy Roddick, Greg Rusedski und Tim Henman seinen Weg ins Finale gegen Patrick Rafter. Im wohl emotionalsten Wimbledonfinale aller Zeiten erfüllte sich Ivanisevic dann seinen großen Traum und war der glücklichste Mensch auf Erden. "Es ist mir egal, wenn ich kein einziges Match mehr gewinne. Was immer ich auch tue in meinem Leben, wohin ich gehe, ich werde immer ein Wimbledonsieger sein."


9. Rafael Nadal


Vielleicht wäre Rafael Nadal in der Liste der besten Rasenspieler gar nicht aufgetaucht, hätte der Spanier zu Zeiten von Sampras, Becker und McEnroe gespielt. Denn das kraftaufreibende Topspin-Spiel von Nadal passt normalerweise nicht allzu gut zu den schnellen Rasenplätzen. Vielleicht wäre Nadal zu früheren Zeiten, als der Rasen in Wimbledon noch schneller und die Bälle leichter waren, ein gefundenes Opfer für Serve-and-Volley-Spieler gewesen. Wir werden es nie erfahren. Trotzdem hat Nadal seine Spielweise den Rasenplätzen angepasst und seinen Platz in den Top 10 redlich verdient.


Die Ergebnisse sprechen eine klare Sprache. Zweimal konnte Nadal Wimbledon gewinnen, zweimal stand er im Endspiel. Dazu kommt ein Triumph beim Vorbereitungsturnier in Queen's. Auffällig ist, dass der Spanier von Jahr zu Jahr besser auf Rasen spielt. Bei seiner dritten Teilnahme in Wimbledon im Jahr 2006 erreichte er das Endspiel gegen Roger Federer und gewann einen Satz. Ein Jahr später waren es schon zwei Satzgewinne im Finale gegen den Schweizer. 2008 folgte dann der große Coup in Wimbledon mit einem epischen Fünfsatz-Sieg über Federer.


"Es ist unmöglich zu erklären, was passiert ist. Ich bin unheimlich glücklich. Wimbledon ist mein Lieblingsturnier. Den größten Spieler aller Zeiten zu schlagen - für mich ist das ganz, ganz wichtig", freute sich Nadal nach einem der besten Tennisspiele, die je gespielt wurden. Zur Titelverteidigung konnte der Spanier im nächsten Jahr wegen einer Verletzung nicht antreten. Stattdessen klappte es dann im Folgejahr mit seinem zweiten Titelgewinn an der Church Road. Nadal bewies endrucksvoll, dass er keine Eintagsfliege auf Rasen ist und hat noch viele Chancen, sich zu einer noch größeren Wimbledon-Legende zu entwickeln.


8. John Newcombe


Das Markenzeichen von John Newcombe, der zu seiner aktiven Zeit sowohl beim Publikum als auch bei seinen Gegnern äußerst beliebt war, war sein markanter Schnurrbart. Der Australier galt als Vorreiter der Serve-and-Volley-Spieler und ragte vor allem als herausragender Rasenspieler heraus. Newcombe ist neben Landsmann Rod Laver der einzige Spieler, der sowohl als Amateur als auch als Profi Wimbledon gewinnen konnte. "Wimbledon. Das ist so, als wenn du mit den 100 schönsten Frauen Liebe machst, die du je gesehen hast", schwärmte der Australier über seine Liebesbeziehung zu den All England Championships.


In der Open Era siegte Newcombe 1970 und 1971 auf dem heiligen Rasen und stand ein weiteres Mal im Finale. Dazu kommen zwei Triumphe bei den heimischen Australian Open und ein Erfolg bei den US Open, die zur damaligen Zeit noch auf Rasen durchgeführt wurden. Doch seine Liebe gehörte ganz allein Wimbledon. "Du kannst alles über eine Person herausfinden, was du möchtest, wenn du ihn auf den Centre Court stellst", erklärte Newcombe das besondere Flair.


7. Stefan Edberg


Stefan Edberg war der Gentleman im Tennissport. Immer ruhig, immer besonnen, immer fair. Kritiker bemängelten aber die fehlende Emotionalität des Schweden auf dem Platz. "Oft wünsche ich mir, dass ich im Spiel ein bisschen mehr lächeln könnte, aber ich muss mich halt furchtbar konzentrieren, wenn ich da draußen stehe" erklärte Edberg, der für sein tadelloses Verhalten fünfmal mit dem Sportsmanship Award der ATP ausgezeichnet wurde. Später wurde der Preis in seinen Namen umgetauft.

Edberg war einer der begnadetsten Serve-and-Volley-Spieler, die es je gegeben hat. Seine Spielweise war prädestiniert für den schnellen Rasen. Der Schwede siegte zweimal bei den Australian Open, die bis 1988 noch auf Rasen gespielt wurden. Die guten Ergebnisse in Wimbledon blieben für Edberg aber zunächst aus. "In Wimbledon brauchst du drei Jahre, ehe du dort dein bestes Tennis spielen kannst." Zwischen 1988 und 1991 beherrschte der Schwede gemeinsam mit Boris Becker die Szene in Wimbledon.


1988 und 1990 holte sich Edberg den Titel an der Church Road ("Meine Heirat bewegte mich mehr als meine beiden Wimbledonsiege zusammen"). 1989 wurde er von Becker im Finale teilweise vorgeführt ("Ich dachte, ich spiele bergauf"). 1991 schied Edberg als Nummer eins der Welt im Halbfinale gegen den späteren Sieger Michael Stich aus - und das ohne ein einziges Break zu kassieren. "Wenn Jimmy van Alen nicht gelebt hätte, würden Michael und ich wohl noch dort draußen sein und spielen", sagte Edberg später über den Erfinder des Tiebreaks, der zufälligerweise am selben Tag verstorben war.


6. Jimmy Connors


Jimmy Connors spielte zu der Zeit, wo noch viel häufiger Turniere auf dem grünen Rasen stattfanden. Der US-Amerikaner, der mit 169 Siegen die meisten Rasenspiele gewonnen hat, gewann insgesamt neun Rasenturniere, darunter vier Grand-Slam-Turniere. Connors triumphierte neben seinen zwei Wimbledonsiegen (1974 und 1982) auch bei den Australian Open und den US Open im Jahr 1975.


In Wimbledon ging "Jimbo" aber häufiger als Endspielverlierer vom Platz. Insgesamt viermal verlor Connors ein Wimbledonfinale, trotzdem blieben die All England Championships das Nonplusultra für ihn. "Dort herauszugehen, um auf dem Centre Court zu spielen, ist so wie in einem magischen Schaukasten in der Tenniswelt zu sein. Ich liebe es."


Connors war in jungen Jahren der "Bad Boy" der Tennisszene, dem die Etikette des weißen Sports egal war. "Ich mag es, die Fans gegen mich zu haben. Ich will alles tun, damit sie noch mehr gegen mich sind. Wenn sie gegen mich brüllen, komme ich erst so richtig ins Match", erklärte Connors, der es liebte mit dem Publikum zu interagieren. In späten Jahren avancierte Connors dann zum Publikumsliebling.


5. John McEnroe


Bei John McEnroe lagen Genie und Wahnsinn ganz dicht beieinander. Der US-Amerikaner trug Dr. Jekyll und Mr. Hyde in sich und lebte seine Emotionen auf dem Tennisplatz bis aufs Äußerste aus. Legendär ist sein Spruch "You cannot be serious", der bis heute nicht nur Tennisfans ein Begriff ist. McEnroe flippte in jedem Spiel regelrecht aus, wenn er sich ungerecht behandelt fühlte oder sauer auf sich oder seine Gegner war. "Ich möchte in Erinnerung bleiben als ein großer Spieler, aber ich denke ich werde für viele immer der Spieler sein, der wütend wurde auf dem Platz" sagte "Big Mac" in den Endzügen seiner Karriere.


Auf Rasen kam das trick- und variationsreiche Spiel von McEnroe richtig zum Tragen. Sein Slice-Aufschlag als Linkshänder und sein perfektes Volleyspiel waren richtige Waffen, die ihn in Wimbledon fünfmal ins Finale brachten. Dreimal konnte er sich die begehrte Trophäe sichern. In Erinnerung blieb aber immer seine legendäre Finalniederlage 1980 gegen Björn Borg. McEnroe hatte den unbesiegbaren Schweden am Rande einer Niederlage und musste sich schließlich doch mit der Verliererrolle anfreunden.


Doch ein Jahr später schlug die große Stunde von "Big Mac", der sich im Endspiel gegen Borg revanchierte und seinen ersten Wimbledonsieg feierte. Zwei weitere Triumphe sollten folgen, bei denen er seine Finalgegner Chris Lewis und Jimmy Connors förmlich zerlegte. Nicht nur mit Connors pflegte McEnroe ein angespanntes Verhältnis. "Ich habe mehr Talent in meinem kleinen Finger als Lendl in seinem gesamten Körper", schimpfte McEnroe, der sich mit fast jedem Spieler anlegte, über den Tennis-Arbeiter Lendl.


4. Boris Becker


Boris Becker und der Rasen, insbesondere der in Wimbledon, war eine ganz spezielle Beziehung. Für den Deutschen war der Centre Court in Wimbledon "sein Wohnzimmer", wie er immer wieder betonte. "Es ist schwer es mit etwas zu vergleichen, wenn du den Centre Court betrittst, vor allem in einem Finale. Und es ist eine Erfahrung, dem alle Spieler zustimmen - es ist einzigartig" erklärte Becker.


Mit gerade einmal 17 Jahren und 227 Tagen gewann der Rotschopf aus Leimen 1985 in Wimbledon und schrieb nicht nur deutsche, sondern auch internationale Sportgeschichte. Noch nie zuvor hatte ein ungesetzter Spieler an der Church Road den Titel geholt. Becker wurde zudem zu diesem Zeitpunkt der jüngste Grand-Slam-Sieger, den es je gab. "Wimbledon ist wie mein zweiter Geburtsort. Ich erinnere mich noch sehr genau an den Matchball beim Finale 1985. Ich erinnere mich, dass ich gedacht habe, dass sich etwas verändert hat. Ich wusste nicht, was es war, aber ich hatte das klare Gefühl, dass sich irgendwas sich dramatisch verändert hat. Ich wurde der öffentliche Boris Becker", resümierte der Deutsche nach seinem Karriereende.


Ein Jahr später verteidigte Becker seinen Titel 1986 und holte 1989 seinen dritten Wimbledonsieg mit einer herausragenden Leistung im Finale gegen Stefan Edberg. Mit sieben Finalteilnahmen stand der Deutsche genauso oft im Endspiel wie Pete Sampras. Doch viermal hatte Becker das Nachsehen, zweimal gegen Edberg und einmal gegen Sampras. Die wohl bitterste Finalniederlage kassierte er aber gegen Landsmann Michael Stich. Als frisch gebackene Nummer eins der Welt unterlag Becker glatt in drei Sätzen.


Der Rasen war wie geschaffen für Beckers kraftvolles Spiel. Auch beim Vorbereitungsturnier im Londoner Queen's Club glänzte "Bobbele" immer wieder und triumphierte viermal. Wimbledon und Boris Becker: Das war auch teilweise eine tragische Beziehung. Neben seinen vier Finalniederlagen erlitt er auch zwei schwere Verletzungen. 1984 zog er sich in der dritten Runde einen Bänderriss zu, 1996 wurde Becker, der zu diesem Zeitpunkt als Titelfavorit galt, ebenfalls in der dritten Runde von einer Sehenscheidenentzündung gestoppt.


Sein Abschied in Wimbledon folgte dann 1999. Zunächst stand Becker in der ersten Runde gegen Miles MacLagan kurz vor dem Aus und kam nach Abwehr von drei Matchbällen noch weiter. Im Achtelfinale gegen Patrik Rafter war dann aber Schluss für Becker, der sein Wimbledon-Kapitel mit der Zeugung von Tochter Anna beim außerehelichen Tete-a-tete mit Angela Ermakova in der Besenkammer beendete.


3. Björn Borg


Auf den ersten Blick dürften Björn Borg und der Rasen in Wimbledon nicht so gut zusammenpassen, ähnlich wie es bei Rafael Nadal der Fall ist. Doch der Schwede besaß zur aktiven Zeit das beste Returnspiel und fühlte sich deshalb auf dem grünen Untergrund pudelwohl. Von 1976 bis 1980 herrschte König Björn an der Church Road in London und holte sich fünfmal in Folge den Titel.


Bei seinem ersten Wimbledonsieg blieb der stille Schwede, der während seinen Matches kaum Regungen zeigte, im Turnier sogar ohne Satzverlust. Beim dritten Wimbledontitel fertigte er im Endspiel seinen Erzfeind Jimmy Connors in drei glatten Sätzen ab. Aber das Match, an das sich jeder erinnert, wenn er den Namen Borg hört, ist das epische Wimbledonfinale 1980 gegen John McEnroe. Borg vergab in einem der legendärsten Spiele aller Zeiten im vierten Satz sieben Matchbälle. Den Tiebreak, der unter dem Namen "Battle of 34" in die Geschichte einging, verlor Borg gegen McEnroe mit 16:18.


Doch Borg konnte alles ausblenden und holte sich im fünften Satz mit 8:6 seinen fünften und letzten Wimbledonsieg. "Ich möchte in Erinnerung bleiben als der Größte aller Zeiten", sagte Borg später. Ein Jahr später kam im Finale zur Revanche für John McEnroe, der den Schweden in vier Sätzen besiegte. Der König war tot und seine Regentschaft zu Ende! Kurze Zeit später trat er dann im jungen Alter von 26 Jahren zurück. Trotzdem hat Borg es geschafft, als einer der größten Spieler aller Zeiten in Erinnerung zu bleiben - aber nicht der Größte.


2. Pete Sampras


Pete Sampras hat den Spitzenplatz bei den besten Rasenspielern nur hauchdünn verpasst. Der US-Amerikaner hat das Rasentennis mit seiner Spielweise auf eine neue Stufe gehoben. Zwar feierte Sampras den seinen zweiten Turniersieg (Manchester) seiner Karriere bereits auf Rasen, aber in Wimbledon blieben die guten Ergebnisse erstmal aus. Bei seinen ersten drei Wimbledonteilnahmen gewann er nur ein Spiel. "Die Wahrheit war, dass Rasen mich verwirrte und frustrierte, obwohl ich dazu präpariert war, zu spielen wie der viermalige Wimbledonsieger Rod Laver" erklärte Sampras in seiner Biographie "A Champion's Mind".


Doch 1993 begann die Regentschaft von "Pistol Pete" auf dem heiligen Rasen in Wimbledon. Mit seinem starken Aufschlag, einem blitzsaubern Volleyspiel und einer harten Vorhand lehrte Sampras all seinen Gegner der Reihe nach das Fürchten. Siebenmal stand der US-Amerikaner im Wimbledon-Endspiel und siebenmal ging er als Wimbledonsieger von Platz. Dabei beeindruckte vor allem die Leichtigkeit mit denen Sampras sich seiner Gegner entledigte. "Wenn die Leute nur wüssten, wie hart ich gearbeitet habe, damit es so einfach aussieht" erklärte er seine Dominanz.


Verglichen mit seinen sieben Wimbledonsiegen sind seine zwei Triumphe beim Vorbereitungsturnier im Londoner Queen's Club dagegen eher bescheiden. Wenn es aber in den Südwesten Londons an die Church Road ging, war Sampras fast immer in Überform. Im Finale 1999 gegen den wiedererstarkten Andre Agassi spielte Sampras seiner Meinung nach das beste Tennis seiner Karriere. "Es war das beste Tennis, dass ich jemals auf diesem Platz gespielt habe. Ich denke, wenn Andre und ich beide gut spielen, ist es das beste Tennis in der Welt. Er hat mich zu einem besseren Spieler in den letzten Jahren gemacht", sagte Sampras nach seinem sechsten Wimbledontitel.


Wimbledon und Sampras war eine spezielle Beziehung. Das einstige Hassturnier wurde über die Jahre zum absoluten Lieblingsturnier des US-Amerikaners. "Du kannst nach London kommen als Nummer eins der Welt. Aber jeder denkt, dass du ein Niemand bist, bis du Wimbledon gewonnen hast. Sie tun so, als ob es das größte Turnier der Welt ist. Und sie haben Recht. Es ist das Besondere." Zwischen 1997 und 2001 gewann Sampras 31 Spiele in Folge in Wimbledon, bis ein gewisser Roger Federer ihn in einem legendären Fünfsatz-Match im Achtelfinale im Jahr 2001 bezwang. Ein Jahr später flog Sampras auf dem "Friedhof der Stars" sensationell in der zweiten Runde gegen den Schweizer George Bastl raus - es sollte der letzte Auftritt von "Pistol Pete" auf dem heiligen Rasen gewesen sein.


1. Roger Federer


Es war eine schwere Entscheidung, den besten Rasenspieler zu wählen. Aber wir haben uns für Roger Federer entschieden, der vor Pete Sampras hauchdünn die Nase vorne hat. Federer hat mit elf Turniersiegen die meisten Erfolge auf dem grünen Untergrund zu verzeichnen. Sechs Wimbledonsiege und fünf Triumphe beim Turnier in Halle stehen für den "Fed Express" zu Buche. Und seine Rasenkarriere ist ja noch lange nicht zu Ende.


Doch ähnlich wie bei Sampras waren Federer und der Rasen zu Beginn nicht die größten Freunde. Bei seinen ersten beiden Wimbledonteilnahmen schied der Schweizer gleich zu Beginn aus. Am 2. Juli 2001 änderte sich dann aber alles. "Es war der Tag, an dem sich in Wimbledon alles änderte", schrieb die Londoner Times. Was war passiert? Federer besiegte im Achtelfinale Sampras in einem Fünfsatz-Krimi und nahm ihm die Chance, als zweiter Spieler nach Björn Borg fünfmal in Folge Wimbledon zu gewinnen.


Zwar schied Federer anschließend im Viertelfinale aus und erlebte auch im nächsten Jahr einen frühen K.o., doch der Sieg gegen Sampras war die endgültige Wachablösung in Wimbledon. Federer schaffte das, was Sampras nicht gelang. Von 2003 bis 2007 gewann er fünfmal in Folge die All England Championships. Einen sechsten Titel in Serie verhinderte Rafael Nadal, der Federer in einem "Spiel für die Ewigkeit" in fünf Sätzen in die Knie zwang. "Das ist bei weitem meine schlimmste Niederlage, schlimmer kann es nicht mehr kommen", war der Schweizer völlig frustriert nach der Finalniederlage.


Doch Federer stand wieder auf und holte sich 2009 seinen sechsten Wimbledontitel. Im Vorjahr war er noch der Unterlegene in einem dramatischen Match, nun hatte er das Glück des Tüchtigen. Mit 16:14 im fünften Satz schlug er Andy Roddick, gewann sein 15. Grand-Slam-Turnier und wurde alleiniger Rekordhalter. "Ich bin froh, dass ich den Grand-Slam-Rekord hier brechen konnte. Denn Wimbledon ist das Turnier, das mir immer am meisten bedeutet hat.", freute sich Federer, dem in den nächsten Jahren noch weitere Wimbledonsiege zuzutrauen sind. Neben seinem Sieg über Sampras und den meisten Turniersiegen gibt es noch weitere Argumente für Federer als besten Rasenspieler. Federer hat neben Borg mit 41 Siegen in Folge nicht nur die längste Siegesserie in Wimbledon, sondern blieb zwischen 2003 und 2008 in 65 Matches in Folge ungeschlagen auf Rasen.

Fotos: GEPA pictures; Collage: tennisnet.com

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