„Davis Cup gegen 14.000 Österreicher war ein Highlight“

Mittwoch, 02.03.2011 | 11:51 Uhr
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Der Davis Cup-Sieger spricht im Interview mit tennisnet.com über die deutschen Chancen gegen Kroatien, seine Tennisakademie und über die Jugendarbeit im Herrentennis.

Von Christian Albrecht Barschel

Marc-Kevin Goellner (40) war acht Jahre lang Mitglied der deutschen Davis Cup-Mannschaft. Gleich in seiner Debütsaison 1993 gelang ihm der Titelgewinn, der dritte und bislang letzte für Deutschland. In seinen 14 Jahren auf der Profitour erreichte er zwei Turniersiege (Nizza und Marbella) und spielte sich bis auf Platz 26 der Weltrangliste vor. Im Doppel holte Goellner gemeinsam mit David Prinosil die Bronzemedaille bei den Olympischen Spielen 1996 in Atlanta und stand im Finale der French Open. Sein Markenzeichen war die nach hinten gerichtete Baseball-Mütze, die er bei jedem Spiel aufsetzte.

Herr Goellner, wie geht es Ihnen, was machen Sie derzeit?

Derzeit betreibe ich eine Tennisakademie in Köln, die Marc-Kevin-Goellner-Akademie, und probiere, meine Erfahrungen und mein Herzblut an junge, talentierte Spieler weiter zu geben.

Die Philosophie Ihrer Akademie heißt "Be Professional". Was können wir uns darunter vorstellen?

Ich zeige meinen Schützlingen die Professionalität, die man aufbringen muss, um überhaupt eine Chance zu bekommen, Tennisprofi zu werden. Ich probiere den Weg zu vermitteln, der die Spieler mit dem nötigen Rüstzeug etwas schneller zum Erfolg führt.

Welche Profis und hoffnungsvollen Talente trainieren denn in Ihrer Akademie?

Ich habe im Moment drei Jungprofis auf der männlichen Seite, die diesen Sprung schaffen könnten. Auf der weiblichen Seite sind es auch drei Spielerinnen. Insgesamt trainieren zwölf bis 16 Schützlinge regelmäßig in meiner Akademie.

Sie wurden als "Baby-Bum-Bum" mit der nach hinten gerichteten Baseball-Mütze bekannt? Störte Sie damals dieses Image?

Überhaupt nicht. Das Image habe ich heute immer noch und es macht mir auch Spaß. Wenn ich heute noch Matches und Schaukämpfe spiele, setzte ich die Mütze immer noch verkehrt herum auf. Ich habe aber zurzeit einen Sponsor, der vorne auf der Mütze zu sehen ist. Damit man diesen sieht, muss ich die Mütze gelegentlich auch richtig herum tragen.

1993 gelang Ihnen der internationale Durchbruch. Sie haben Spitzenspieler wie Ivan Lendl, Stefan Edberg und Michael Chang geschlagen und standen im Achtelfinale der French Open. 1994 erreichten sie mit Platz 26 die höchste Position in der Weltrangliste? Warum ging es nicht noch höher für Sie?

Es gab ein paar Faktoren, die eine Rolle gespielt haben. Zum einen war ich häufig verletzt und zum anderen habe ich mir selbst zu viel Druck gemacht.

Ihre besten Resultate haben Sie auf Sand erzielt, was untypisch für deutsche Spieler ist. Warum tun sich die Deutschen gerade auf Sand so dermaßen schwer?

Ich muss dazu sagen, dass ich bis ich 16 war in Brasilien gelebt habe und extremere Grundschlaggriffe als die meisten deutschen Spieler hatte. Ich kam damit einfach besser zurecht, weil ich schon sieben Jahre zuvor auf Asche trainiert hatte. Die meisten Deutschen müssen sich damit abfinden, dass es in Deutschland sieben Monate schlechtes Wetter ist und man nur in der Halle auf Teppich oder Hartplatz spielt. Das erschwert es uns natürlich im Vergleich zu den Spaniern, die neun Monate auf Asche spielen.

Rückblickend, was war der größte Erfolg in Ihrer Karriere? Ihr erster Turniersieg in Nizza, der Davis-Cup-Sieg 1993 mit Deutschland oder die Bronzemedaille mit David Prinosil bei den Olympischen Spielen?

Der Davis-Cup-Sieg für Deutschland. Als Nationalspieler Davis Cup zu spielen und diesen zu gewinnen, ist bislang nur ganz wenigen deutschen Spielern gelungen. Deshalb würde ich das sehr, sehr hoch einschätzen. Aber als Einzelsportler ist immer der erste Turniersieg, den man erringt, natürlich auch sehr wichtig. Die Bronzemedaille mit David war natürlich auch klasse.

Am Wochenende spielt Deutschland im Davis Cup in Kroatien? Wie schätzen Sie die Chancen der deutschen Mannschaft ein?

Deutschland ist, wenn Kroatien komplett ist, der Außenseiter. Man kann dort relativ frei aufspielen. Die Erfolge von Philipp Kohlschreiber und Florian Mayer dürfen aber nicht außer Acht gelassen werden. Michael Berrer (nicht im Kader) hatte zudem in Zagreb das Finale erreicht. Die Deutschen sind auf jeden Fall gut gerüstet und wissen, was auf sie zukommt. Aber Kroatien ist trotzdem der Favorit.

Seit dem letzten Davis-Cup-Sieg 1993 stand Deutschland nicht mehr im Endspiel in diesem Wettbewerb. Insgesamt stehen nur drei Halbfinalteilnahmen zu Buche. Was läuft falsch im deutschen Herrentennis?

Richtig falsch kann man nicht sagen. Ich glaube, dass in der Jugend- und Aufbauarbeit nicht professionell genug gearbeitet wird. Die ehemaligen Spieler, die diesen Weg gegangen sind, werden nicht genügend in die Arbeit eingebunden. Stützpunkte und Akademien für die Spieler haben wir mittlerweile genügend. Daran sollte es nicht fehlen.

Hatten die Auftritte im Davis Cup für Sie eine besondere Bedeutung?

Ja klar! Für Deutschland zu spielen, war immer das Größte, was ein Einzelsportler erlebt.

An welches Davis Cup-Match von Ihnen denken Sie am liebsten zurück?

Ich hatte viele. Eines der geilsten Spiele war aber die Erstrundenpartie 1994 in Österreich. Stich hatte gegen Muster 10:12 im fünften Satz verloren und es stand 2:2. Ich habe dann gegen 14.000 Österreicher gespielt, die gesungen haben "Zieht dem Goellner das Käppi richtig auf". Das war schon ein Highlight, als ich gegen Horst Skoff gewonnen und das entscheidende 3:2 für Deutschland geholt habe.

Patrik Kühnen, mit dem sie den Davis Cup gewonnen haben, ist seit 2003 Kapitän der deutschen Mannschaft. Würde Sie diese Aufgabe auch reizen?

Damit habe ich mich noch nicht auseinandergesetzt. Aber ist natürlich immer interessant, wenn du für dein Land etwas machen kannst. Im Moment macht Patrik einen Super-Job und sein Vertrag ist auch verlängert worden. Er hat das auch gut im Griff.

Hier gibt es weitere Informationen zur Tennis-Akademie von Marc-Kevin Goellner

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