Große Duelle und Rivalitäten im Herrentennis

Dienstag, 08.02.2011 | 13:21 Uhr
© Jürgen Hasenkopf

Borg gegen McEnroe, Sampras gegen Agassi, Becker gegen Edberg, Federer gegen Nadal. tennisnet.com präsentiert die brisantesten Duelle auf der Herrentour.

Von Christian Albrecht Barschel

Der Sport lebt durch Rivalitäten und große Duelle. Im Fußball steckt in Länderspielen zwischen Deutschland und England sowie zwischen Brasilien und Argentinien immer erheblich Brisanz und elektrisiert die Fans. Im Boxen faszinierten die Kämpfe zwischen Muhammad Ali und Joe Frazier weltweit die Massen und in der Formel 1 lieferten sich Ayrton Senna und Alain Prost packende Zweikämpfe. Auch im Tennis gab es in den letzten Jahrzehnten immer wieder besondere Rivalitäten, die auch den Reiz des "weißen Sports" ausmachen. tennisnet.com präsentiert einige der großen Duelle im Herrentennis.

Björn Borg gegen John McEnroe (Bilanz 7:7)

Björn Borg gegen John McEnroe war ein absolut ungleiches Duell. Auf der einen Seite der stille Schwede Borg, der das Temperament eines Eisblocks zu haben schien, auf der anderen Seite der leidenschaftliche McEnroe, der bei jeder sich bietenden Möglichkeit ausflippte. Die Rivalität der beiden wurde aufgrund der unterschiedlichen Persönlichkeiten auch "Feuer und Eis" genannt. Dabei spielten Borg und McEnroe "nur" 14-mal gegeneinander, doch die Duelle waren immer intensiv und ausgeglichen wie die Bilanz von 7:7 auch zeigt.

Vier Grand-Slam-Finals spielten der Schwede und der US-Amerikaner. Es waren immer hochklassige Matches. Im epischen Wimbledonfinale 1980, das zu den besten Tennisspielen aller Zeiten zählt, triumphierte Borg über McEnroe. "Bic Mac" revanchierte sich ein Jahr später an gleicher Stelle und beendete die Rasenvorherrschaft des Schweden. Auch im US-Open-Finale 1980 und 1981 zwang McEnroe Borg in die Knie. Da Borg schon im recht jungen Alter von 26 Jahren seine Karriere beendete, war die Rivalität zwischen den beiden von 1978 bis 1981 nur von kurzer Dauer. Besonders traurig war McEnroe über den Rücktritt von Borg. "Wenn du deinen größten Gegner verlierst, verlierst du auch einen Teil deiner selbst."

Boris Becker gegen Stefan Edberg (Bilanz 25:10)

Die Duelle zwischen Boris Becker und Stefan Edberg standen für perfektes Serve-and-Volley und für Wimbledon. 35-mal spielten der Deutsche und der Schwede gegeneinander. Die Bilanz spricht mit 25:10 eindeutig für Becker. Von 1988 bis 1990 beherrschten die beiden die Szene in Wimbledon und standen sich dreimal in Folge im Finale gegenüber. Edberg ging 1988 und 1990 zweimal als Sieger hervor, 1989 zerlegte Becker den Schweden bei seinem dritten Wimbledonsieg in drei Sätzen.

Doch eine besondere Beziehung hatten die beiden nie zueinander. "Unser Zweikampf ist für mich normal. Er wird auch noch lange dauern. Edberg hat zu keinem Spieler eine Beziehung, nicht mal zu den Schweden. Weil er einfach nicht viel redet. Wenn ich mit ihm zum Essen ginge, würden mir die Worte ausgehen", sagte Becker kurz nach dem dritten Wimbledonfinale über Edberg.

Auch der Schwede sagte damals ähnliches über seinen Rivalen. "Ich habe keine Probleme mit Boris und er hat, so glaube ich wenigstens, keine mit mir. Wir treffen uns nicht außerhalb des Tennisplatzes, und wir gehen auch nicht gemeinsam zum Essen. Es ist kein Hass zwischen Boris und mir, überhaupt nicht." Auch auf dem Rasen vom Londoner Queen's Club kreuzten sich dreimal die Wege von Becker und Edberg. Der Deutsche konnte alle diese Duelle für sich entscheiden genauso wie die drei Begegnungen im Davis-Cup-Finale (1985, 1988, 1989) gegen Schweden.

Ivan Lendl gegen Mats Wilander (Bilanz 15:7)

Ivan Lendl und Mats Wilander verband zwar keine besonders große Rivalität auf dem Platz, aber trotzdem lieferten sich der gebürtige Tschechoslowake und der Schwede viele hochklassige Begegnungen. Am Ende lag Lendl mit 15:7 in der Bilanz der beiden Weltranglisten-Ersten vorn. Neunmal duellierten sich die beiden bei Grand-Slam-Turnieren, alleine fünfmal davon in einem Finale.

Während Wilander die ersten beiden Endspiele bei den Australian Open 1983 und den French Open 1985 für sich entschied, konterte Lendl mit den Triumphen bei den French Open 1987 und den US Open 1987. Im spektakulärsten Match zwischen Wilander und Lendl im Finale der US Open 1988 siegte schließlich der Schwede in einer packenden Fünfsatz-Schlacht.

Pete Sampras gegen Andre Agassi (Bilanz 20:14)

Die Duelle zwischen Pete Sampras und Andre Agassi hatten ihren Reiz in dem unterschiedlichen Spielsystem beider Spieler. Auf der einen Seite mit Sampras der wohl beste Offensivspieler aller Zeiten, auf der anderen Seite mit Agassi der wohl beste Returnspieler. Sampras hatte im Duell der US-Amerikaner am Ende mit 24:10 die Nase vorn. Dabei trafen beide insgesamt achtmal bei Grand-Slam-Turnieren gegeneinander an und lieferten sich dabei historische Begegnungen, die zu den besten Spielen aller Zeiten gehören.

In einem Grand-Slam-Finale standen sich beide fünfmal gegenüber. Vier davon (US Open 1990, 1995, 2002 sowie Wimbledon 1999) entschied Sampras für sich. Agassi siegte nur bei den Australian Open 1995. In seiner Biographie "Open" stichelte Agassi nach seinem Karriereende gegen seinen Dauerrivalen. "Wir hätten nicht unterschiedlicher sein können, Pete und ich. Ich beneide Petes Langweiligkeit. Ich wünschte, ich könnte ihm in seinem seltsamen Fehlen nach Bedarf von Inspiration nacheifern." Außerdem bezeichnete Agassi seinen Landsmann als schlechten Trinkgeldgeber, der roboterhafter klingt als ein Papagei.

Vielleicht war Agassi auch darüber verärgert, dass er bei den Karriere-Meilensteinen von Sampras (erster Grand-Slam-Sieg, Einstellung des Grand-Slam-Rekords von Roy Emerson, letzter Grand-Slam-Sieg und letztes Match der Karriere) stets der unterlegene Spieler war. Das gewonnene US-Open-Finale 2002 gegen Agassi war nämlich das letzte Match in der Karriere von Sampras. "Wir sind in unterschiedliche Richtungen gegangen. Ich glaube, dass er nicht genau wusste, was er wollte. Ich wusste genau, wohin ich gehen wollte. Ich habe es auf meine Weise getan und habe kein Bedauern, wenn ich auf meine Karriere zurückblicke", sagte Sampras.

Roger Federer gegen Rafael Nadal (Bilanz 8:14)

Das "Tennisgenie" Roger Federer gegen den "Stier aus Manacor" Rafael Nadal. Das ist das Duell der Neuzeit im Herrentennis, das nicht nur die Tenniswelt elektrisiert. Besonderen Reiz erfährt dieses Duell, ähnlich wie bei Borg und McEnroe und Sampras und Agassi, durch die unterschiedlichen Spielsysteme. Federer, der so gut wie jeden Schlag perfekt beherrscht und mit eleganter Leichtigkeit glänzt, und Nadal, der mit seiner kraftvollen und intensiven Spielweise jeden Ballwechsel spielt, als wäre es ein Matchball, haben das Herrentennis auf eine neue Stufe geführt.

22-mal spielten die beiden derzeit besten Tennisspieler bislang gegeneinander. Mit 14:8 spricht die Bilanz noch eine klare Sprache für Nadal. Davon spielten die beiden allerdings zwölfmal auf Nadals Lieblingsbelag auf Sand gegeneinander. Zehnmal ging Nadal dabei als Sieger hervor, darunter dreimal im Finale der French Open. Lediglich in den Finals von Hamburg und Madrid konnte Federer Nadal auf Sand besiegen. Insgesamt spielten beide Spieler 18-mal in einem Finale gegeneinander, davon siebenmal in einem Grand-Slam-Finale. Auf und abseits des Platzes gehen beide sehr freundschaftlich und kollegial miteinander um. Von Rivalität ist nie etwas zu hören, stattdessen von großem Respekt für den anderen.

"Wir haben ein sehr, sehr gutes Verhältnis miteinander. Ich habe großen Respekt vor Roger. Er ist eine sehr bedeutsame Person für unseren Sport. Ich habe ihn noch nie wie einen Rivalen gesehen", sagte Nadal über den Schweizer. "Natürlich wollen wir beide unbedingt gewinnen, aber unsere Spiele laufen jederzeit in fairem Rahmen ab und das spüren auch die Fans. Es ist sicher auch anders als bei einem Boxkampf oder als früher teilweise im Tennis. Wir zeigen, dass es auch mit guten Manieren geht", beschrieb Federer die Situation zwischen den beiden. Das Duell Federer gegen Nadal wird wohl noch einige Zeit andauern und nicht nur die Tenniswelt verzaubern.

Boris Becker gegen Michael Stich (Bilanz 8:4)

Die größte Rivalität zweier deutscher Tennisspieler hatten natürlich Boris Becker und Michael Stich. Die Begegnungen hatten ihre Brisanz darin, dass beide sich während ihrer aktiven Zeit nicht sonderlich gut leiden konnten. Becker war der Liebling, dem durch seine extrovertierte Art die Herzen nur so zuflogen. Stich kam beim deutschen Publikum durch seine zurückhaltende und teilweise unterkühlte Art dagegen oft nicht so gut an. "Wir sind nicht die besten Freunde, aber auch keine Feinde. Die Rivalität ist da, das ist normal, das ist gesund" beschrieb Stich die damalige Situation.

Becker entschied schließlich das Duell mit Stich mit acht Siegen bei vier Niederlagen für sich. Trotzdem gelang es Stich mit seinem Wimbledonsieg 1991, Boris Becker die wohl bitterste Niederlage in seiner Karriere zuzufügen. Zwei Jahre später im Viertelfinale von Wimbledon konnte sich Becker dafür jedoch revanchieren. Mit zwei glatten Siegen 1992 in Hamburg (6:1, 6:1) und 1995 in Stuttgart (6:0 und 6:3) von Stich kassierte Becker allerdings auch vor heimischem Publikum zwei sehr schmerzhafte Niederlagen und wurde teilweise von seinem Landsmann vorgeführt.

Trotz aller persönlichen Differenzen zwischen Becker und Stich, erlebten beide mit dem Gewinn der olympischen Goldmedaille im Doppel 1992 in Barcelona gemeinsam einen Karriere-Höhepunkt. Nach ihrer Karriere schlossen beide endlich richtig Frieden. "Deutschland war vielleicht zu klein für zwei gute Tennisspieler. Wir waren bittere Rivalen. Mein Problem mit ihm war, er war so teuflisch gut auf dem Platz; an einem guten Tag unschlagbar", sagte Becker rückblickend auf die gemeinsamen Duelle. (Foto: Jürgen Hasenkopf)

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