Große Duelle und Rivalitäten im Damentennis

Freitag, 11.02.2011 | 09:18 Uhr
© GEPA pictures

Navratilova gegen Evert, Graf gegen Seles, Serena gegen Venus. tennisnet.com präsentiert die brisantesten Duelle auf der Damentour.

Von Christian Albrecht Barschel

Der Sport lebt durch Rivalitäten und große Duelle. Im Fußball steckt in Länderspielen zwischen Deutschland und England sowie zwischen Brasilien und Argentinien immer erheblich Brisanz und elektrisiert die Fans. Im Boxen faszinierten die Kämpfe zwischen Muhammad Ali und Joe Frazier weltweit die Massen und in der Formel 1 lieferten sich Ayrton Senna und Alain Prost packende Zweikämpfe. Auch im Tennis gab es in den letzten Jahrzehnten immer wieder besondere Rivalitäten, die auch den Reiz des "weißen Sports" ausmachen. tennisnet.com präsentiert einige der großen Duelle im Damentennis.

Martina Navratilova gegen Chris Evert (Bilanz 43:37)

Martina Navratilova gegen Chris Evert ist die Mutter aller Tennisrivalitäten. Navratilova beschrieb die Rivalität als das "amerikanische Mädchen von nebenan gegen die muskulöse Lesbe". Insgesamt gab es zwischen 1973 und 1988 sage und schreiben 80 Duelle zwischen der gebürtigen Tschechoslowakin und der US-Amerikanerin, 61 Spiele davon waren Endspiele. Die Bilanz spricht mit 43:37 für Navratilova, die auch die wichtigen Spiele meist für sich entschied. 14-mal trafen sich Navratilova und Evert in einem Grand-Slam-Finale, zehnmal behielt Navratilova die Oberhand.

"Das Schöne an unsere Rivalität war nicht nur, dass wir so oft gegeneinander gespielt haben, sondern der Kontrast. Wir waren wie Tag und Nacht. Sie war aggressiv, ich war eine Counterpuncherin. Sie war muskulös, ich nicht. Sie kam aus einem kommunistischen Land, ich war eine Amerikanerin aus dem Land der Freiheit. Sie war emotional, ich war cool", sagte Evert zu der gemeinsamen Rivalität, die in der Filmdokumentation "Unmatched" beleuchtet wird. Auch für Navratilova zählen die vielen Duelle mit Evert zu der größten Sportrivalität aller Zeiten. "Ohne Zweifel ist sie das. Es ist die Langlebigkeit. Du hast Qualität und Quantität. Die meiste Zeit waren wir Nummer eins und zwei. Es war einzigartig. Es ist schwer das zu kopieren."

Steffi Graf gegen Monica Seles (Bilanz 10:5)

Die Rivalität zwischen Steffi Graf und Monica Seles war ein würdiger Nachfolger für die großen Duelle zwischen Navratilova und Evert. Wieder waren es packende Spiele auf höchstem Niveau zwischen der Nummer eins und der Nummer zwei im Damentennis. Doch als die Rivalität zwischen der Deutschen und der gebürtigen Jugoslawin ihren Höhepunkt erreicht hatte, geschah das Unfassbare. Seles wurde am 30. April 1993 beim WTA-Turnier in Hamburg während des Seitenwechsels vom irren Graf-Fan Günter Parche mit einem 22 Zentimeter langen Küchenmesser in den Rücken gestochen. Zwar hätte Seles laut Aussage der Ärzte nach drei Monaten auf den Platz zurückkehren können, doch die seelischen Narben waren einfach zu groß für die damalige Weltranglisten-Erste.

Graf besuchte Seles im Krankenhaus, aber es gab nicht viel zu sagen. "Ich hatte das Gefühl, als würde jeder von dieser Attacke profitieren, außer mir", sagte Seles. Bis zum Messerattentat duellierten sich Graf und Seles zehnmal, darunter bei vier Grand-Slam-Endspielen, von denen Seles drei gewann. Nach ihrem Comeback im August 1995 kreuzten sich die Schläger der beiden noch fünf weitere Male. Doch Seles fand nie mehr so richtig zu ihrer alten Form zurück. Graf siegte in vier Duellen, dabei zweimal im Finale der US Open. Es bleibt die Frage, wie die Karriere von Monica Seles verlaufen wäre, wenn das Messerattentat am Hamburger Rothenbaum nicht geschehen wäre.

Kim Clijsters gegen Justine Henin (Bilanz 13:12)

Kim Clijsters und Justine Henin haben viel gemeinsam. Beide kommen aus dem kleinen Belgien, beide waren die Nummer eins im Damentennis, beide beendeten völlig überraschend ihre Karriere (Clijsters als Nummer fünf, Henin als Weltranglisten-Erste), beide kamen sie zurück auf die Damentour und gaben ein erfolgreiches Comeback. Doch einen kleinen Unterschied gab es immer zwischen Clijsters und Henin. Während Clijsters mit der flämischen Sprache aufwuchs, sprach Henin meistens nur französisch. Dass ein so kleines Land wie Belgien zwei Weltklassespielerinnen zur gleichen Zeit hervorbringt, kann auch problematisch werden.

Doch Clijsters und Henin gingen mit der Rivalität sehr freundschaftlich um und trieben sich gegenseitig zu Höchstleistungen an. Die Bilanz der beiden ist mit 13:12 für Clijsters nahezu ausgeglichen, wobei Clijsters alle drei Spiele nach den Comebacks für sich entschied. Vor den beiden Rücktritten triumphierte meist Henin in den wichtigen Spielen. Dreimal schlug sie ihre Landsfrau dabei im Finale eines Grand-Slam-Turniers. In den kommenden Jahren hätte es zu weiteren packenden Duellen der beiden Belgierinnen kommen können. Ein Ziel wollten beide sogar gemeinsam verfolgen: die Teilnahme im belgischen Doppel bei Olympia 2012 in London. Doch daraus wird nichts mehr, nachdem Henin aufgrund anhaltender Ellbogenschmerzen ihre Karriere diesmal für immer beenden musste.

Lindsay Davenport gegen Martina Hingis (Bilanz 14:11)

Ähnlich wie die Rivalität zwischen Navratilova und Evert lebten die Duelle zwischen Lindsay Davenport und Martina Hingis von den Gegensätzen. Auf der einen Seite die mit 1,89 Metern Körpergröße lang gewachsene Davenport, die im Verlauf ihrer Karriere immer wieder mit Gewichtsproblemen zu kämpfen hatte und mit krachenden Grund- und Aufschlägen glänzte. Auf der anderen Seite die kleine und zierliche Hingis, die Spielwitz und Raffinesse dagegen setzte.

Zwischen 1997 und 2001 lösten sich die US-Amerikanerin und die Schweizerin immer wieder gegenseitig von der Weltranglistenspitze ab. Von den 25 Spielen zwischen Davenport und Hingis gab es insgesamt 16 Finalduelle in Folge. Während Hingis im Vergleich zu Davenport mit fünf Grand-Slam-Siegen zwei Titel mehr vorzuweisen hat als die US-Amerikanerin, besiegte Davenport bei zwei ihrer Grand-Slam-Siege die Schweizerin im Finale.

Trotzdem stand Davenport in ihre Karriere im Vergleich zu Hingis nur selten im Rampenlicht. "Miss Swiss" liebte das Spiel mit den Medien, die recht scheue Davenport ließ lieber ihren Schläger sprechen. Ein Vorfall auf dem Flughafen machte die besondere Situation deutlich. Davenport durfte ihre Schläger nicht an Bord in den Flieger nach Australien nehmen. Dagegen stellte es für Hingis kein Problem dar. Die US-Amerikanerin, zu diesem Zeitpunkt Weltranglisten-Erste, fragte bei einem Quantas-Mitarbeiter nach, warum ihre Rivalen denn die Schläger mit an Bord nehmen dürfe. "Nun, Martina Hingis braucht ihre Schläger", so die lapidare Antwort.

Serena Williams gegen Venus Williams (Bilanz 13:10)

Ein Bruderduell zwischen den Klitschkos im Boxring wird es mit sehr großer Wahrscheinlichkeit nie geben. Dagegen ist ein Schwestern-Duell zwischen Serena Williams und Venus Williams auf dem Tennisplatz schon häufig Realität geworden. 23-mal gab es schon den "Sister-Act" der US-Amerikanerinnen. Mit 13:10 führt Serena im Schwestern-Wettstreit und konnte auch die letzten vier Spiele gegen ihre ältere Schwester gewinnen. Achtmal standen sich Serena und Venus in Grand-Slam-Endspielen gegenüber - dabei sogar in vier aufeinanderfolgenden Grand-Slam-Finals - sechsmal durfte Serena die Siegestrophäe in die Höhe stemmen.

Oft machten Gerüchte die Runde, dass die Siegerin schon vor dem ersten Ballwechsel feststand und der Matchausgang abgesprochen war. Dieses wurde aber von der Williams-Familie und dem Rest der Tennisszene heftig widersprochen. Anfangs waren die Duelle der Schwestern noch von viel Nervosität, vielen Fehlern und wenig Emotionen geprägt. Zwar lebten Serena und Venus auch später ihre Emotionen nicht so wie sonst aus auf dem Platz, wenn sie aufeinander trafen, doch die Qualität ihrer Duelle stieg deutlich an.

Dabei gab es über die Jahre hinweg nie böses Blut zwischen den beiden. "Die Familie kommt zuerst, und das ist das Wichtigste. Wir haben begriffen, dass unsere Liebe tiefer ist als das Tennisspiel", sagte Serena über die Rivalität mit Venus. Sind die Williams-Schwestern im Einzel schon schwer zu besiegen, gelten beide als gemeinsames Doppel als fast unschlagbar. Serena und Venus siegten als Duo bei jedem ihrer zwölf Grand-Slam-Endspiele und holten zudem zweimal olympisches Gold für die USA. (Foto: GEPA pictures)

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