NHL-Draft 2017: Nico Hischier als erster Schweizer Nummer-1-Pick zu den New Jersey Devils

Ein talentierter Elchkopf aus der Schweiz

Samstag, 24.06.2017 | 08:31 Uhr
Nico Hischier könnte von den New Jersey Devils an erster Stelle ausgewählt werden
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In der Nacht vom 23. auf den 24. Juni war im United Center in Chicago zum 55. NHL Entry Draft in der Geschichte der Liga. Nico Hischier lieferte sich mit dem Kanadier Nolan Patrick ein Kopf-an-Kopf-Rennen um den Nummer-eins-Pick. Der Schweizer konnte seinen Kontrahenten übertrumpfen und die Verantwortlichen der New Jersey Devils überzeugen. Ein Eintrag in die Geschichtsbücher ist dem 18-Jährigen unabhängig vom Ausgang so sicher wie die Gewissheit, dass der Weg im Anschluss noch lange nicht zu Ende ist.

Dieser Artikel wurde erstmals am 23. Juni 2017 vor dem Draft veröffentlicht.

"Niiiccccooo Hischieeeeee", hallt es durch das Scotiabank Centre in Halifax. Der Stadionsprecher der Mooseheads, die ihre Heimspiele in der Arena austragen, erinnert mit seinem herausstechenden Enthusiasmus an einen brasilianischen Fußballkommentator.

Er zieht den Namen des Youngsters aus der Schweiz erst in die Länge und lässt ihn dann schier endlos lange nachhallen. Auch die Fans der Elchköpfe ziehen mit, sind sie die Prozedur durch Hischiers überzeugende Rookie-Saison inzwischen doch bereits gewohnt.

Der 18-jährige Center der Truppe aus Halifax hat sich in nur einem Jahr in die Herzen der Anhänger und gleichzeitig auch die Notizblöcke der unzähligen Scouts der NHL gespielt.

Beim 55. NHL Entry Draft am 23. Juni 2017 im United Center in Chicago gilt die Nummer 13 deshalb als einer der Top Prospects und liefert sich im Vorfeld mit dem Kanadier Nolan Patrick ein Kopf-an-Kopf-Rennen um den Nummer-eins-Pick des Jahrgangs.

Die Top Prospects von NHL Central Scouting der letzten zehn Jahre

JahrSpielerNummer-eins-Pick
2007Kyle TurrisPatrick Kane
2008Steven StamkosSteven Stamkos
2009John TavaresJohn Tavares
2010Taylor HallTaylo
2011Ryan Nugent-HopkinsRyan Nugent-Hopkins
2012Nail JakupovNail Jakupov
2013Seth JonesNathan MacKinnon
2014Samuel BennetAaron Ekblad
2015Connor McDavidConnor McDavid
2016Auston MatthewsAuston Matthews
2017Nolan PatrickNico Hischier

Unabhängig davon, an welcher Stelle Hischier im Endeffekt gezogen wurde, geht für den am 4. Januar 1999 in Naters geborenen Schweizer ein lang gehegter Traum in Erfüllung. "Ich habe das Spiel geliebt, seit ich erstmals auf dem Eis gestanden bin", erklärte der Center gegenüber nhl.com. "Mein Ziel war immer, ein besserer Eishockey-Spieler zu werden."

Über den Tellerrand blickte der sportbegeisterte Schweizer als Jugendlicher dennoch. Oft stand er in seiner Heimat auf einem Snowboard oder jagte mit Skiern unter den Füßen einen Berghang hinab. Sein Vater Rino ist als Versicherungskaufmann tätig, seine Mutter Katja als Sportlehrerin. Beide ließen ihren drei Kindern, von denen Nico das jüngste ist, jederzeit den Raum, sich selbst zu entfalten, betonten die Bedeutung eines eigenen Weges.

"Als Kind habe ich viele Sportarten gemacht. Neben Fußball und Eishockey auch Tennis sowie Judo und kurzzeitig bin ich mit meiner Schwester sogar zum Kunstturnen gegangen", erinnerte sich der Hoffnungsträger einer ganzen Nation an seine Kindheit.

Trotz seiner Experimentierfreudigkeit gab es jedoch immer eine Konstante: das Eishockey.

Der Traum von einer Karriere auf Kufen, auf denen er das erste Mal als 2-Jähriger stand, sorgte dafür, dass Hischier den 8.000-Seelen-Ort, der im Süden des Landes nahe der italienischen Grenze liegt, in jungen Jahren verließ. Nachdem er die Jugendstationen des EHC Visp durchlaufen hatte, zog es ihn zum SC Bern, bei dem bereits sein vier Jahre älterer Bruder Luca, der stets ein Vorbild für Nico war, die Schlittschuhe schnürte und der ihm den frühen Auszug aus dem Elternhaus mit einer Wohngemeinschaft erheblich vereinfachte.

Der Sport steht im Vordergrund

Für Hischier gab es keine Zweifel an diesem Schritt. Ausschlaggebend waren für den ambitionierten Youngster sportliche Aspekte, denen er nahezu alles unterordnete.

Der damals 15-Jährige wurde zeitnah in die erste Mannschaft integriert, absolvierte 15 Spiele und erzielte ein Tor. Hischier profitierte in Bern besonders von seinem Coach, Guy Boucher. Der Chef hinter Bande, der inzwischen bei den Senators arbeitet und die Truppe aus Ottawa in die Conference Finals 2017 führte, hatte großen Einfluss auf die Entwicklung.

Boucher war es auch, der seinen Schützling zum nächsten großen Wagnis in jungen Jahren riet, das allerdings eher ein logischer Schritt als ein unüberschaubares Risikounterfangen war. Nach einer kurzen Leihe zu Visp ging es für Hischier mit 17 über den Großen Teich nach Nordamerika. "Natürlich war es ein großer Schritt von der Familie wegzuziehen. Aber ich habe mich gut eingelebt", erklärte Hischier, der bei einer Gastfamilie lebt, dem SRF.

In der Quebec Major Junior Hockey League, kurz QMJHL, unterschrieb er bei den Halifax Mooseheads, die ihn im CHL Import Draft an sechster Stelle ausgewählt hatten - und zahlte das Vertrauen umgehend mit starken Leistungen im Dress der Kanadier zurück.

In der Regular Season war er in 57 Spielen 38 Mal erfolgreich und konnte 48 Assists beisteuern. Nach den Playoffs standen 41 Tore sowie 52 Vorlagen zu Buche. Seine Leistungen brachten ihm unter anderem den Rookie of the Year-Award ein. Für die Schweiz glänzte er beim IIHF 2017 World Junior Championship mit vier Toren und drei Assists.

Instinkt und Köpfchen

Hischier überzeugt auf dem Eis bei einer Körpergröße von 183 Zentimetern und einem Gewicht von 81 Kilogramm mit seinem Spielverständnis, Instinkt und Ehrgeiz. Er strahlt eine Leichtigkeit aus, die beeindruckt. Der Linkshänder wirkt smart und elegant wie kaum ein anderer Spieler im Draft, ist schnell und legt viel Wert auf die eigene Defensivarbeit.

Darüber hinaus ist er als ein Center aufgefallen, der es durch seinen Hockey-IQ vermag, Chancen praktisch aus dem Nichts zu kreieren und seine Kollegen auf dem Eis besser zu machen. Dass er körperlich zulegen muss, steht außer Frage. Dies dürfte angesichts des Talents und starken Auftritts bei der NHL-Combine aber im Hintergrund stehen.

Aufgrund seiner Leistungen und Anpassungsfähigkeit steht fest, dass Hischier am 23. Juni der fünfte Spieler der Mooseheads in den letzten fünf Jahren sein wird, der unter den ersten zehn Akteuren von einem Team aus der Königsklasse des Eishockeys verpflichtet wurde.

Mit Nathan MacKinnon, der von den Colorado Avalanche im Jahr 2013 an Nummer eins ausgewählt wurde, Jonathan Drouin (2013, Nummer drei, Tampa Bay Lightning), Nikolaj Ehlers (2014, Nummer neun, Winnipeg Jets) und Timo Meier (2015, Nummer neun, San Jose Sharks) verfügt die Franchise aus Halifax über einen starken Arbeitsnachweis in der Entwicklung und Förderung von jungen Talenten. Hischier sticht aber nochmals heraus.

Ein großer Tag für die Schweiz

Den historischen Abend, an dem er seinen Landsmann Nino Niederreiter übertrumpfte, erlebte der Youngster zusammen mit seinen Eltern, die ihn nach Chicago begleitet haben. Niederreiter wurde im Jahr 2010 von den New York Islanders an der fünften Stelle des Drafts gezogen und steht inzwischen für die Minnesota Wild auf dem Eis.

"Ich kenne Nino nicht persönlich, doch wenn man in der Schweiz aufwächst und Eishockey spielt, dann ist er einem natürlich ein Begriff", sagte Hischier im Hinblick auf den Eintrag in den Geschichtsbüchern. "Es wäre schon etwas Besonderes. Ich wäre froh, ein Stück Geschichte schreiben zu können. Aber ich nehme es, wie es kommt."

Obwohl in der Schweiz in der Draft-Nacht alle Augen auf ihn gerichtet sein werden, ist der ehemalige SC-Akteur nicht allein. In Chicago kommen sechs weitere Schweizer für den Draft in Frage, wenngleich sie mit den Fähigkeiten des Top Picks nicht mithalten können.

Tobias Giesser vom EV Zug dürfte ziemlich sicher verpflichtet werden, sein Teamkollege Sven Leuenberger sowie Simon Le Coultre von den Moncton Wildcats sollten gute Chancen haben. Für Roger Karrer und Raphael Prassl, beide bei den ZSC Lions unter Vertrag sowie Matteo Ritz von Lausanne HC wird es hingegen schwer, einen Platz zu ergattern.

Top-50-Picks der Schweizer im NHL-Draft

PickSpielerJahrTeam
1Nico Hischier2017New Jersey Devils
5Nino Niederreiter2010New York Islanders
9Timo Meier2015San Jose Sharks
11Kevin Fiala2014Nashville Predators
13Sven Bärtschi2011Calgary Flames
14Michel Riesen1997Edmonton Oilers
18Mirco Müller2013San Jose Sharks
19Luca Sbisa2008Philadelphia Flyers
24Luca Cereda1999Toronto Maple Leafs
34Tobias Stephan2002Dallas Stars
38Roman Josi2008Nashville Predators
39Tim Ramholt2003Calgary Flames
46Dan Fritsche2003Columbus Blue Jackets

Authentisch, bodenständig - und fokussiert

Hischier zeigte sich im Vorfeld des wichtigsten Abends seines Lebens indes nicht nur authentisch, sondern auch bodenständig. Nervös sei er eigentlich nicht, gewährte der Center einen Einblick in sein Innerstes. Stattdessen sprach er "von einer großen Vorfreude. Ich freue mich einfach riesig auf diesen Tag." Die Position, an der Hischier ausgewählt werden wird, spielt für den Youngster selbst deshalb nur eine untergeordnete Rolle.

Die Nummer eins stünde zwar für den Moment des Drafts über allem, er wäre aber auch glücklich, "wenn ich als Zweiter, Dritter oder Vierter gezogen werde", erklärte Hischier, der betonte, sich von all den Lobeshymnen, die in der Presse auf ihn gesungen wurden, und dem Medienspektakel, das mit seinem Namen einhergeht, nicht beeinflussen zu lassen.

"Ich habe einfach versucht, mich auf das Eishockey zu konzentrieren und nicht zu viel über das Drumherum zu studieren oder Sachen über mich nachzulesen. Aber klar, das eine oder andere habe ich natürlich trotzdem mitgekriegt. Das lässt sich heutzutage mit Social Media gar nicht verhindern", sagte Hischier und unterstrich einmal mehr sein für ihn typisches Selbstverständnis: "Der Gedanke, ich sei jemand Besseres, existiert nicht."

Es verwundert angesichts der geistigen Reife des 18-Jährigen wenig, dass der Schweizer für seinen großen Konkurrenten im Kampf um den Nummer-eins-Pick nur lobende Worte findet: "Nolan Patrick ist ein super Typ und ein sehr guter Hockeyspieler. Klar wäre es cool, die Nummer eins zu sein, aber ich würde es ihm auch sehr gönnen."

Eishockey im Blut und ein großer Nachteil

Der 191 Zentimeter große Center der Brandon Wheat Kings gilt bei vielen Experten noch immer als erster Pick des Drafts 2017. Als Sohn von Steve Patrick, der 250 Spiele in der NHL absolvierte und für die Buffalo Sabres sowie die New York Rangers als Right Wing tätig war, liegt dem 18-Jährigen Eishockey im Blut. Sein Onkel James Patrick brachte es gar auf über 1200 NHL-Auftritte und war danach als Assistenztrainer der Dallas Stars tätig.

Den Rechtshänder zeichnen neben seiner Explosivität auf dem Eis eine große Übersicht und ein Instinkt, den man nicht antrainieren kann, aus. Auch physisch hat er durch seine Größe und sein Gewicht von 90 Kilogramm gegenüber Hischier eigentlich einen Vorteil.

Eigentlich. Denn auf der physischen Seite hakte es trotz bester Voraussetzungen immer wieder. In der Liga stand der Center der Kings nur in 33 Spielen auf dem Eis, nachdem er mit Bauchmuskelproblemen zunächst zu Beginn der Spielzeit ausgefallen war.

Zwar verbuchte er in diesem Zeitraum 20 Tore und 26 Assists, fiel in den Playoffs aber erneut aufgrund einer Verletzung aus. Diesmal hatte sich Patrick, der auch als Right Wing spielen kann, eine Blessur am Knie zugezogen, die einen Einsatz unmöglich machte. Auch die U20-WM musste der Mann aus Kanada aufgrund der Beschwerden ausfallen lassen.

Wie die New Jersey Devils, die in der Lotterie das Recht des ersten Picks erhielten, auf die Verletzungsanfälligkeit reagieren, ist kaum abzuschätzen. Die Tatsache, dass die Franchise aus Newark ernsthaft über Hischier als Nummer-eins-Pick nachdenken dürfte und dieser sehr gut zum Team von Coach John Hynes passen würde, ist aber hinlänglich bekannt.

Ein erster Schritt in die Zukunft

Dass die wahre Herausforderung erst nach dem historischen Abend warten wird, ist Hischier indes allerdings klar. "Ich habe noch einen langen Weg vor mir", sagte er im Interview mit nhl.com. In die gleiche Kerbe schlug auch Manager Gaeten Voisard.

"Nico weiß, der Draft garantiert noch keine Karriere in der NHL", blickte der ehemalige Nationalspieler der Schweiz in die Zukunft, attestierte seinem Schützling aber im gleichen Atemzug die Professionalität, um seine Träume zu verwirklichen.

Wie es weiter geht, steht nicht fest. Zuletzt wurde spekuliert, der Oberwalliser könne nach der NHL-Unterschrift nach Bern zurückkehren, um Spielpraxis zu sammeln. Der Schweizer reagierte gelassen: "Ich warte erst den Draft ab, dann wird Karriereplanung gemacht."

Egal wo es letztlich hingeht, die Fans dürfen sich auf "Niiiccccooo Hischieeeeee" freuen. Und nun haben die New Jersey Devils zugeschlagen.

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