No.1-Pick Auston Matthews im Porträt

Ein Wüstenjunge als Heilsbringer

Von Robert Arndt
Samstag, 12.11.2016 | 15:06 Uhr
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Der No.1-Pick des 2016er NHL-Drafts ist anders. Er ist nicht Kanadier oder Skandinavier. Der 19-jährige Auston Matthews von den Toronto Maple Leafs ist US-Amerikaner mit mexikanischen Wurzeln. Doch kommt er nicht aus dem kalten Norden, sondern aus Arizona. Und auch sonst erinnert wenig an einen typischen Werdegang eines Eishockey-Spielers.

Ein Umzug einer Franchise geht selten ohne Nebengeräusche vonstatten. So auch 1996 im Fall der Winnipeg Jets, die ihre Zelte neu in Phoenix aufschlugen und sich von nun an Coyotes nannten. Das Mutterland des Eishockeys verlor eine Traditionsfranchise, während in der Wüste Arizonas eine Halle und die nötige Infrastruktur aus dem Boden gestampft wurden.

Der Bundesstaat Arizona wird nicht umsonst auch als Wüstenstaat bezeichnet. Ohne Erbarmen brennt die Sonne für den Großteil des Jahres auf den trockenen Boden. So etwas wie einen Winter gibt es schlicht und einfach nicht. Mit Ausnahme einer Anomalie der Natur im Jahr 2013 schneite es in der Metropolregion Phoenix nicht mehr seit 1937.

Erste Schritte in Scottsdale

Doch mit dieser Relokalisierung beginnt auch die Geschichte von Auston Matthews, dem Top-Pick des diesjährigen Draft-Jahrgangs. Geboren im sonnigen Kalifornien zog die Familie früh nach Scottsdale, einem Vorort von Phoenix. Dort sah der kleine Auston bereits mit zwei Jahren die ersten Gehversuche der Coyotes und war seitdem mit dem Hockey-Virus infiziert.

"Wenn die Coyotes nicht vor unserer Haustür gespielte hätten, hätte er wohl Baseball oder Football gespielt", erklärte später Matthews' Vater die ersten Gehversuche seines Sohnes.

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Eisflächen waren jedoch trotz der großen Baumaßnahmen in der Metropolregion Phoenix rar. Matthews übte zunächst auf einem kleinen Halbfeld, bei dem es im Drei-gegen-Drei ordentlich zur Sache ging. Vermehrte Puck-Zeiten und mehr Action verfeinerten schnell die Skating- und Schusstechnik des jungen Kaliforniers. Auch der Weg zum Tor war so kürzer und so entwickelte Matthews früh in seinem Leben den Torhunger, der ihn später auszeichnen würde.

Wechsel nach Michigan

Um professionell Hockey spielen zu können, mussten die Eltern viel Geld auf den Tisch legen, speziell in einer Gegend wie Arizona mit limitierten Möglichkeiten und weniger starken Kontrahenten wie im Hockey-Paradies Kanada. Der junge Matthews dominierte mit Toren und herausragendem Skating, wodurch auch das USA Hockey's National Team Development Program (USDP) auf den damals 15-Jährigen aufmerksam wurde. Erst dann bekam der Center erstmals professionelles Training. Dabei spielte er zumeist gegen zwei Jahre ältere Gegner und dominierte auch dort.

Selbst von einem Oberschenkelknochenbruch ließ sich Matthews nicht unterkriegen und zeigte weiter starke Leistungen, die ihn in die Notizbücher der NHL-Scouts katapultierten. Unter anderem brach er den Rekord des jetzigen Blackhawks-Stars Patrick Kane von 102 Punkten, indem er selbst astronomische 116 Punkte (55 Tore, 61 Assists) sammelte. Eine Einladung für das US-Team, also die Herren, war der endgültige Ritterschlag. Noch nie zuvor war ein bislang nicht für den Draft verfügbarer Spieler für die Nationalmannschaft der Amerikaner ausgewählt worden.

Für den Draft 2015 konnte er sich trotz seiner überzeugenden Leistungen nicht anmelden. Er war schlicht und einfach um zwei Tage zu jung. Was also tun? Der Gang in eine amerikanische Amateurklasse oder ein Jahr in einer kanadischen Jugendliga spielen? Nein, der Matthews-Clan hatte andere Pläne und wählte einen Weg, den zuvor noch kaum jemand gewagt hatte - der Gang nach Europa.

Die Schweiz ruft

Im April 2015 reiste Matthews erstmals in die Schweiz. Mit der U18-Auswahl der USA holte der Top-Prospect Gold und knüpfte dort erste Kontakte, darunter auch mit dem ehemaligen NHL-Coach Marc Crawford, der nun Trainer in der NLA bei den ZSC Lions war.

Vater Brian erklärte die Entscheidung im Anschluss so: "Er will immer die Herausforderung. Er will sich mit den Besten messen, um seinen Fähigkeiten zu überprüfen und zu sehen, woran er noch arbeiten muss." Und Matthews schlug ein, selbst zur Überraschung seines Trainers: "Ich dachte, er würde erst zum Ende der Saison ein Spitzenspieler sein, aber er war von Anfang an herausragend. Er ist der beste Spieler der Liga."

Zwar verpasste der Neuling die ersten vier Spiele, da er als Minderjähriger noch keine Arbeitserlaubnis hatte, doch zum Ende der Saison standen folgende Zahlen zu Buche: 36 Spiele, 24 Tore, 22 Assists. Topscorer des besten Regular Season Teams, Ehrung zum Aufsteiger der Saison und die Wahl ins All-Star-Team - mit gerade einmal 18 Jahren.

WM mit 18 Jahren

In der Heimat blieb dies natürlich nicht unbemerkt. Alle großen Sportmedien stürzten sich auf den Teenager und schrieben große Homestorys über sein Leben auf dem alten Kontinent. Immer an seiner Seite war dabei Matthews' Mutter, während Vater Brian und seine beiden Schwestern in Arizona blieben.

Auch das Team USA meldete sich erneut, Matthews kam mit zarten 18 Jahren in den Genuss, eine Weltmeisterschaft zu spielen. Der Medaillentraum platzte zwar im Halbfinale gegen die Kanadier, aber das Küken der Mannschaft zeigte gute Leistungen und konnte sich gleich sechs Mal in die Torschützenliste eintragen.

Es war die letzte große Bühne vor dem Draft und die Erinnerung an alle GMs, welch Potenzial der Center besitzt und welch großes Durchsetzungsvermögen er bereits in jungem Alter gegen die besten Spieler hat. Auch sein Trainer in der Schweiz rührte noch einmal kräftig die Werbetrommel: "Die Leute werden von seinem Talent beeindruckt sein. Er ist der Real Deal." Selbst Superstar Sidney Crosby lobte den Weg des Youngsters und sprach sich für Matthews aus: "Es spielt keine Rolle, wo man spielt. Die Möglichkeit, gegen Männer zu spielen, ist ein Bonus."

Der Heilsbringer

Die Toronto Maple Leafs sahen dies ähnlich und wählten Matthews erwartungsgemäß vor dem Finnen Patrick Laine an erster Stelle aus. Der Hype war natürlich riesig im Eishockey-Mekka, das in den vergangenen Jahren wenig zu lachen hatte.

Die Leafs hatten eine Saison zum Vergessen hinter. Lediglich 29 Siege bedeuteten einen Franchise-Negativrekord für das Mitglied der Original Six. Schlechte Trades und satte 20 Berufungen von Spielern aus diversen Minor Leagues unterstrichen dies.

Doch der Hoffnungsträger blieb angenehm bodenständig und dämpfte die Erwartungen, auch wenn er große Ziele ausrief: "Hockey ist ein Teamsport. Es gibt also nicht so etwas wie einen einzigen Heilsbringer. Trotzdem möchte ich ein einflussreicher Spieler werden. Ich kann das zentrale Puzzlestück einer Franchise und der beste Center in der NHL werden. Das ist mein ultimatives Ziel."

Auch sein Coach Mike Babcock versuchte, gegen die Euphorie anzukämpfen und den Druck von seinem angehenden Star zu nehmen: "Wir müssen uns um ihn kümmern. Er ist noch ein Junge. Er wird uns aber besser machen und sich zu einem der besten Center der NHL entwickeln."

Ein historisches Debüt

Doch so sehr man sich in Toronto bemühte, den Hype um Matthews ein wenig einzudämmen, nach dessen Debüt war dies alles Makulatur. Bereits im zweiten Viertel flogen die Kappen in Ottawa auf das Eis und hatten nur einen Adressaten: Auston Matthews.

Der Debütant zeigte vom Start weg sein ganzes Arsenal. Gewühl vor der Kiste? Matthews behielt die Nerven und schob ein. Scheibengewinn an der blauen Linie, zwei Verteidiger überlaufen, Score aus spitzestem Winkel. Geduldig vor dem Gehäuse gewartet, überlegt eingeschossen. Seinem Hattrick, den er mit seinen ersten drei Schüssen in der NHL erzielte, ließ er noch ein viertes Tor folgen. Das gab es zuletzt vor knapp 100 Jahren.

Entsprechend titelte die Toronto Sun: "Willkommen in den Geschichtsbüchern." Und auch der Gefeierte konnte sein Glück kaum fassen: "Ich wurde mit jeder Minute sprachloser. Ich konnte das alles nicht verstehen, das war einfach surreal, das glaubt man sich selber nicht."

Dass die Maple Leafs das Spiel dennoch in der Overtime mit 4:5 bei den Senators verloren, interessierte am Ende niemanden. Matthews brachte die Hoffnung zurück zu einer Franchise, die über viele Jahre chronisch erfolglos war.

Der späte Lohn

Matthews selbst kämpfte im Anschluss ein wenig mit der Umstellung auf die zahlreichen Spiele und konnte in den folgenden 13 Partien lediglich zwei Tore erzielen. Insgesamt steht er nun bei 12 Scorerpunkten, was immer noch ein guter Wert für einen Neuling ist.

Die Fans werden geduldig bleiben und auf den Durchbruch des Sunnyboys hoffen. Denn: Sollte Matthews das Versprechen für die Zukunft halten und sich zu einem Superstar entwickeln, hatte der Umzug Winnipegs in die Eishockey-Prärie Arizona doch etwas Gutes. Wenn auch mit fast 20 Jahren Verspätung.

Auston Matthews im Steckbrief

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