Suche nach dem letzten Biss

Dienstag, 22.09.2015 | 21:28 Uhr
Tobias Rieder (M.) will mit den Arizona Coyotes in die Playoffs
© getty
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In der vergangenen NHL-Saison sorgten die Arizona Coyotes nur selten für Jubelstürme bei den eigenen Anhängern, am Ende einer schwachen Spielzeit stand die zweitschlechteste Bilanz der Liga und das dritte Jahr ohne Playoffs in Serie. Dennoch gab es im Wüstenstaat auch Lichtblicke. Tobias Rieder etwa überzeugte als Rookie - und könnte nun zum Wegbereiter für zwei Landsmänner avancieren.

Das zweite Drittel zwischen den Edmonton Oilers und den Gästen aus Arizona ist erst wenige Sekunden alt, da treiben die Fans der Hausherren ihr Team bereits lautstark nach vorne. Durch die Strafe gegen Coyotes-Kapitän Shane Doan liegen die Oilers nicht nur in Führung, sondern sind seit etwas mehr als einer halben Minute auch in Überzahl. Es scheint für Leon Draisaitl und Co. der perfekte Zeitpunkt zu sein, den Vorsprung endlich auszubauen.

Das Team von Head Coach Dallas Eakins hat die Rechnung allerdings ohne einen Rookie gemacht. Nachdem Taylor Hall den Puck nahe der Mittellinie verliert, folgt der große Auftritt von Arizonas Tobias Rieder. Der Left Wing aus Deutschland schnappt sich die Scheibe, lässt nach einem kurzen Sprint Goalie Viktor Fasth im Kasten der Oilers keine Chance und netzt eiskalt zum Ausgleich ein.

Nur 58 Sekunden später verfallen die Fans im Rexall Palace an diesem denkwürdigen 2. Dezember 2014 endgültig in Schockstarre. Fasth blickt fassungslos in Richtung seiner Vorderleute, die noch immer den Vorteil des Powerplays haben. Er ist erneut geschlagen. Bei den Coyotes gibt es hingegen selbst auf der Bank kein Halten mehr. Umringt von seinen Mitspielern feiert Rieder seinen zweiten Unterzahltreffer binnen einer Minute - und wird ein Teil der prestigeträchtigen NHL-Geschichte.

Der Anfang einer großen Karriere?

Nie zuvor war es einem Rookie gelungen, zwei Shorthanded-Treffer in so kurzer Zeit zu erzielen. In der Historie der Coyotes war Rieder zudem erst der zweite Akteur, der dies schaffte. Jenes Kunststück war bisher nur einem gewissen Keith Tkachuk geglückt und zwar vor 20 Jahren.

"Dieser Doppelpack war einfach fanastisch. Meine Teamkollegen haben mich auf der Bank ziemlich komisch angeschaut. Da konnte man schon eine Vorahnung haben, dass so etwas nicht jeden Tag passiert", berichtete der gebürtige Landshuter, der nach dem 5:2-Erfolg der Coyotes, deren Saison überwiegend von Enttäuschungen geprägt war und die zudem vermehrt den letzten Biss vermissen ließen, zum MVP der Partie ernannt wurde, im SPOX-Interview von seinen Erinnerungen.

"Er agiert klug und kann das Spiel gut lesen, hat exzellente Fähigkeiten und ist hartnäckig am Puck", gab es auch von Arizonas Head Coach Dave Tippett Lob für seinen Schützling. Und er ging sogar noch einen Schritt weiter: "Für uns ist das prima, und er hat eine große Karriere vor sich." Zunächst steht für Rieder und Co. jedoch ein Umbruch an.

Neuer Weg in der Wüste

Nachdem Arizona in der vergangenen Spielzeit mit 50 Niederlagen in der Regular Season die zweitschlechteste Bilanz der gesamten Liga aufwies und das dritte Mal in Serie die Playoffs nur als Zuschauer verfolgen konnte, ist ein solcher ohne Zweifel unumgänglich.

Aufgrund der offensiv wie defensiv teils desaströsen Leistungen geriet selbst Tippett, der seit mehr als einer Dekade als Coach in der Liga aktiv ist und über ein hohes Ansehen verfügt, ins Kreuzfeuer. Der 54-Jährige, der auf dem Eis viel Wert auf Geschwindigkeit und technische Fähigkeiten legt, wird das Ruder vorerst allerdings in der Hand behalten. Ein viertes Jahr ohne Postseason soll es nicht geben, dafür muss der Chef hinter der Bande jedoch das fehlende Quäntchen herauskitzeln.

Nicht auf alle Faktoren kann er aber direkten Einfluss nehmen. In Arizona hängt in der kommenden Saison auch viel von den nächsten Entwicklungsschritten junger Akteure ab. Henrik Samuelsson gilt als Kandidat und auch Max Domi dürfte ins Rampenlicht drängen. Rückkehrer Antoine Vermette soll zudem zusammen mit Doan und Rieder, der sein überzeugendes Rookie-Jahr untermauern muss, offensiv auftrumpfen. Von der Bedeutung der Gesundheit Mikkel Boedkers und Martin Hanzals ganz zu schweigen.

Für ausreichend Raum, um einen neuen Weg zu beschreiten, wurde allerdings gesorgt. General Manager Don Maloney räumte den Kader auf. Die Coyotes verlängerten die Arbeitspapiere von David Moss, Mark Arcobello, B.J. Crombeen und Martin Erat nicht und gaben zudem Sam Ganger an die Philadelphia Flyers sowie Lauri Korpikoski an die Oilers ab. In Sachen Neuzugänge warfen die Coyotes im Gegenzug einen Blick über den Tellerrand.

Aus eins mach drei

Wohl nicht zuletzt durch die Leistungen Rieders scheinen die Verantwortlichen Geschmack an Importen aus Deutschland gefunden zu haben. Mit Niklas Treutle und Matthias Plachta sicherte sich die Wüsten-Franchise die Dienste zweier Landsmännern ihrer Nummer acht.

"Matthias ist ein großer, begabter Flügelspieler, der eine sehr gute Saison in der deutschen Liga gespielt hat", begründete Maloney unlängst die Verpflichtung Plachtas, der an beiden Enden des Eises effektiv agieren kann und sich auf dem Flügel wohlfühlt. Insgesamt 19 Tore und 25 Vorlage in 62 Spielen verbuchte der 24-Jährige in der Meistersaison der Adler Mannheim. Auch seine zwei Treffer bei der Weltmeisterschaft in Tschechien dürften nicht verborgen geblieben sein.

"Der Abgang ist natürlich ein herber Verlust für uns", analysierte deshalb Adler-Manager Teal Fowler den Wechsel Plachtas nach Nordamerika: "Wir sind allerdings stolz, dass er seinen Traum verfolgen kann. Außerdem ist sein Wechsel in die NHL eine Auszeichnung für uns und unsere akribische Arbeit mit den Spielern." Ein Hintertürchen bleibt allerdings auch für den Meister offen.

Plachta, der in Arizona einen Entry Level Contract über ein Jahr unterschrieb, hat seinen für fünf weitere Spielzeiten geltenden Kontrakt mit dem Team von Trainer Greg Ireland nicht aufgelöst. Beide Seiten einigten sich darauf, dass das Papier zunächst ruhen solle. Ein interessanter Schachzug und gleichzeitig auch eine Absicherung für den Left Wing.

Nur die Zukunft zählt

Auf einen solchen Rettungsanker verzichtete Treutle komplett. Der Goalie, der in der letzten DEL-Saison noch für Red Bull München auf dem Eis stand und insgesamt 38 Partien im Dress des Teams aus der bayerischen Landeshauptstadt absolvierte, hat sich mit dem EHC darauf geeinigt, dass der gültige Vertrag in beiderseitigem Einvernehmen aufgelöst wurde.

"Es erfüllt mich natürlich mit Stolz, solch eine Chance zu bekommen. Ich freue mich schon sehr auf die nächsten Monate, die sicherlich aufregend werden", äußerte sich Treutle, der mit einer Fangquote von 92,3 Prozent zu den besten Goalies der Liga gehörte, nach seinem Abschied: "Ganz egal, wie sich diese Zeit entwickelt, es wird in jedem Fall eine prägende Erfahrung in meinem Sportlerleben werden." Wie Plachta wurde auch der ehemalige Münchner mit einem Entry Level Contract ausgestattet.

Im Kasten der Coyotes wird allerdings auch in Zukunft Mike Smith, der unter der Leitung von Jon Elkin die schlechteste Saison seiner Karriere hinter sich lassen will, gesetzt sein. Dahinter würde sich Treutle ein Duell mit Anders Lindback liefern. Eindrücke während des Trainingscamps machen Hoffnung - zumindest auf einen Platz im AHL-Kader.

Was passiert, wenn...

Sowohl Plachta als auch Treutle müssten über sich hinauswachsen, soll es mit dem Kaderplatz zur neuen Saison etwas werden. Der Left Wing, dessen Chancen durch die eher dünn besetzte Offensive der Coyotes gar nicht schlecht stehen, will die Zeit in Nordamerika auf jeden Fall nutzen und sich notfalls bei den Springfield Falcons in der AHL empfehlen. Auch Treutle wird wohl über Umwege an seinem Traum feilen.

Beiden dürfte in diesem Zusammenhang durchaus bewusst sein, dass ihnen auch ein Jahr in der AHL bei ihrer Entwicklung mehr weiterhelfen wird, als es eine Spielzeit in der DEL aktuell könnte. Illusionen und Eitelkeiten sind angesichts der großen Chance fehl am Platz. Außerdem dürfte die momentane Situation beiden Neuankömmlingen in die Karten spielen, denn die kommende Saison im Wüstenstaat wird wegweisend.

Angeführt von Doan, der beim Saisonstart am 10. Oktober gegen die Pittsburgh Penguins 39 Jahre alt sein und in seine 20 Saison gehen wird, allerdings auf der physischen Ebene seinem Alter immer mehr Tribut zollen muss, geht es in der Gila River Arena vor allem um sportliche Wiedergutmachung sowie die damit einhergehende Wende.

Dass bei den Coyotes, die seit geraumer Zeit zudem um den Standort Glendale kämpfen, dann ein deutsches Trio die Liga unsicher macht, ist wenig wahrscheinlich. Ein Umstand, der sich in Zukunft jedoch ändern könnte, sollten sich Plachta und Treutle schnell akklimatisieren und wie das Tippett-Team in den nächsten Monaten den nötigen Biss erkennen lassen.

Der Spielplan der NHL im Überblick

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