Montreals P.K. Subban im Porträt

Der verhasste Liebling

Von Dominik Stenzel
Mittwoch, 06.05.2015 | 22:03 Uhr
P.K. Subban will mit seinen Montreal Canadiens unbedingt den Stanley Cup gewinnen
© getty
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P.K. Subban liebt die Montreal Canadiens - und Montreal liebt Subban. Trotzdem ist der Verteidiger nicht Everybody's Darling. SPOX blickt vor Game 3 der Canadiens gegen Tampa Bay (ab 1.00 Uhr im LIVE-BOXSCORE) auf die Geschichte eines Mannes aus einer völlig eishockeyverrückten Familie, der genau weiß, wem er seine Karriere zu verdanken hat.

Das Centre Bell in Montreal. Canadiens gegen Senators. Spiel 1 der ersten Playoff-Runde. Knapp neun Minuten sind im zweiten Drittel noch zu spielen. Im Bruchteil einer Sekunde lässt sich P.K. Subban zu einer Aktion hinreisen, die ihn über Nacht zum Bösewicht der Nation werden lässt.

Während sich Senators-Stürmer Mark Stone vor Goalie Carey Price in Position bringt, schlägt ihm Subban mit einem Slash auf das ungeschützte Handgelenk. Der Puck ist nicht einmal in der Nähe. Stone krümmt sich vor Schmerzen, hält seine Hand und macht sich sofort auf den Weg in den Locker Room.

Subban wird von den Schiedsrichtern vorzeitig zum Duschen geschickt. Allerdings macht er auf dem Weg in die Kabine nicht gerade den Eindruck, als ob er sich irgendeiner Schuld bewusst wäre. Mit ungläubiger Miene schaut er sich auf dem Anzeigewürfel die Szene noch einmal an. Stone erleidet eine Mikrofraktur am Handgelenk, die ihn die komplette Serie einschränkt.

Es war eine Szene, die typisch ist für P.K. Subban. Der Kanadier steht in den Playoffs 60 Minuten unter Strom. Sein Ziel ist es, den gegnerischen Stürmern das Leben zur Hölle zu machen. Die Grenze zwischen fairem und unfairem Spiel verkommt dabei zu einem schmalen Grad. Seine unsportliche Aktion gegen Stone brachte das Fass zum überlaufen. Experten und Medien stürzten sich auf Subban, die NHL wendete sich gegen den Missetäter - doch keinesfalls die komplette Liga. Den Beweis lieferte Spiel 2.

"P.K. war einfach P.K."

Subban war wieder spielberechtigt. Und 22.000 Habs-Fans unterstützten ihn bedingungslos. Der Publikumsliebling dankte es ihnen und lieferte eine herausragende Vorstellung. Er spielte wie aufgedreht, feuerte fünf Mal auf das Tor und erhielt die meiste Eiszeit.

Als Krönung erzielte er das zwischenzeitliche 2:1 in unnachahmlicher Manier: Sein gewaltiger Schlagschuss lies sogar Senators-Goalie Andrew Hammond zusammenzucken. Seinen Coach Michael Therrien hat Subban mit dieser Leistung nicht überrascht: "Ich habe ein großartiges Spiel von ihm erwartet. Wir kennen P.K. gut und P.K. war einfach P.K.", sagte er im Anschluss.

Der Matchwinner selbst dankte nach dem Spiel Elise Beliveau, Ehefrau des kürzlich verstorbenen Jean Beliveau. Die Witwe der Montreals-Legende trug sein Trikot mit der Nummer 76 - eine große Ehre für den 25-Jährigen.

"Vor dem Spiel war ich aufgeregt und ich war sogar noch mehr aufgeregt, als ich sie dort sitzen sah. Dann steht sie auf und zeigt mir, dass sie mein Trikot trägt. Das war eines der nettesten Dinge, die ich je gesehen habe. Es ist toll diese Unterstützung zu erhalten", sagte Subban stolz. Der Abend zeigte: Montreal liebt P.K. Subban und P.K. Subban liebt Montreal.

"Meine Eltern haben jede Menge aufgegeben"

Dabei ist P.K. ist nicht der erste Subban, der tiefe Zuneigung für die Canadiens empfindet. Auch sein Vater ist seit jeher glühender Anhänger der Traditions-Franchise. Als Elfjähriger kam Karl Subban aus Jamaika ins kanadische Sudbury, Ontario.

Schon bald begeisterte er sich für die Nationalsportart und eiferte auf den städtischen Eisflächen seinem Vorbild, Montreals Torwartlegende Ken Dryden, nach. Die Aussicht auf eine eigene Profilaufbahn musste er allerdings schon bald begraben - seiner Familie fehlte schlichtweg das Geld, um die teure Ausrüstung zu bezahlen.

Aus diesem Grund schwor sich Karl Subban, seinen Söhnen die bestmöglichen Voraussetzungen zu schaffen, damit sie das erreichen können, was ihm selbst verwehrt blieb: eine Karriere in der NHL. Ähnlich wie Walter Gretzky errichtete er hinter seinem Haus sogar eine Eisfläche.

Leon Draisaitl im SPOX-Interview

"Was meine Eltern für mich und meine Geschwister getan haben, ist nicht normal. Es ist nicht einfach, drei Kindern das Eishockeyspielen zu ermöglichen und zwei Töchter zur Universität zu schicken. Meine Eltern haben dafür jede Menge aufgegeben", erinnert sich P.K.. Zeitweise mussten die Subbans sogar Schokolade bei den Spielen ihrer Sprösslinge verkaufen, um sich deren teures Hobby leisten zu können.

Position 102 unter nordamerikanischen Talenten

Es kam der 23. Juni 2007. Der Tag, als sich Karl Subbans Mühen und Opfer erstmals auszahlen. Es war der zweite Tag des 45. NHL-Drafts. Sein ältester Sohn P.K. wurde in der zweiten Runde an 43. Stelle ausgewählt. Ausgerechnet von den Montreal Canadiens.

Als der damals 18-Jährige den Verantwortlichen die Hand schüttelte, sprach er bereits vom großen Ziel, den Stanley Cup zurück nach Montreal zu holen. "Ihr habt euch für den Richtigen entschieden", prophezeite er selbstbewusst.

Nicht wenige Experten überraschte die Entscheidung der Canadiens. Der Central Scouting Service führte den Kanadier nur auf Position 102 unter den nordamerikanischen Talenten. Subban selbst konnte sein Glück kaum fassen: "Ich hätte vor Freude weinen können, als mich Montreal gedraftet hat. Aber das konnte ich nicht, schließlich war ich im Fernsehen", sagte er.

Ein Truck für den Vater

Subbans Brüder haben inzwischen ebenfalls den Grundstein für eine erfolgreiche NHL-Karriere gelegt. Torwart Malcolm wurde im Draft 2012 von den Boston Bruins ausgewählt, Verteidiger Jordan im folgenden Jahr von den Vancouver Canucks.

Auch nachdem seine sportliche Karriere an Fahrt aufgenommen hatte, wusste P.K. Subban, wem er seinen Erfolg zu verdanken hatte.

"Zuerst habe ich meinem Vater einen Truck gekauft. Ich wollte nicht, dass ich in einem schöneren Auto als er herumfahre. Er sollte sehen, dass auch er jede Menge erreicht hat. Er hat mich in eine großartige Position gebracht", erzählte er.

Für die Canadiens geschaffen

P.K. Subban scheint wie geschaffen für die Canadiens und deren Ziele. Die Stadt Montreal lechzt nach einem Meistertitel. 22 Jahre liegt der letzte Erfolg der Rekord-Franchise mittlerweile zurück. Gut möglich, dass in Subban das entscheidende Puzzleteil gefunden wurde, um die Durststrecke zu beenden.

Auch wenn er wohl nicht der talentierteste Spieler seines Jahrgangs ist, besitzt er einen unbändigen Willen und Zielstrebigkeit. Inzwischen hat er sich gar zum unumstrittenen Anführer der Habs entwickelt: "Ich habe in mir immer einen Spieler gesehen, der in großen Spielen herausstechen will und den Unterschied ausmachen will", stellt er klar.

Die Franchise belohnte seinen Schlüsselspieler vergangenes Jahr folgerichtig mit einem Megadeal: Subban wird bis 2022 in Montreal spielen und dabei neun Millionen Dollar pro Saison verdienen. General Manager Marc Bergevin freute sich darüber: "Dieser Vertrag gibt uns Sicherheit für die Zukunft. P.K. spielt immer mit vollem Einsatz und bringt trotz seiner jungen Jahre viel Erfahrung mit."

Kongeniales Duo mit Markov

Natürlich sind es nicht nur Subbans Führungsqualitäten, die die Canadiens zu diesem Schritt bewegten. Der 25-Jährige ist auch rein sportlich extrem wertvoll. 2013 wurde er mit der Norris-Trophy als bester Defensiv-Spieler des Jahres ausgezeichnet.

Auch in dieser Saison befindet er sich in der Endauswahl - allerdings ist das nicht mehr als ein Randaspekt für Teamplayer Subban: "In dieser Phase der Saison geht es ausschließlich um den Erfolg der Mannschaft."

Subban ist physisch stark, extrem schnell und leistet auch in der Offensive einen wichtigen Beitrag: In der Regular Season steuerte er 15 Treffer bei und lieferte 45 Assists, in den Playoffs netzte er bisher einmal ein und verzeichnete vier Assists.

Mit Andrei Markov bildet er in der Verteidigung ein kongeniales Duo. Der Russe bildet gewissermaßen den Gegenpart zum dynamischen Subban: Er spielt ruhig, sachlich und verfügt mit seinen 36 Jahren über noch viel mehr Erfahrung.

Canadiens mit dem Rücken zur Wand

In der Endabrechnung der ersten Runde setzten sich die Canadiens schließlich mit 4:2 gegen die Senators durch.

Nach dem entscheidenden sechsten Spiel, das Montreal vor allem dank eines überragenden Carey Price mit 2:0 für sich entschied, begegneten sich Subban und Stone noch einmal auf dem Eis. Beim obligatorischen Handshake verabschiedeten sich beide fair - der Rookie hat das Foul offenbar weitestgehend abgehakt.

Subban nutze das anschließende Post-Game-Interview für eine Kampfansage: "Es ist mir egal, ob wir gegen Detroit oder Tampa Bay spielen. Wir nehmen jeden Gegner an, um den Cup endlich nach Hause zu bringen. Heute haben wir nur den ersten Schritt gemacht", sagte er.

Gibt es ein Comeback?

Es wurde schließlich Tampa Bay - das denkbar ungünstigste Matchup für Subban und sein Team. Bereits in der Regular Season gingen alle fünf Duelle an die Lightning und auch jetzt gewannen sie die ersten beiden Vergleiche.

Auf dem Papier erscheint die Situation fast aussichtslos, zumal die nächsten beiden Duelle in der Amalie Arena in Florida stattfinden. Und dennoch ist den Canadiens ein Comeback zuzutrauen.

Schließlich haben sie nicht nur den besten Goalie der Liga, sondern auch den ultimativen Anführer in ihren Reihen. P.K. Subban wird bis zum Ende auf dem Eis alles geben - ganz egal, ob er dabei den Publikumsliebling oder den Bösewicht geben muss.

P.K. Subban im Steckbrief

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