Dennis Seidenberg im Interview

"Ich fühle mich unvollendet"

Von Christoph Köckeis
Dienstag, 21.04.2015 | 09:08 Uhr
Dennis Seidenberg und die Boston Bruins haben in dieser Saison die Playoffs verpasst
© getty
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Im Jahr 2011 taufte Dennis Seidenberg seinen Nachwuchs im Stanley Cup. Diesmal ist er mit den Boston Bruins nur Postseason-Statist. Im SPOX-Interview spricht Deutschlands Eishockeystar über seine Enttäuschung, mentale Last sowie den Football-Makel. Und: Warum die WM wackelt.

SPOX: Dennis, wie lebt es sich ohne Playoff-Bart?

Dennis Seidenberg: Nicht gut (lacht). Ich fühle mich unvollendet. Speziell hier in Boston ist man verwöhnt. Wir standen sieben Jahre in den Playoffs, zwei Mal in den Finals und konnten uns 2011 auf dem Stanley Cup verewigen. Die Erwartungen von außen sind entsprechend hoch. Immer wenn es heiß wurde, konnten wir die besten Leistungen abrufen. Diesmal nicht. Mit dem Team hätten wir es schaffen müssen. Uns fehlte die Konstanz.

SPOX: Was schwirrte Ihnen beim Locker Clean Out durch den Kopf?

Seidenberg: Du haderst mit dir, der Mannschaftsleistung, der Saison. Wir hätten etwas reißen können, aber vergeudeten unsere Chance. Man will in der Phase nicht vor dem Fernseher hocken. Du arbeitest mehrere Monate darauf hin. Räumst du dann nach 82 Spielen in der Regular Seasion die Kabine, ist es enttäuschend. Besonders weil der Glaube daran, den Schalter rechtzeitig umzulegen, bis zum Schluss in uns gelebt hat.

SPOX: War man davon geblendet?

Seidenberg: Geblendet würde ich nicht sagen. Wir haben gekämpft, der letzte entscheidende Schritt wollte uns jedoch nicht gelingen. Nach fünf Siegen verloren wir die darauffolgenden fünf Partien. Anders als in der Vergangenheit bekamen wir nicht die Kurve. Uns zeichnete stets aus, dass wir als Kollektiv stark waren und nicht von einem großen Star abhängig. In dem Jahr konnten wir unser System nicht so umsetzen, wie wir uns das vorgestellt hatten. Wenn sechs Mann auf dem Eis stehen, und ein, zwei nicht ihr Potenzial abrufen, reicht es in der NHL nicht. Als Team waren wir nicht stark genug. Jetzt gilt es abzuwarten, wie es weitergeht.

SPOX: Inwiefern rechnen Sie mit Veränderungen?

Seidenberg: Wir Spieler wissen meistens nicht, was hinter den Kulissen passiert. Um die Belange kümmert sich der General Manager. Natürlich blicke ich gespannt darauf. Ein kleiner Umbruch stellt kein Problem dar. Ein großer kommt dagegen oft einem Neuaufbau gleich. Ich habe noch Vertrag bis 2018. Mir gefällt es in Boston, bei der Organisation. Meine Familie fühlt sich sehr wohl. Das Geschäft ist aber bekannt: Im Eishockey kann es sehr schnell gehen und man hat mitunter wenig mitzureden.

SPOX: Was steht für Sie in den nächsten Wochen an?

Seidenberg: Mir liegt eine Anfrage des DEB für die WM vor. Ich setze mich damit intensiv auseinander, noch weiß ich nicht, was das Beste für mich ist. Mit dem Saisonende bei den Bruins fiel großer Druck von mir ab. Diese Anspannung wieder aufzubauen, ist nicht leicht. Bis zum Ende dieser Woche werde ich mich definitiv entscheiden.

SPOX: Woran hängt es: an Fitness oder Motivation?

Seidenberg: An der Fitness liegt es nicht. Natürlich schlägt man sich mit Wehwehchen herum. Als ich mir im Dezember 2013 das Kreuzband riss, war ich fast zehn Wochen außer Gefecht. Sich zurück zu kämpfen, war hart. Im weiteren Verlauf wurde es besser. Mir liegt das deutsche Nationalteam am Herzen - eine Teilnahme hängt jedoch von einigen Faktoren ab. Höchste Priorität hat es, gut vorbereitet in das Trainingscamp der Bruins einzusteigen. Meine Familie nimmt eine nicht minder wichtige Rolle ein. Ich muss mit meiner Frau diskutieren, ob die WM Sinn macht. Ich bin ja ohnehin fast das ganze Jahr unterwegs.

SPOX: Wie sehr genießen Sie es, zu Hause zu sein, nicht aus dem Koffer zu leben?

Seidenberg: Sehr. Jetzt kann ich meine Kids zu Geburtstagspartys begleiten, mit ihnen Zeit verbringen, ohne mir täglich Gedanken machen zu müssen und Sachen zu packen. Es tut richtig gut, komplett abzuschalten, vom Geschehen wegzukommen. Endlich stehe ich nicht unter Strom oder stecke im Spiel- und Reisestress. Ich genieße es sehr, meine Liebsten hoffentlich auch (lacht).

SPOX: Was unternimmt ein Sportler im Urlaub?

Seidenberg: Das ist alles recht vage. Eigentlich habe ich gehofft, dass wir in den Playoffs stehen. Jetzt hängt es mitunter von der WM ab. Von meiner Entscheidung ist abhängig, wann ich das Training starte. Ich werde jedenfalls die Beine hochlegen, egal wann und wo. Ganz abschalten ist für einen Profi eine Herausforderung. Du bist es nicht gewohnt, auf der Couch zu liegen, sondern besitzt den Drang, dich bewegen zu wollen. Genau den haben meine Kinder ebenso (lacht).

SPOX: Sie sind mittlerweile 33. Wird es von Jahr zu Jahr problematischer, sich in Form zu bringen?

Seidenberg: Nein. Wenn man jung ist, überdreht man. Du bist nicht zu bremsen und fängst vielleicht zu früh an. Gegen Ende der Saison kann dir das zum Verhängnis werden. Im Alter lernt man sich besser kennen und wird schlauer. Grundsätzlich denke ich, dass ich weniger trainiere als früher, dafür gezielter und qualitativ besser.

SPOX: Die einen greifen auf ein Fitnessprogramm ihrer Franchise zurück, die anderen vertrauen auf sich und ihr Gefühl. Sie?

Seidenberg: Ich weiß mittlerweile sehr gut, was mein Körper und ich brauchen. Im Sommer schuffte ich in der Kraftkammer und an der Kondition, meistens am Morgen, um nachmittags Zeit für die Familie zu haben und mit ihr etwas zu unternehmen. Wichtig ist, gesund und topfit in das Trainingscamp zu gehen. Tust du das nicht, kannst du in der NHL schnell Probleme bekommen. Der Konkurrenzkampf ist nämlich enorm.

SPOX: Wie oft stehen Sie dabei auf dem Tenniscourt?

Seidenberg: Nicht so oft wie ich es gerne hätte. Letztes Jahr ging es wegen des Knies nicht. Die Schmerzen waren zu groß, ich konnte nicht laufen und schon gar nicht abrupt stoppen. Jetzt werde ich sicherlich zum Racket greifen. Leider findet sich in den USA nicht so schnell ein Partner (lacht). Tennis ist nicht gerade die populärste Sportart hierzulande.

SPOX: Football oder Basketball schon. Können sie damit nichts anfangen?

Seidenberg: Basketball spiele ich ab und zu. Beim Football habe ich ein wesentliches Problem: Ich schaffe es nicht, eine Spirale zu werfen (lacht). Wenn, dann praktizieren wir Flag-Football. Andernfalls wäre die Gefahr, umgetackelt zu werden und sich zu verletzen, zu groß.

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SPOX: In der Formel 1 dürfen die Piloten gewisse Freizeitaktivitäten nicht ausüben. Wie ist das bei Ihnen?

Seidenberg: Bei uns gibt es solche Vereinbarungen nicht. Solange wir uns beim Eishockey verletzen, sind wir vom Klub gecovert. Passiert dir in der Freizeit etwas, beim Tennis oder beim Wasserskifahren, hast du ein Problem. Im schlimmsten Fall würde der Vertrag aufgelöst. Ich wäge daher genau ab, ob es nötig ist, das Risiko einzugehen. Es geht immerhin um die eigene Zukunft.

SPOX: Einen Ausblick in jene müssen Sie noch wagen: Wer gewinnt den Stanley Cup?

Seidenberg: Es gibt sehr viele Anwärter. Die L.A. Kings, der amtierende Champion, sind bereits raus. Ihnen hat es, glaube ich, am Erfolgshunger gemangelt, an der Energie, der Konstellation im Kader. Für mich zählen die Rangers, Montreal und Washington zu den gefährlichsten Teams im Osten. Im Westen sind es St. Louis, Anaheim und Minnesota. Um den Titel können einige mitmischen. Es wird sehr, sehr spannend. Ein Tipp ist unmöglich.

Dennis Seidenberg im Steckbrief

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