Donnerstag, 16.01.2014

Philipp Grubauer im Interview

"Ich bin Bayern- und Löwen-Fan"

Ein junger deutscher Goalie ist einer der großen Shootingstars in der NHL: Philipp Grubauer. Dabei stand der 22-Jährige vor einigen Jahren fast vor dem frühen Karriereende. Im SPOX-Interview spricht der Goalie der Washington Capitals über seinen kometenhaften Aufstieg, sein Verhältnis zu Olie the Goalie, Superstar Alex Ovechkin und eine bayerische Besonderheit.

Philipp Grubauers Stats bei den Capitals sind stark: 2.06 GAA, .936 SV%
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Philipp Grubauers Stats bei den Capitals sind stark: 2.06 GAA, .936 SV%

SPOX: Philipp, Sie sind einer der absoluten Shootingstars aktuell in der NHL, "ESPN" schrieb bereits vom "German phenom". Salopp gefragt: Was geht da gerade ab?

Philipp Grubauer: (lacht) Ich versuche, mir möglichst wenig Gedanken darüber zu machen. Ich versuche einfach, in jedem Spiel konstant meine Leistung zu bringen und dem Team zu helfen. Ich will den Jungs zeigen, dass sie hinten jemanden drin haben, der ihnen auch mal den Arsch rettet auf gut deutsch gesagt. Das klappt in den vergangenen Wochen sehr gut. Aber ich schaue nur von Spiel zu Spiel, ich weiß, wie schnell es wieder in die andere Richtung gehen und dass immer etwas passieren kann, sei es eine Verletzung oder ein Trade. Ich denke nicht daran, dass ich jetzt die Nummer eins bin.

SPOX: Aber Sie sind aktuell die klare Nummer eins.

Grubauer: Es ist natürlich für mich auch überraschend, welches Vertrauen das Management und die Trainer in mich setzen. Das will ich natürlich zurückzahlen und ihnen zeigen, dass ich hier die Nummer eins bleiben will und das Zeug dazu habe.

SPOX: Was sagt Head Coach Adam Oates zu Ihnen?

Grubauer: Ich spreche eigentlich mehr mit Goalie-Coach Olaf Kölzig. Aber ich gehe davon aus, dass unser Head Coach auch einigermaßen zufrieden mit mir ist, sonst würde er mich nicht ständig spielen lassen. (lacht)

SPOX: Sie sprechen Olaf Kölzig an, Olie the Goalie. Das ist ja schon eine ganz besondere Geschichte, dass jetzt ein junger deutscher Keeper in Washington vom ehemaligen deutschen Star-Keeper der Caps trainiert wird.

Grubauer: Es ist grandios. Olie war wahrscheinlich einer der bekanntesten Torhüter überhaupt in der NHL. Jetzt jeden Tag mit ihm arbeiten zu dürfen, ist unglaublich für mich. Er hat so viele Spiele gemacht und daher so viel Erfahrung, die er mir weitergeben kann. Er hilft mir wirklich enorm und sagt mir immer, was ich in bestimmten Situationen noch besser machen kann. Sein Deutsch ist allerdings etwas eingerostet, da sind nur noch ein paar Brocken da, wir unterhalten uns meistens auf Englisch.

SPOX: Er muss natürlich auch mit den anderen beiden Goalies arbeiten, mit Braden Holtby und Michal Neuvirth. Holtby stand mal im erweiterten Kader für Team Canada für Sotschi, daran erinnert sich überhaupt niemand mehr. Wie ist der Umgang untereinander angesichts der schwierigen Situation mit drei Goalies?

Grubauer: Jeder meint, dass wir Probleme untereinander hätten, aber das ist überhaupt nicht der Fall. Wir kommen sehr gut miteinander aus. Jeder in der Kabine gehört zur Mannschaft dazu, da macht es keinen Unterschied, ob ich starte oder nur die Nummer drei bin. Und wenn es für einen nicht so gut läuft, dann versuchen wir, ihn aufzubauen.

SPOX: War Olaf Kölzig auch eines Ihrer Vorbilder?

"Es ist natürlich für mich auch überraschend, welches Vertrauen das Management und die Trainer in mich setzen. Das will ich natürlich zurückzahlen und ihnen zeigen, dass ich hier die Nummer eins bleiben will und das Zeug dazu habe."

Philipp Grubauer

Grubauer: Ja, Olie, Martin Brodeur und Robert Müller waren so die Goalies, die ich als Vorbilder bezeichnen würde.

SPOX: Wenn wir uns Ihren Werdegang anschauen: Sie haben die Heimat schon mit 16 Jahren verlassen, um in die kanadische Juniorenliga zu wechseln. Wie groß war dieser Schritt?

Grubauer: Es ging eigentlich. Es war kein so großer Schritt, wie ich es mir vorgestellt hatte. Das einzig Schlimme war die Umstellung vom bayerischen auf das kanadische Essen, der Schweinsbraten fehlt mir immer noch. (lacht) Ansonsten war es eine super Zeit in Belleville. Ich habe bei einer großartigen Gastfamilie gelebt und hatte das Glück, dass ich mit Uwe Krupps Sohn Björn zusammengespielt habe. Uwe war zu dem Zeitpunkt auch in Belleville und hat uns trainiert, die beiden haben mir bei der Umstellung sehr geholfen. Sowohl mit der Sprache als auch sportlich, zum Beispiel mit der kleineren Eisfläche, da hatte ich tolle Unterstützung.

SPOX: Ein Meilenstein war dann der Draft 2010, als Sie in der 4. Runde von den Caps gezogen wurden. Wie haben Sie diesen Tag erlebt?

Grubauer: Wir wollten nicht für zwei Tage nach L.A. fliegen, deshalb habe ich den Draft-Tag mit der Familie und Freunden zuhause verbracht. Wir haben gegrillt, alles am Computer verfolgt und mitgefiebert.

SPOX: Und dann ging die Warterei los...

Grubauer: Richtig. Ich hätte ein bisschen früher drankommen sollen. Aber dann war die zweite Runde vorbei und wir haben uns alle etwas verdutzt angeschaut nach dem Motto: 'Hier hätte jetzt eigentlich was passieren sollen.' Dann kam die dritte Runde, wieder nichts. Als ich dann in der vierten Runde von Washington gedraftet wurde, war es keine Erlösung, aber ich war schon sehr, sehr froh, als ich endlich meinen Namen gesehen habe.

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SPOX: Ihr Weg vom Draft in die NHL sollte sich dann sehr schwierig gestalten. Erzählen Sie.

Grubauer: Die zwei Jahre nach dem Draft waren sehr kompliziert für mich. Zunächst habe ich das Pfeiffersche Drüsenfieber bekommen, da ging es mir einige Wochen sehr schlimm. Ich habe innerhalb von zwei Wochen über zehn Kilogramm verloren, ich habe nichts getrunken und nichts gegessen. Ich bin dann erst mal nach Hause geflogen, habe Infusionen bekommen und mich auskuriert. Das ist natürlich schon eine Schrecksekunde und du fragst dich, warum so was passiert. Ich habe eine Zeit lang gar nichts gemacht, dann ist es zum Glück weggegangen. Aber es kann immer wieder kommen. Ich habe auf jeden Fall gelernt, meinen Körper besser zu behandeln, besser zu essen, besser zu schlafen.

SPOX: Die zweite schwierige Geschichte war eine Handverletzung. Was ist da passiert?

Grubauer: Ich habe mir in der Hand ein Band abgerissen und musste operiert werden. Da hieß es fast schon, dass es das Karriereende bedeuten könnte, wenn es nicht wieder richtig zusammenheilt. Aber das ist zum Glück auch gut gegangen, die Ärzte in Washington haben es super gemacht, sodass ich fast keine Probleme mehr damit habe.

Seite 1: Grubauer über seinen Aufstieg zum Shootingstar

Seite 2: Grubauer über Ovechkin, seinen Bobblehead und Fußball

Interview: Florian Regelmann

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Florian Regelmann(Chefredakteur )

Florian Regelmann, Jahrgang 1980, ist als Content Director des Mutterkonzerns PERFORM Deutschland verantwortlich für die redaktionellen Inhalte bei SPOX.com. Schwerpunkte: Tennis, Golf, US-Sport, Basketball, Handball, Eishockey, Volleyball. Geboren und aufgewachsen am Bodensee. Schon seit 2007 im SPOX-Team dabei.

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