Montag, 09.12.2013

Nathan MacKinnon im Porträt

Viel mehr als Crosbys Schatten

Er gilt als Riesentalent und hat eine besondere Verbindung zu Sidney Crosby. Nathan MacKinnon erlebt in seiner Rookie-Saison in der NHL enormen Erwartungsdruck, dennoch hat der 18-Jährige den Spaß am Spiel mitnichten verloren. Bei den Colorado Avalanche hat der Kanadier eine zweite Familie gefunden - und sich eine persönliche Prophezeiung erfüllt.

Einmal traf Nathan MacKinnon (l.) in der NHL bereits auf sein großes Idol Sidney Crosby
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Einmal traf Nathan MacKinnon (l.) in der NHL bereits auf sein großes Idol Sidney Crosby

Es scheint fast eine schicksalhafte Verbindung zu sein. Nathan MacKinnon wuchs im gleichen Städtchen in der Provinz Nova Scotia auf wie Sidney Crosby, wurde ebenfalls als erster Spieler im Draft gewählt und gilt als Kanadas neueste Eishockey-Hoffnung. Zum ersten Mal trafen sich beide, als MacKinnon gerade sieben Jahre alt war und natürlich wurde Crosby später zu seinem großen Vorbild.

Es entwickelte sich eine Freundschaft zwischen den beiden, vor der Saison trainierten sie bereits zusammen und mittlerweile haben sie den gleichen Agenten sowie den gleichen Fitnesstrainer. MacKinnons Jugendcoach Jon Greenwood erinnert sich: "Nathan hat Sidney immer genau beobachtet und Sidney war ein guter Mentor für ihn, wenn er im Sommer hierher zurück kam."

Doch hinter dem Youngster steckt weit mehr als nur die offensichtlichen Parallelen zu dem Superstar. Die Story eines Jungen aus der kanadischen Provinz, der seine eigene NHL-Geschichte schreiben will.

Greenwood früh beeindruckt

Geboren in Halifax, zog MacKinnon mit seiner Familie früh nach Cole Harbour, einem kleinen Städtchen mit 25.000 Einwohnern und Crosbys Geburtsstadt.

Als 11-Jährigen lernte Greenwood, damals Trainer der Cole Harbour Wings, MacKinnon kennen und erinnerte sich im Gespräch mit "NHL.com": "Er war anders. Sein gutes Skating ist mir sofort aufgefallen und während der Saison dachte ich mir: 'Das ist der beste Pee-Wee-Spieler in seinem ersten Jahr seit langem.'"

Dabei zeichnete ihn schon früh sein permanenter Wunsch nach Verbesserung aus: "Er wollte unbedingt immer etwas lernen und hat sich alle Ratschläge zu Herzen genommen. Er wollte ein kompletter Spieler sein und nicht als reiner Stürmer gesehen werden."

Zielstrebigkeit entgegen aller Warnungen

Es war bereits ein kleiner Hinweis darauf, dass MacKinnon früh wusste was er will. Als Nathan acht Jahre alt war, berichtete sein Vater Graham in der "Denver Post", erhielt der Junior eine Karte von ihm. Vorne war ein Bild Nathans in Hockey-Ausrüstung, auf der Rückseite konnte man persönliche Informationen eintragen. "Er sagte: 'Ich will für die Halifax Mooseheads spielen, dann von Colorado gedrafted werden und mit Joe Sakic spielen.'"

Sakic erklärte zwar 2009 sein Karriereende, die anderen beiden Ziele hat MacKinnon erstaunlicherweise bis heute erreicht. Von 2011 bis 2013 spielte er für die Mooseheads, in 102 Spielen gelangen ihm 153 Scorer-Punkte. "Er fing mit zwei Jahren an zu Skaten", erinnert sich der Papa: "Er hat sich ins Eishockey verliebt und das hat sich bis heute nicht geändert."

Da halfen auch alle Warnungen des Vaters nicht, zu zielstrebig sei Nathan bereits in jungen Jahren gewesen: "Als er neun oder zehn Jahre alt war, habe ich ihm manchmal gesagt, dass es nicht alle im Hockey schaffen. Dann wurde er sauer und hat gesagt: 'Ich spiele Hockey, sonst nichts. Ich habe keinen Plan B. Ein Plan B ist nur eine Ablenkung von Plan A.'"

"Ich liebe jede Sekunde"

MacKinnons Dickköpfigkeit und Fokussierung führten schließlich zu seinem nächsten großen Ziel. Als erster Pick im Draft ging er nach Colorado, wo er mit 17 Scorerpunkten in den ersten 28 Spielen einen guten Einstand feierte. "Ich liebe jede Sekunde", genießt der 18-Jährige seinen wahr gewordenen NHL-Traum: "Die Reisen mit dem Team und auch wie die Spieler behandelt werden."

Fragt man den Center aber nach den Wurzeln seines Selbstvertrauens, kreuzt sich einmal mehr der Weg mit Crosby, wie MacKinnon selbst berichtet: "Er wusste nicht, ob er es schafft, weil er aus einer so kleinen Stadt kommt. Ich habe seinen Weg verfolgt und mir gesagt, dass wenn er es geschafft hat, ich es auch schaffen kann. Er hat den Weg für Jungs aus den kleinen Städten bereitet."

MacKinnon selbst brachte der von ihm selbst prophezeite Sprung nach Colorado in eine hervorragende Position. Coach Patrick Roy vertraut ihm und so kann sich der Rookie weiter entwickeln: "Er lässt mich einfach spielen. Im Power Play, in Unterzahl, in der letzten Minute. Ich könnte nicht mehr verlangen und bin sehr dankbar für diese Gelegenheit."

Zweite Heimat bei Goalie Giggy

Auch außerhalb der Spiele ist MacKinnon in Colorado voll ankommen, größtenteils dank dem 36-jährigen Goalie Jean-Sebastien Giguere. Der Rookie wohnt, wie es Teams häufiger machen, bei Giguere, um ein familiäres Umfeld zu haben und nicht den Fokus zu verlieren. "Ich habe drei Jungs, die verhindern dürften, dass er abhebt", schmunzelte Giguere.

Gleichzeitig hatte Giggy nur Positives zu berichten: "Er hat seinen eigenen Wohnbereich, den er natürlich sauber halten muss. Das einzige was ich verlange, ist, dass er respektvoll mit meiner Frau und meinen Kindern umgeht. Und dass er Bescheid sagt, wenn er zum Abendessen nicht kommt. Er ist sehr respektvoll und höflich und in keiner Weise arrogant."

MacKinnon selbst sieht ebenfalls die Vorteile: "Giggy hat drei Jungs und seine Frau kommt aus Halifax. Sie ist eine tolle Köchin und sie kümmern sich toll um mich, also muss ich mir keine Gedanken um Kochen und sowas machen. Ich werde gut gefüttert."

Gleichzeitig soll er lernen, Eigenverantwortung zu übernehmen. "Ich will ihn nicht bevormunden. Ich bin nicht sein Vater und werde ihm nicht sagen, wann er zuhause sein muss oder so etwas", stellte Giguere klar. Eine weitere Regel gibt es allerdings: Das Radio im Auto darf der Youngster nicht anfassen. "Keine Chance", betonte Giguere lachend: "Wir hören uns die Charts an, weiter gehe ich nicht. Es gibt keinen Country oder Hip Hop."

"Nate will gewinnen und der Beste sein"

Für MacKinnon sicherlich zu verschmerzen, wenngleich seine zwei Jahre ältere Schwester Sarah den vielseitigen Musikgeschmack ihres Bruders lobte: "Er hört alles, von Elton John über Country zu R&B und Rap. Ich klaue mir immer seine Musik."

Darüber hinaus bestätigte aber auch sie Nathans Kampfgeist: "Wir hatten einige harte Scrabble-Gefechte als Kinder. Er wollte um jeden Preis gewinnen. Egal was es ist, Nate will gewinnen und der Beste sein."

Daher passt es auch zu MacKinnons Zielsetzung, früher oder später aus Crosbys Schatten treten zu wollen und seine eigene Geschichte zu schreiben: "Er ist der beste Spieler der Welt und meine NHL-Karriere hat gerade erst begonnen. Ich weiß, wie hart ich arbeiten muss, um ein noch besserer Spieler zu werden. Das versuche ich zu erreichen."

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Lehrstunde für den Youngster

Ein erstes Aufeinandertreffen der beiden Kanadier gab es in dieser Saison schon, natürlich bestimmte die gemeinsame Vergangenheit die Schlagzeilen. "Ich hätte nie gedacht, dass ich mal gegen einen Spieler aus meiner Heimatstadt antreten würde", erklärte Crosby im Vorfeld.

Zwar entschied Colorado das Duell mit 1:0 für sich, allerdings gehörte der Moment des Spiels im direkten Duell Crosby: An der Bande ließ er MacKinnon mit einer Körpertäuschung stehen, so dass dieser beinahe hinfiel - Crosbys persönlicher Willkommensgruß in der Liga.

Dennoch freut sich der Superstar für den Rookie, der quasi mit ihm aufwuchs: "Es ist schon ziemlich cool. Man rechnet nicht mit so etwas, aber ich bin stolz auf das, was er erreicht hat." Noch hält Crosby die Rekorde für den jüngsten Topscorer und wurde mit 21 der jüngste Mannschaftskapitän, der den Stanley Cup gewann. Um aus Crosbys Schatten zu treten, wird MacKinnon dessen Pfad ironischerweise wohl weiter folgen müssen.

Nathan MacKinnon im Steckbrief

Adrian Bordt

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