Mittwoch, 06.11.2013

Die San Jose Sharks in der Analyse

Die Routiniers und der irre Rookie

Die San Jose Sharks haben einen furiosen Start in die NHL-Saison hingelegt - mal wieder. Die Sharks boten bereits in den vergangenen Jahren mehrfach starke Regular Seasons, enttäuschten dann aber in den Playoffs. Dieses Jahr aber könnte alles anders werden: Die Mischung aus Routiniers und jungen Spielern funktioniert, dazu kommt eine kompromisslose Defense, gepaart mit spektakulärer Offense. Reicht es für den großen Wurf?

Die San Jose Sharks sind bestens in die neue NHL-Saison gestartet
© getty
Die San Jose Sharks sind bestens in die neue NHL-Saison gestartet

Die San Jose Sharks haben einen furiosen Start in die NHL-Saison hingelegt - mal wieder. Die Sharks boten bereits in den vergangenen Jahren mehrfach starke Regular Seasons, enttäuschten dann aber in den Playoffs. Dieses Jahr aber könnte alles anders werden: Die Mischung aus Routiniers und jungen Spielern funktioniert, dazu kommt eine kompromisslose Defense, gepaart mit spektakulärer Offense. Reicht es für den großen Wurf?

Ein kurzer Rückblick: 2009, im ersten Jahr von Head Coach Todd McLellan, startet San Jose 36-6-5 und gewinnt am Saisonende die President's Trophy für die meisten Siege in der Regular Season - nur um im Western-Conference-Halbfinale gegen Anaheim 2-4 zu verlieren. Es folgte ein 43-13-10-Start mit dem Aus kurz vor der ersten Stanley-Cup-Finals-Teilnahme gegen Chicago - per Sweep.

Immer wieder Probleme in den Playoffs

Die Probleme in den Playoffs ziehen sich für San Jose wie ein roter Faden durch die vergangenen fünf Jahre. Regelmäßig ließen die Sharks starken Auftritten in der Regular Season ein enttäuschendes Aus kurz vor den Finals folgen. So gab es 2011 nur einen Sieg in den Western Conference Finals gegen Vancouver, 2012 folgte das Aus gegen St. Louis im Conference-Viertelfinale.

Auch dieses Jahr ist San Jose gut in die Saison gestartet und mischt in der engen Pacific Division oben mit. Unweigerlich dürften bei Sharks-Fans bereits Alarmglocken schrillen und an die Enttäuschungen der vergangenen Spielzeiten erinnern. Doch es gibt durchaus Grund zu Optimismus: San Jose scheint in diesem Jahr die richtige Mischung gefunden zu haben und könnte endlich nach dem Stanley Cup greifen.

Hauptverantwortlich dafür sind drei Routiniers, ein frecher Rookie sowie die schwer ausrechenbare und extrem variable Offense. Diese basiert vor allem auf einem: Einer schnellen und kompromisslosen Defense.

Die Defense:

"Wir haben unsere Identität geändert und ich denke, es ist das kompletteste Team, das wir bisher hatten. Jeder spielt zusammen, wir spielen schnell und hart. Jeder ist engagiert in der D-Zone", bringt Verteidiger Marc-Edouard Vlasic die Denkweise der Sharks auf den Punkt. Ermöglicht wird das durch gute Leistungen von Vlasic selbst sowie Brad Stuart, Jason Demers, Scott Hannan, Matt Irwin und vor allem auch Justin Braun, wodurch auch der zwischenzeitliche Ausfall von Top-Verteidiger Dan Boyle aufgefangen werden konnte.

Das Konzept der Sharks ist dabei so simpel wie effizient. San Jose bringt eine bewegliche, aggressive Defense aufs Eis, die darauf ausgelegt ist, den Puck so schnell wie möglich aus der eigenen Zone zu bekommen. Dadurch wird der Druck des Gegners automatisch reduziert und dank dieses North-South-Styles lassen die Sharks nur 24,8 Schüsse pro Spiel zu, die drittwenigsten der NHL.

"Wir spielen wirklich hart und wenn wir Schüsse blocken müssen, blockt sie jemand. Nemo hält die Schüsse, die durchkommen. Wir leben von unserer guten Defense und dadurch können wir gute Offense spielen", erklärt Kapitän Joe Thornton. Tatsächlich darf Goalie Antti "Nemo" Niemi bei der Analyse der Defense nicht außen vor gelassen werden. Der 30-jährige Finne ist derzeit einer der besten Goalies in der Western Conference, bringt die Erfahrung eines Stanley Cups mit und wies bereits im Vorjahr die drittmeisten Saves auf (1.127).

In dieser Saison ließ Niemi (.921 Saving Percentage) in den ersten vier Spielen bei zwei Shutouts nur vier Gegentore zu. Insgesamt kassiert San Jose 1,79 Tore pro Spiel, nur die ebenfalls stark gestarteten Colorado Avalanche (1,46) sind hier noch besser. "Jeder weiß, was er in der Defense machen muss", analysierte Thornton weiter: "Das hilft natürlich dabei, den Puck aus unserer Zone zu bekommen und schnell auf Offense umzuschalten."

Unberechenbare Offense:

Sind die Sharks erstmal im Angriff, kann sich der Gegner kaum auf einen Spieler konzentrieren. 17 verschiedene Torschützen durften für San Jose bislang bereits jubeln, auch die dritte und die vierte Reihe wirken somit gefährlich und können Druck auf den Gegner ausüben - was in 3,71 Toren pro Spiel resultiert, der Liga-Topwert.

"Wir finden die Lücken und es scheint alles rein zu gehen", so Thornton, dem durch die vielseitige Sharks-Offense Druck von den Schultern genommen wird: "Wir haben uns Ende des letzten Jahres schon gut gefühlt und das hält an. Wir arbeiten hart füreinander und dadurch passieren gute Dinge."

Zwar ist die Saison noch jung, aber kaum jemand dürfte bestreiten, dass San Jose bislang eine der besten und spektakulärsten Offenses in der Liga hat. Das Offensive Zone Pressing der Sharks, gepaart mit präzisem Passspiel, stellt die Gegner vor massive Probleme, dazu kommt die Breite im Kader: Tommy Wingels (vier Tore), Tyler Kennedy (2) oder Matt Nieto (2) entlasten Logan Couture, Joe Pavelski sowie die Routiniers Thornton und Patrick Marleau.

Hertls Tor der Saison

Dennoch sind die erfahrenen Thornton (seit 2005 im Team), Marleau (seit 1997) und auch der 37-jährige Boyle (seit 2008) nach wie vor wichtige Stützen des Teams, sei es auf dem Eis oder auch innerhalb des Teams. Dabei haben sie etwas gemeinsam: Alle drei sind in ihrem letzten Vertragsjahr und diese Saison dürfte für die drei Routiniers die letzte Chance sein, den Titel zusammen nach San Jose zu holen.

Aber auch hier wird die gute Mischung deutlich, die den Sharks dieses Jahr die Chance auf den großen Wurf geben könnte. Pavelski sowie Couture kommen ins beste Eishockey-Alter, dazu kommt der bislang spektakuläre Rookie Tomas Hertl, der die Team-interne Torschützenliste mit neun Treffern anführt. "Er ist ein leidenschaftlicher junger Mann, und ich bin mir nicht sicher, dass er das alles schon realisiert", erklärte Coach McLellan.

Dabei hat der 19-Jährige schon eines der absoluten Saison-Highlights abgeliefert: Beim 9:2 über die Rangers erzielte Hertl vier Tore, bei seinem vierten Treffer legte er sich den Puck vor dem Tor selbst durch die Beine und traf in den Winkel. "So was habe ich nicht drauf. Das sah ziemlich gut aus, oder?", grinste Thornton anschließend.

Auch McLellan betonte: "Unser Spiel braucht ein wenig davon." Immerhin ist es die Unbekümmertheit des Rookies gepaart mit den erfahrenen Veteranen, die den Sharks dabei helfen könnte, endlich aus den eigenen Mustern der Vergangenheit auszubrechen.

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Adrian Bohrdt

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