Der beste Torhüter der Welt?

Von Hannes Hilbrecht
Dienstag, 05.03.2013 | 15:36 Uhr
Craig Anderson kassiert in dieser Saison nur 1,49 Gegentreffer pro Partie
© getty
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Die NHL-Stats weisen Craig Anderson derzeit als besten Schlussmann aus. Bei den Ottawa Senators hat sich der 31-Jährige nach durchwachsenen Jahren wieder zu einer Alternative im Kasten des US-Teams gemausert.

Völlig fassungslos dreht sich Craig Anderson am Abend des 8. Mai 2008 zu seinem Gehäuse um. Bereits zum vierten Mal muss er den Puck herausfischen. Dabei hat der Gegner gerade einmal neun Torschüsse abgefeuert, vier davon aber kann der Goalie nicht abwehren.

Es sind nicht die Stanley-Cup Playoffs, es ist die Eishockey-Weltmeisterschaft im kanadischen Halifax. Gegner der USA in der ersten Begegnung der Zwischenrunde ist kein internationales Spitzenteam, sondern die deutsche Nationalmannschaft. Es dauert einen Moment, bis US-Coach John Tortorella das Zeichen für den Torwartwechsel gibt. Enttäuscht schleicht Anderson nach fast 45 Minuten vom Eis.

Von der Bank aus muss der damalige Torhüter der Florida Panthers mit ansehen, wie sein Vertreter Robert Esche die US-Boys zum engen 6:4-Sieg über die heroisch kämpfende DEB-Auswahl führt. Was Anderson zu diesem Zeitpunkt nicht ahnt: Dieser unrühmliche Auftritt im Metro Center von Halifax, sollte sein bis dato letzter Auftritt im Nationaltrikot der US-Auswahl sein.

Anderson in der NHL mit famosen Stats

Fast fünf Jahre nach diesem bitteren Abend erinnert in der NHL wenig an diesen konsternierten Goalie von Halifax. Anderson steht bei den Ottawa Senators im Kasten und in der noch jungen Saison agiert kein anderer Goalie auf dem Niveau des 31-Jährigen.

Niemand liefert annähend solch famose Stats wie der 1,88 m große Sens-Schlussmann. Für seine herausragenden Leistungen in den ersten Saisonspielen, wurde Anderson erst jüngst zum Spieler des Monats Januar gewählt. Für Anderson, der selbige Auszeichnung bereits im November 2009 einheimsen konnte, ist dieser steile Karrierefortschritt jedoch keine Selbstverständlichkeit. Zu steinig, zu kräftezerrend war sein Weg, bis er in der kanadischen Hauptstadt sein Glück finden sollte.

Die ersten Schritte seiner Karriere sind untrennbar mit seiner Heimatregion verbunden. Geboren am 21. März 1981 in der Kleinstadt Park Ridge, unweit des Lake Michigan und der Sport-Metropole Chicago, spielte der US-Amerikaner für die besten Jugendmannschaften aus der "Windy City". Anderson, der von Mitspielern für seine unwahrscheinlich ruhige Art und seinen großen Ehrgeiz geschätzt wird, wurde schnell von Talent-Scouts entdeckt und ging in die Ontario Hockey League.

Lieblingsteam: Die Chicago Blackhawks

Bei den Guelph Storm avancierte der 79 Kilogramm schwere Keeper schnell zum absoluten Leistungsträger, schaffte es zweimal ins All Star Team. Der Sprung in die NHL, wie sollte es das Schicksal auch anders wollen, gelang dem heimatverbundenen Torhüter ausgerechnet in Chicago.

Vier Jahre stand Anderson bei den Blackhawks unter Vertrag, absolvierte dabei 56 Einsätze für sein Lieblingsteam. Große Erfolge sprangen jedoch in dieser Zeit nicht heraus, die Blackhawks befanden sich im Rebuild, das Original-Six-Team glich phasenweise einer Schießbude, eine schwierige Situation für einen jungen Keeper. Über die Stationen Florida und Colorado erreichte der sympathische Schlussmann mit dem lichten Haar, im Februar 2011 seine neue Heimat Ottawa.

51 Saves in einem Playoff-Game

Im ersten Jahr bei den Colorado Avalanche zeigte Anderson phasenweise, zu welch überragenden Leistungen er fähig sein kann. Er führte die Mannschaft aus Denver zurück in die Playoffs, spielte in der 1. Runde gegen die hochfavorisierten San Jose Sharks groß auf und sorgte mit seiner 51-Save-Shutout Performance am 18. April 2010 für eine der größten Torhüterleistungen in der Playoff-Geschichte. Lediglich die Legenden, Patrick Roy und Dominik Hasek lieferten bei einem Playoff-Shutout mehr Saves.

Doch schon in der nächsten Saison wurde das große Manko von Craig Anderson deutlich, die fehlende Konstanz. Nach einem desaströsen Saisonstart verlor Anderson zunächst seinen Stammplatz bei den Avs und wurde wenig später zu den Sens transferiert. Doch im Gegensatz zu seinen vorherigen Stationen konnte er beim Stanley-Cup Finalisten von 2007 seine Leistungen stabilisieren.

Sensationelles Sens-Debüt

Bei seinem Debüt für die Sens ließ er die Rivalen aus Toronto verzweifeln und startete mit 47 Saves und einem Shutout. Die bis dato enttäuschenden Senators spielten mit ihrem neuen Goalie wie ausgewechselt, bei seinen 18 Auftritten gingen die Kanadier elfmal als Sieger vom Eis, verpassten aber nichtsdestotrotz die Playoffs. Die Zahlen aus seinen ersten Auftritten konnte Anderson zwar in der Folgesaison nicht bestätigen, dennoch reichte es knapp für die Playoffs - und die sollten es in sich haben.

Es war das vielleicht hochklassigste Torhüterduell in den letzten Jahren, Hendrik "King" Lundqvist, seines Zeichen Keeper der New York Rangers, und Craig Anderson duellierten sich auf höchstem Niveau. Die Mannen aus dem Big Apple gingen als klarer Favorit in die Serie. Trainiert von Tortorella, jenem Trainer, der Anderson bei seinem ganz persönlichen Debakel von Halifax vom Eis holte.

Stattdessen entwickelte sich ein packender Schlagabtausch über die volle Distanz von sieben Spielen. 93,3 Prozent aller Torschüsse wehrte Anderson ab. Sein Gegenüber, der spätere Verzina Trophy Gewinner Lundqvist, agierte noch ein wenig stärker und parierte über 94 Prozent der auf ihn abgefeuerten Schüsse.

Trotz des epischen Playoff-Duells, das bis zum letzten Bully ausglichen war, blieben bei den Fans zunächst die Zweifel gegenüber ihrem Schlussmann. In einem Vorbericht zum ersten Saisonspiel brachte ein junger Mann den allgemeinen Gemütszustand der Sens-Anhänger in Hinblick auf die Personalie Anderson auf den Punkt: "Craig is a box of chocolates - never know what you're gonna get".

Anderson lässt Zweifler verstummen

Mit den in dieser Saison gezeigten Leistungen räumte Anderson die letzten Zweifel an seiner Person endgültig aus dem Weg. In seinen 15 Einsätzen parierte der US-Amerikaner 95,2 Prozent der auf sein Tor abgefeuerten Schüsse, kassierte mit durchschnittlich 1,49 Gegentreffern weniger Tore als jeder andere Torhüter in der NHL. Für seine Teamkollegen ist Anderson der Hauptgrund dafür, dass die Senators im hart umkämpften Osten auf Playoff-Kurs liegen.

"Wir können uns zu 100 Prozent auf Craig verlassen. Er ist ein großer Kämpfer, ein großer Keeper", sagt Franchise-Legende Daniel Alfredson voller Wertschätzung. "Es ist fantastisch, wenn ein Torwart für seine Mannschaft enge Spiele gewinnt." Anderson hingegen lobt bodenständig das Kollektiv: "Wir sind vielleicht nicht so talentiert wie viele unserer Gegner. Aber dafür arbeiten wir hart als eingeschworenes Team, das ist unser Erfolgsgeheimnis." Aus der Underdog-Rolle zieht der Goalie seine Stärke: "Ich brauche die Anspannung. Je mehr Schüsse ich abwehren kann, desto selbstbewusster werde ich".

Anderson, der sich derzeit nach einer Knöchelblessur im Training zurückkämpft, darf sich zudem Hoffnungen auf ein Comeback in der Nationalmannschaft machen. Im Hinblick auf die Olympischen Winterspiele beobachteten US-Scouts den Goalie mehrfach.

Anderson demonstriert Gelassenheit, seine Begeisterung für das Turnier in Sotschi ist aber nicht zu übersehen: "Momentan zählt nur Ottawa. Wir haben eine tolle Mannschaft und die Playoffs sind absolut realistisch. Ich würde aber lügen, wenn ich sage, es würde mich nicht mit Stolz erfüllen, für mein Land aufzulaufen."

NHL: Alle Tabellen im Überblick

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